The Graphic Canon, Bd. II

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • -: -, 2012, Titel: 'The Graphic Canon, Volume 2: From Kubia Khan to the Bronte Sisters to the Picture of Dorian Gray', Originalsprache
  • Berlin: Galiani, 2015, Seiten: 380, Übersetzt: Steffen Jacobs und Anja Kootz u.a., Bemerkung: Maxon Crumb, Flix, Kat Menschik, Kevin Dixon, Alexandra Kardinar & Volker Schlecht, Rattelschneck, Huxley King und über 40 weitere Künstler

Couch-Wertung:

90
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Kathrin Plett
Hänsel und Gretel treffen auf Faust und Mr. Bennet aus <cite>Stolz und Vorurteil</cite>

Buch-Rezension von Kathrin Plett Feb 2016

Auf den ersten Blick haben "Hänsel und Gretel" weder viele Gemeinsamkeiten mit Goethes Faust noch mit Mr. Bennet aus Stolz und Vorurteil. Alle drei befinden sich jedoch in The Graphic Canon: Weltliteratur als Graphic Novel. Doch nicht nur diese drei Geschichten haben ihren Platz im fast 400 Seiten starken und im DIN A4-Format aufgelegten Buch bekommen. Auch andere bekannte Titel, die den meisten Lesern wohl bekannt sein werden, haben es in das Werk geschafft und sind von einem der vielen im Buch vertretenen Künstler neu interpretiert worden.

Die ausgewählten Werke kommen dabei aus unterschiedlichen Bereichen. Neben dem Klassiker "Hänsel und Gretel" gibt es aus diesem Bereich mit "Des Kaisers neue Kleider" und "Sechse kommen durch die ganze Welt" noch weitere Märchen. Obwohl nur "Sechse kommen um die ganze Welt" im Stil einer Graphic Novel abgedruckt ist, wurden auch die anderen beiden Märchen mit Bildern versehen. Besonders interessant sind die Informationen, die den Texten vorangestellt werden. Kurz und knapp werden Daten und Wissenswertes zusammengefasst und bilden somit spannendes Hintergrundwissen.

Mit "Die Abenteuer des Huckleberry Finn" und "Oliver Twist" werden Kindheitserinnerungen wachgerufen. Da anders als bei Märchen der gesamte Roman zu lang zum Abdrucken gewesen wäre, hat der Zeichner in diesem Fall ein Kapitel ausgesucht, welches er mithilfe eindrucksvoller Zeichnungen darstellt. Großformatig, sodass teilweise nur zwei Szenen auf einer Seite zu sehen sind, wird gezeigt, wie sich Huck mit dem Sklaven Jim auf der Flucht befindet und hin- und hergerissen ist, seinen Freund Jim auszuliefern um sein peinigendes Gewissen zu beruhigen. Der Zeichner von "Oliver Twist" kommt in seiner Interpretation des neunten Kapitels, in dem der ausgestoßene Oliver in die Fänge von Fangin, dem Anführer einer Bande junger Taschendiebe gerät, sogar ganz ohne Worte aus. Allein durch die Mimik und Gestik, die er seinen Figuren nur mithilfe der Farben schwarz und weiß gibt, erzählt er die Handlung.

Vielen bekannt ist wahrscheinlich auch der Struwwelpeter, von dem Auszüge erzählt werden, die jeweils durch ein treffendes Bild begleitet werden. Beim Daumenlutscher gibt es eine laufende Schere, die mit den abgeschnittenen Daumen davonrennt und bei der Geschichte vom wilden Jäger lauert ein mit Gewehr bewaffneter Hase im Gebüsch.

So unterschiedlich die Texte, so unterschiedlich ist auch die Darstellung. Kommen Huckleberry Finn oder Oliver Twist allein in schwarz-weiß daher, greift der Zeichner von "Der alte Seefahrer" von Samuel Taylor Coleridge auf die gesamte Farbpalette zurück. Auch Frankenstein sticht mit farbigen Bildern deutlich vom schwarzen Hintergrund hervor. Bleibt es bei "Walden" von Henry David Thoreau noch bei einfachen Umrisszeichnungen in gelb, weiß und schwarz, wurde "Zwischenfall auf der Eulenfluss-Brücke" von Ambrose Bierce mit Aquarellfarbe getuscht.

Zusammenfassend lässt sich The Graphic Canon als gelungenes Gesamtwerk beschreiben, welches ein breites Spektrum an Klassikern in einem Buch vereint. Gerade da die einzelnen Geschichten auf den ersten Blick nur wenige Gemeinsamkeiten aufweisen, bietet der Mix eine interessante Mischung, sodass jeder etwas nach seinem Geschmack finden wird. Durch die wechselnden Darstellungsarten lässt sich immer wieder etwas Neues entdecken.

The Graphic Canon, Bd. II

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