Denn das Glück ist eine Reise

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Paris: Calmann-Lévy, 2009, Titel: 'L´avant-dernière chance', Seiten: 245, Originalsprache
  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2011, Seiten: 5, Übersetzt: Tobias Dutschke

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Rita Dell'Agnese
Wann ist es zu spät, sich einen Traum zu erfüllen?

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Aug 2011

Einmal die Tour-de-France fahren. Für den 83-jährigen Georges und seinen 76-jährigen Nachbarn Charles soll dieser Traum in Erfüllung gehen, als Georges Tochter Françoise beschließt, sich für ein paar Wochen in die Abgeschiedenheit der Anden zurück zu ziehen. Denn Georges ahnt, dass Françoise mit seinem Vorhaben nie einverstanden gewesen wäre. Just in dem Moment, als Georges und Charles die letzten Vorbereitungen zur Reise treffen, ruft Adèle an – die einzige Enkeltochter von Georges. Die junge Frau, die sich in London als Assistentin einer Filmequipe langweilt, möchte den Kontakt mit dem lange nicht gesehenen Großvater wieder aufleben lassen. Schnell erkennt Adèle, dass Georges zu einem Abenteuer aufgebrochen ist. Sie vereinbart, dass er sich täglich per SMS bei ihr melden soll, damit sie sich keine Sorgen machen muss. So fahren Georges und Charles in ihrem neuen Renault Scénic die Route der Tour-de-France nach. Dabei lernen sie nicht nur einander sondern auch sich selber besser kennen.

Auf einander zugehen

Die Leser erleben die Reise der beiden betagten Freunde als stille Begleiter mit. Sie sitzen sozusagen im Fond des neuen Autos und sind Zeuge von intensiven Momenten, welche die Gedankenwelt der beiden Reisenden nachhaltig durcheinander bringen. Vieles bleibt ungesagt und so staut sich nach und nach etwas auf, das schließlich in eine handfeste Auseinandersetzung mündet. Die beiden alten Sturköpfe müssen jedoch lernen, einen Schritt auf einander zuzumachen. Denn letztlich sind sie voneinander abhängig. Ohne den anderen hätte keiner der Beiden den Mut gefunden, seinen Traum umzusetzen. Durch die regelmäßigen SMS zwischen Großvater und Enkeltochter bekommt die Geschichte einen zusätzlichen Spannungsmoment. Denn es begegnen sich nicht nur zwei Freunde, die viel weniger von einander wissen, als sie meinen sondern auch zwei Generationen, deren Berührungspunkte oft in der Hektik des Alltags untergehen. Adèle und ihr Großvater begegnen sich ganz neu und entdecken eine tiefe Verbundenheit mit dem jeweils anderen.

Stilles, aber bezauberndes Buch

Nach rasanten Spannungsmomenten suchen die Leser in Denn das Glück ist eine Reise vergebens. Autorin Caroline Vermalle setzt auf stille Töne und erzählt eine äußerst bezaubernde, in ihrem ganzen Gefüge gleichermaßen traurige wie liebenswerte Geschichte. Die Verbundenheit der Autorin zur Bretagne, durch die die ausgewählte Tour führt, blitzt bei jedem Etappenort unverkennbar durch. Und auch wenn der Roman durchaus eine Liebeserklärung an diesen speziellen Landstrich ist, so nimmt die Schilderung der örtlichen Gegebenheiten doch nie so viel Raum ein, dass sie die eigentliche Geschichte – die innere Reise der beiden alten Männer – zu überdecken vermöchte.

Ganz leise, aber dennoch eindringlich, greift Vermalle auch schwierigere Themen auf. Sie verbindet mit dem Grundthema "Alter" die Frage nach einer neuen Liebe zwischen älteren Menschen, nach Selbstbestimmung und Selbständigkeit. Und obwohl die Autorin die Augen vor den Gebrechen des Alters nicht verschließt, macht sie Mut, dem älter werden gelassener entgegen zu treten. Und sich die Frage zu stellen, wann es denn wirklich zu spät ist, sich einen Traum zu erfüllen. Für die beiden stillen Helden Georges und Charles ist ihr Aufbruch zur Tour-de-France nicht nur die Erfüllung ihres Herzenswunsches sondern ein Aufbruch zu einem Teil von sich selber, der bis anhin fest verschlossen geblieben ist.

Vieles zum Nachdenken

Der mehrfach ausgezeichnete Debüt-Roman der französischen Autorin lässt sich nur schwer einordnen. Sie spielt mit Nähe und Distanz, schafft Antihelden und lässt sie gerade dadurch zu Helden werden. Und sie präsentiert all jenen eine stille Mahnung, die noch Grosseltern haben, den Kontakt zu diesen aber mehr oder weniger einschlafen ließen. Um diese Geschichte zu erzählen, bedient sich die Autorin einer poetischen, kraftvollen Sprache.

Denn das Glück ist eine Reise ist letztlich auch ein Plädoyer dafür, bereit zu sein, einen Menschen neu kennen zu lernen. Und sei es dadurch, dass man neu auf ihn zugeht.

Fauxpas beim Cover

Bei der Gestaltung des Hardcovers hat sich Lübbe einige Mühe gegeben. Die Karte der Bretagne, auf der die Reiseroute mit allerhand Symbolen eingezeichnet ist, lässt die Fahrt der beiden alten Männer gut nachvollziehen. Ein angenehmes Schriftbild und liebevoll gestaltete Kapitel runden den Positiven Eindruck ab. Einen gröberen Schnitzer hat man sich allerdings beim Cover geleistet: hier schaukelt ein alter R4 durch die Lavendelfelder der Provence. Dies steht in einem krassen Gegensatz zur Geschichte, in der ein topmoderner Renault Scénic und die Bretagne eine Rolle spielen.

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Letzte Kommentare:
09.09.2019 16:01:36
Janine2610

Die "La Nouvelle République" schreibt zu »Denn das Glück ist eine Reise« ganz begeistert, dass es "eine Ode an das Leben" ist. Von der Presse wurde es angeblich hochgelobt und mit dem "Prix Chronos de littérature 2011" und dem "Nouveau talent 2009" ausgezeichnet ... Steht zumindest auf der Buchrückseite. Verstehen kann ich es allerdings nicht. Überhaupt nicht.

Die Inhaltsbeschreibung klingt eigentlich recht vielversprechend: Ein Großvater, der mit seinem Nachbarn die Tour de France nachfährt und dabei nur per SMS Kontakt zu seiner Familie/Enkeltochter hat.
Ich habe mir gedacht, dass das sicher eine Menge spannenden Lesestoff bietet, da auf so einer Tour ja allerhand passieren könnte. Die Autorin hat mich diesbezüglich aber leider völlig enttäuscht. Das "spannendste", was während der Fahrt - wobei ich kurz wieder munterer geworden bin - passiert ist, war, dass Georges urplötzlich "Taschenlampe!" ausgerufen hat und der Fahrer sich darüber so erschrocken hat, dass dieser beinahe einen ernstzunehmenden Unfall gebaut hätte. Der Rest des Buches verläuft aber absolut ruhig. Zum Einschläfern ruhig. Es passiert eigentlich nichts, was einem irgendwie in Erinnerung bleiben würde. Es ist eine ganz normale, ereignislose Fahrt. Es wird irgendwo gegessen, man übernachtet irgendwo, sieht sich irgendwelche Museen, Sehenswürdigkeiten und Landschaften an und ab und zu schreibt Opa Georges seiner Enkelin eine langweilige SMS - in SMS-Sprache wohlgemerkt, die ich, obwohl sie kürzer war, als anstrengender zu lesen empfunden habe als der ausgeschriebene Text.
Die beiden Senioren machen sich über Unsinnigkeiten einen Kopf, sind absolute Sturköpfe, reden nicht viel miteinander und deswegen kommt es ab und an auch mal zu einem Streit: Unausgesprochenes führt zu Missverständnissen ... ihr wisst, wie das ist! Aber auch das ist alles durchgehend harmlos und wenig spektakulär.

Ich hatte den Eindruck, als hätte die Autorin die Geschichte ganz bewusst langatmig erzählt, einfach, um sich so ein bisschen an die beiden Ü80-Protagonisten anzupassen. Denn das Geschriebene ist für einen Senior in diesem Alter möglicherweise lesenswert und spannend, aber wahrscheinlich nicht für eine 26-Jährige. Für mich war es, bis aufs Ende - da wurde es dann doch noch etwas emotional, eher einschläfernd.

14.10.2014 20:48:21
Janie

Ich stimme in die Begeisterung mit ein, ein ganz tolles Buch, das gut unterhält, rasch und leicht gelesen ist und einen dann doch tiefer berührt, als man zunächst erwartet hat.
Ich alte Heulsuse hab natürlich wieder bitterlich geweint an der ein oder anderen Stelle, aber das kennt man von mir ja schon bei anrührenden Büchern. Vorallem hat das Buch aber auch dazu geführt mich selbst zu hinterfragen und über meine Beziehung zu meinen Großeltern, die zwar sehr herzlich ist, aber auch durch Distanz und häufige Sprachlosigkeit geprägt, weil ich wenig Verständnis für ihre Langsamkeit habe und sie viele der Dinge, die mich interessieren fürchterlich finden oder großen Respekt davor haben. Ich denke, daß Buch zeigt einem, daß man auch trotz einer großen Distanz oder anderen Interessen für einander da sein kann und Dinge miteinander erleben kann, wenn man sich nur auf den jeweils anderen ein wenig einläßt. Gar nicht so leicht für uns junge Leute, die wir Job, Haushalt und Freizeitvergnügen unter einen Hut bringen wollen und dabei dann die alten Leute gerne mal unter den Tisch fallen lassen. Ach Oma ruf ich morgen an und dann ist es doch wieder vergessen, wem geht es nicht so? Sehr interessant fand ich aber auch mal die andere Seite beleuchtet zu sehen, wie schwierig es tatsächlich ist beim technischen Fortschritt mit zu halten, wie alte Leutchen schon beim verstehen der SMS-Sprache (gut die wurde hier etwas überzeichnend dargestellt) überfordert sind und erstmal über ihren Schatten springen müssen, solch ein Teufelsgerät, wie ein Handy überhaupt verstehen zu wollen.
Trotzdem hat das Buch seine Schwächen, die Sprache ist sehr einfach gehalten, keine stilistischen Wunderwerke und ich hätte mir bei so einem Buch deutlich mehr Landschaftsbeschreibungen und Frankreichfeeling gewünscht.

Trotzdem war dieses Buch ein ganz besonderes, dann es hat mich bewegt und begeistert und dazu sieht es in meiner lavendelfarbenen Küche ganz herrlich aus!

26.03.2012 23:52:50
Sagota

Ein sehr menschliches, heiteres, auch melancholisches und SEHR bewegendes Buch für Bretagne-Liebhaber, für Großeltern, Kinder und Enkel und Menschen, die mit Vorurteilen und Konventionen sowie Konservatismus nix am Hut haben: "Nicht träumen sollt ihr Euer Leben: Erleben sollt ihr, was ihr träumt" - denn das Glück ist eine Reise. Ein sehr gelungenes, warmherziges Buch, toll geschrieben und page-turner-mäßig zu lesen: Gegen die Gleichgültigkeit !
Von mir gibt es satte 96 "points" und die Hoffnung, dass es nicht das letzte Buch von C. Vermalle sein wird....