Das bessere Leben

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Argon, 2015, Übersetzt: Frank Arnold, Bemerkung: ungekürzte Ausgabe

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Sebastian Riemann
Rasend zum Erfolg

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Feb 2016

Alles dreht sich ums Geld. Und auch um Macht. Danach streben wir in unserer aktuellen Gesellschaft, das sind die Götter, die wir anbeten. Ernsthafte Alternativen gibt es nicht und die meisten scheinen auch keine zu suchen, sondern sind zufrieden mit dem Wettrennen, in dem sie sich befinden, oder zu beschäftigt, Geld zu verdienen und es auszugeben. Immer geht es vorwärts, immer mehr Geld will man verdienen, immer mehr Dinge, die man kaufen kann und haben muss, immer mehr Reisen in ferne Länder, immer wichtiger werden die Geschäfte. Hineinstürzen muss man sich in diesen nicht enden wollenden Kreislauf aus Arbeit und Vergnügen. Wer draußen bleibt, ist ein Feigling oder Schwächling oder hat keine Ambitionen. Oder der ganze Laden stürzt gerade ein.

Die Finanzkrise 2008 hat die Welt in ihren ökonomischen Grundfesten erschüttert. Die Auswirkungen sind noch lange nicht überstanden. Viele Teile Europas sind weit entfernt vom Traum des "immer mehr", leben vielmehr in einer Realität aus weniger und seltener. Austerität ist die Bürde vieler geworden und ein Schreckgespenst in aller Munde. Im Kino sind nun häufiger Filme über die Situation 2008 zu sehen, sie versuchen darzustellen, was geschah, und zu erklären, was im Dunkeln blieb. Doch nicht nur die Filmindustrie hat sich des Themas angenommen, sondern auch die Literatur. Ulrich Peltzer hat sich zwar nicht die Finanzkrise zum Thema genommen, aber eine Mentalität, die gern mit dieser in Verbindung gebracht wird und Sorgen hervorruft. Es ist die Frage nach dem Menschen unserer Zeit.

Wild ist Das bessere Leben und keine Lektüre für die zehn Minuten, die man vielleicht morgens im Bus sitzt auf dem Weg zur Arbeit oder die man im Café auf seine Verabredung wartet. Es ist ein Buch mit Anspruch und Erwartung. Erwartet wird vom Leser Tempo aufzunehmen und sich hineinzustürzen. Es sind die Gedankenströme der Protagonisten, denen man ausgesetzt wird und die einen manchmal viel Energie kosten. Sprunghaft und oft von Stress gezeichnet sind sie, verlaufen im Nichts oder machen unerwartete Wendungen. Die Protagonisten sorgen sich um die Zukunft, machen vielerlei Anstrengungen, um die Geschehnisse zu verstehen und die nächsten Schritten vorauszusehen. Als Teil der Wirtschaftswelt – der gehobenen, die viel gewinnen und verlieren kann – sehen sie sich von den Auswirkungen großer Entscheidungen unmittelbar betroffen. Doch wissen sie nicht genau, was geschieht, da zu viele Faktoren Einfluss nehmen, ganz schnell unsicher werden können und manchmal Zweifel und mitunter Panik die Verläufe der aktuellen Geschäfte bestimmen.

Andreas Brockmann war sehr erfolgreich. Das war sein Traum gewesen: Erfolg haben, wichtig sein, große Geschäfte abwickeln, in teuren Hotels absteigen, exquisit essen und trinken etc. Dann brechen die Einnahmen weg, Zusagen werden angezweifelt, Investoren springen ab. Alle werden nervös, auch Brockmann. Seine Gedanken rasen. Neben dem Job hat Brockmann eine Tochter. Selten sieht er sie, würde gern öfters, kann aber meistens nicht. Mit den Problemen im Beruflichen beginnt er seine Tochter – schon erwachsen und durchaus erfolgreich auf dem akademischen Weg – anders zu sehen. Das Interesse an ihr steigt, er überlegt, ob sie es nicht besser gemacht hat als er. Ausgeglichen und doch erfolgreich erscheint sie ihm, nicht gehetzt. Sie hat Zeit für andere Dinge im Leben, Dinge die durchaus wichtig sind, aber im Alltag oft zu kurz kommen.

Der zweite Protagonist ist Sylvester Lee Fleming, ein schwer zu durchschauender Mann. Ebenfalls in die Wirtschaftswelt verwickelt, aber doch ganz anders als Brockmann. Ein Visionär und verdeckter Revolutionär im Bereich der Versicherungen. Jemand mit einem Blick für große Zusammenhänge. Er ergänzt Brockmann und vermag den Leser mitunter zu verwirren mit seinen hektischen und doch tiefgründigen Erwägungen.

Das bessere Leben ist ein Buch über die Wirtschaftswelt und doch viel mehr. Es stellt Fragen nach unseren Zielen und Wünschen, nach unseren Vorstellungen von Glück. Peltzer vermag es menschliche Nähe zu vermitteln ebenso wie die abstrakte, stets im Hintergrund verbleibende Bedrohung einer trügerischen und scheinheiligen Welt des Geldes. Er verbindet verschiedene Ebenen der Probleme, regt an Zusammenhänge zu überdenken und den Menschen im großen Bild zu suchen. Oft schiebt er lange Exkurse ein, die auf den ersten Blick verwirren, letztlich aber doch gekonnt zum Gesamtbild beitragen. Ungewöhnlich und anstrengend ist sein Buch, aber vor allem ist es packend und wichtig. Es ist die angestrebte Verbindung von gesellschaftlicher Relevanz und Unterhaltung, ist ein seltenes, großartiges Erlebnis.

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