Andersen

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • München: Nagel & Kimche, 2016, Seiten: 396, Originalsprache

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Rita Dell'Agnese
Die Macht der Gedanken

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jan 2016

Charles Lewinsky spielt in seinem Roman Andersen mit der Macht der Gedanken und verschiedenen Identitäten. Als die Hauptfigur Andersen erwacht, kann er zunächst nicht einordnen, wo er sich befindet. Erst nach und nach fallen ihm verschiedene Details ein. Er, der ein berüchtigter Folterer bei der Gestapo war, hat sich eine neue Identität geschaffen. Nun ist er Andersen. Ein Mensch, dessen angebliche Vergangenheit und dessen Leben er komplett erfunden hat. So will er der Verfolgung entgehen. Doch es scheint, als hätten ihn die Schergen erwischt und Andersen müsse jeden Moment damit rechnen, nun seinerseits gefoltert zu werden, um sein Geheimnis preis zu geben. Andersen denkt an den Moment, als ihm die eine Hand amputiert werden musste und dass er es schaffte, diesen Umstand bereits mit der neuen, erfundenen Biographie zu verknüpfen. Nun also wartet Andersen in einer seltsamen Dunkelheit darauf, dass er erkennen kann, wohin ihn seine Verfolger gebracht haben. Erst nach und nach erkennt der Mann, der sich durch besondere Kälte, Brutalität und Berechnung hervor getan hatte, dass das Schicksal ihn in eine ganz außergewöhnliche Situation gebracht hat: Andersen steckt als Fötus im Bau seiner neuen Mutter, soll ein weiteres Leben geschenkt bekommen. Das Glück der Eltern scheint perfekt, als der kleine Jonas geboren wird. Zwar kommen sie immer wieder ins Grübeln, wenn das Baby so greisenhaft scheint, doch ahnen die beiden nicht, dass ihr vermeintlich neues Leben eine alte Identität hat, an die es sich äußerst lebhaft erinnern kann. Andersen in der Gestalt von Jonas beginnt, seine alte Denk- und Handlungsweise wieder zu leben und sprengt damit das Vorstellbare.

Mit einem abgrundtief schwarzen Humor skizziert Charles Lewinsky das Schicksal eines Menschen, der sich bei seiner Wiedergeburt an die frühere Existenz erinnern kann – ja, diese gar in jeder Hinsicht wieder anstrebt. Damit begibt sich der Autor auf eine abenteuerliche Reise. Er überwindet die Grenzen des Denkbaren und spielt mit der Absurdität des Unfassbaren. Niemand vermag ihn zu wiederlegen. Was wäre, wenn es wirklich eine solche Seelenwanderung gäbe. Würde dann das Neugeborene tatsächlich seinem alten Ego nachtrauern und die Chance nutzen, völlig neue Wege zu gehen? Was Lewinsky in Andersen beschreibt, ist eine mögliche Variante von vielen. Bestechend gezeichnet und perfekt formuliert ist es eine höchst faszinierende Variante, wenn auch von belastender Brutalität.

Lewinskys Roman übt eine unglaubliche Anziehungskraft aus. Erst mal in die Hand genommen, mag der Leser das Buch kaum mehr weglegen. Das liegt aber nicht nur an der Geschichte selber, die bei einzelnen Szenen das Absurde überschreitet und da und dort droht, ins Belanglose zu kippen – auch wenn dieser Schritt letztlich denn doch nie passiert. Es liegt vor allem an der brillanten Schreibweise von Charles Lewinsky, der in einer Mühelosigkeit mit den Worten spielt und dadurch ein herrliches Lesestück bietet, die seinesgleichen sucht. Ob es nun dieses Spielerische ist, oder der gleichermaßen verstörende wie bedrückende Gedanke, es könnte in einem Neugeborenen die Erfahrung eines ganzen früheren Lebens stecken, das dessen Weg nun auf eine fatale Weise beeinflusst – der Roman lässt sich wunderbar lesen und zeigt eine lange anhaltende Wirkung. Denn manche Szenen Erschließen sich dem Leser erst richtig, wenn er sie sich nochmals durch den Kopf gehen und sie intensiv auf sich wirken lässt. Andersen ist ein anderer Roman, eine andere Geschichte, eine neue Gedankenwelt – eine, die fasziniert.

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