Geliehene Landschaften

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Suhrkamp, 2016, Seiten: 188, Originalsprache

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Claire Schmartz
Ausdrücke der Eindrücke eines Ganzen

Buch-Rezension von Claire Schmartz Jan 2016

Marion Poschmanns Gedichtband Geliehene Landschaften, der für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war, trägt den strengen Untertitel "Lehrgedichte und Elegien". Der Band gliedert sich in neun Zyklen mit jeweils neun Gedichten, die von Helsinki über Japan nach Berlin reisen. Viele der Abschnitte kreisen um Parks im weiten Sinne: Landschaftsgärten, Kinder- oder Literatengärten, Vergnügungsparks oder den "Park des verlorenen Mondscheines", über mehr oder weniger intentionelle Anordnungen von ästhetischen oder kulturellen Objekten.

Denn geliehene Landschaften sind ein traditionelles Stilelement in der ostasiatisches Gartenkunst, bei dem eine landschaftliche Begebenheit, die außerhalb der eigentlichen Gartenanlage liegt, bewusst in die Gestaltung mit einbezogen wird. Ein kleiner, geplanter Ort, steht somit in Bezug zu etwas Größerem, vielleicht Unbeeinflussbaren – einem Phänomen, das Auswirkungen hat auf den Garten. Der Garten ist Rezipient und Umsetzung, ästhetische Ausgestaltung der Umwelt, keine abgesonderte Blase, sondern ein Teil, ein Bezug zum Ganzen. Wie auch Gedichte.

Gedichte sind verdichtete, ästhetische Umformulierungen, Ausdrücke der Eindrücke eines Ganzen, sind ein Strukturgewebe. Ein kleiner Raum bezieht sich auf das Ganze, die Weite und verdichtet sie. So kann jeder Park, jede Landschaft als Zeichen eines Größeren, als Schlüssel zu anderem gelesen werden. Es ist dieser Verweis über die künstlerische Form, der also Gärten interessant macht und Schlüsse auf die Kraft von Sprache und Natur, Überlegungen zu Sehnsüchten oder Politik, zu Sinnhaftigkeit oder Sinnlosigkeit erlaubt.

Der erste Zyklus mutet grob an, die Sprache ist ungelenk, die Konstrukte grob. Dass dieser Zyklus "Bernsteinpark Kalingrad" heißt, passt nicht ganz zu der fehlenden Raffinesse der sprachlichen Strukturen, der Vergleiche und der Neologismen, der Ideenverknüpfungen oder der vielsagenden Verbformen. Alliterationen, Imperative, Fragesätze, halbfertige Sätze, gute Ansätze, doch gestutzt und überformt. Der Wunsch, die Gartenparallele aufrecht zu erhalten, scheint bereits gefährdet: Kulturell geprägte, bestimmte Orte, die sich oftmals dem gemeinsamen Wissen entziehen und bestimmte Partikularitäten aufzuweisen, ohne sie dem Leser in die Hand zu geben, erschafft Distanz. Es gibt keine Fotos, Skizzen, Verweise auf diese Orte; sie sind ein einfacher Inspirationsquell, der bereits soweit abstrahiert wurde, dass der Ort an sich nur noch Anlass für Überlegungen geworden ist. Die erschaffenen Bilder sind fern.

Und doch: Die wiegende Schwere der Ästhetik und der philosophischen Sprachverdichtungen, die anfangs noch im Fokus stehen, weichen im Laufe des Gedichtbandes zurück. Sie geben Platz für fabelhafte Gedichte wie "Schwarze Quadrate Manhattan" oder "Die Geschichte des Rezeptionisten", die von der hohen Beobachtungsgabe und einem Auge fürs vielsagende Detail der Dichterin zeugen, die nicht belehren wollen, sondern sich Momentaufnahmen, Bildern, Assoziationen und Situationen widmen. Hier kommt die sprachliche Stärke erstmals richtig zum Ausdruck, verschwindet nicht hinter losem Kreiseln durch Raum und Landschaften oder Gärten. Im Vordergrund steht die Beobachtung, dynamische Assoziationen.

Allerdings kehrt sich dieser Stil oftmals um, schlägt ins Lustige, in erneute Ideen:

"Du sitzt mit Haferflocken im Nachtzug / Mit wie viel Packungen kommst du ans Ziel?"

Zwischendurch fransen die Gedichte aus, die anfangs noch ordentlich linksgebunden sind: typographisch entstehen Leerstellen, Verschiebungen, Verlängerungen. Liegt es an den örtlichen Besonderheiten dieser Gärten, dass die Formen so unterschiedlich und inkohärent sind, die die Verwirrung des ersten Zyklus' übernehmen und sich in ungelenker Sprache und ungelenken Bildern manifestieren?

Verschiedene Gedichte erscheinen wie englische Gärten, wuchernd und wild und sprachlich meistervoll, ohne die Worte verbiegen zu sollen, wird Raum geschaffen für Bilder und Welt – andere wiederum sind wie Topfpflanzen in einer Berliner Wohnung, Yucca-Palmen, etwas zu eckig, etwas fehl am Platz, sie überraschen nicht.

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