Madame Rosella und die Liebe

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Istanbul: Doğan Kitapçılık, 2007, Titel: 'Dualar Kalicidir ', Originalsprache
  • München: btb, 2015, Seiten: 224, Übersetzt: Annette Hanisch

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Kathrin Plett
Nachmittägliche Unterhaltung als Studentenjob

Buch-Rezension von Kathrin Plett Dez 2015

Wenn man 88 Jahre alt ist, kann man auf ein langes Leben zurückblicken und hat viel erlebt und so auch viel zu erzählen. Nicht selten fehlt jedoch jemand, dem man seine Geschichten erzählen kann. Wenn keine Kinder und Enkel da sind, sie zu weit weg wohnen oder der Kontakt abgebrochen ist und Freunde und Bekannte schon gestorben sind, bleibt oft eine große Einsamkeit und das Gefühl, dass keiner sich mehr interessiert. Der türkischen Jüdin Rosella Galante, die inzwischen in Berlin lebt, geht es genau so. Ihre Tochter lebt in Amerika, hat den Kontakt abgebrochen. Doch Rosella hat eine geniale Idee: Sie gibt in der Lokalzeitung ein Inserat auf, um endlich jemanden zum erzählen und unterhalten zu finden:

"Suche Türkisch sprechende(n) Angestellte(n). Gute Bezahlung. Keine Berufserfahrung erforderlich. Nichtraucher bevorzugt."

Rosella Galante ist 88 Jahre alt, Jüdin und lebt in Berlin. Während des zweiten Weltkriegs floh sie vor der Judenverfolgung nach Istanbul, wo sie einige Jahre lebte, heiratete und eine Tochter bekam. Sie sucht jemanden zum unterhalten, am liebsten auf türkisch, da sie, wie sie sagt, ihre „außergewöhnlichsten, schönsten, schmerzvollsten und merkwürdigsten Jahre ihres Lebens in Istanbul verbracht" hat und „alles, was sie dort erlebt hat, sie zu dem gemacht habe, was sie heute ist". Die junge Türkin Pelin meldet sich schließlich. Für ihr Studium kann sie das Geld sehr gut gebrauchen. Auch wenn es ihr zu Beginn sehr merkwürdig erscheint, fürs Zuhören und Erzählen Geld zu bekommen, nimmt sie den Job an. Regelmäßig besucht sie Rosella fortan und lauscht ihrer Lebensgeschichte, einer Geschichte von Intrigen, Religion, Hoffnung und vor allem von der Liebe.

Tuna Kiremitçi wurde 1973 in Eski_ehir, Anatolien, geboren. Er studierte Filmwissenschaften an der Mimar Sinan Universität der schönen Künste in Istanbul. Schon während seiner Schulzeit veröffentlichte er Gedichte. Für seine Kurzfilme wurde er vielfach ausgezeichnet. Er arbeitet als Kolumnist, komponiert Musik, schreibt Drehbücher und tritt als Solist auf. Seine Romane sind allesamt Bestseller in der Türkei.

Tuna Kiremitçi erzählt in seinem Roman die Geschichte zweier Frauen, die zunächst nur aus praktischen Gründen, die eine sucht jemand, mit dem sie sich unterhalten kann, die andere braucht Geld, zueinander finden. Doch schnell wird aus der Zweckgemeinschaft eine ungewöhnliche und ungleiche Freundschaft. Die kurz vor dem Tod stehende Rosella und die junge Studentin Pelin führen tiefsinnige Gespräche, in denen es nicht nur um das gelebte Leben Rosellas und die im Nachhinein gewonnenen Erkenntnisse, sondern auch um das noch zu lebende Leben Pelins geht, die tief verletzt von der eigenen Mutter keinem jungen Mann mehr ihr Vertrauen schenken will. Tuna Kiremitçi schreibt seinen Roman durchgehend als Gespräch zwischen Rosella und Pelin. Längere Passagen, in denen es um das frühere Leben Rosellas in Istanbul geht, sind in die Unterhaltung eingebunden und werden von Rosella an Pelin gerichtet erzählt. Der Leser wird zum stillen Beobachter, der die Szene von außen betrachtet. Dadurch, dass keine Gedanken und Gefühle der beiden Figuren offen zur Sprache kommen, bleibt den ganzen Roman über eine gewisse Distanz bestehen, die davon abhält, sich zu einer der Personen tiefer hingezogen zu fühlen. Über 20 Kapitel werden die beiden Protagonistinnen begleitet, bis Rosella am Ende ihre Geschichte beenden und auch Pelin durch die Gespräche mit der weisen alten Dame viele Erkenntnisse sammeln kann.

Alles in allem ein lesenswerter und origineller Roman, der teilweise sogar etwas philosophisch über Themen wie Liebe, Intrige, Verrat und dem Verzeihen erzählt. Tuna Kiremitçis Geschichte ist weder eine klassische Liebesgeschichte noch lässt sie sich in sonst eine Schublade stecken, sodass sie bis zuletzt spannend und interessant zu lesen bleibt, da sie nicht vorhersehbar ist und auch nicht das Gefühl aufkommt, etwas ähnliches schon mehrfach gelesen zu haben. Ein lesenswerter Roman, der trotz seiner einfachen Erzählweise Tiefe besitzt und zum Nachdenken anregt.

Madame Rosella und die Liebe

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