Naturgeschichte der Gespenster. Eine Beweisaufnahme

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • London: Penguin, 2013, Titel: 'A Natural History of Ghosts: 500 Years of Hunting for Proof', Originalsprache
  • Berlin: Matthes & Seitz, 2015, Seiten: 333

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Sebastian Riemann
Kettengerassel und unzufriedenen Bedienstete

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Dez 2015

Das Buch befasst sich umfassend mit dem Phänomen der Geister und Gespenster. Der Autor beginnt - richtig und wohl überlegt - mit einer Erklärung zur eigenen Motivation. Wie kommt jemand dazu, sich mit dieser Materie zu befassen, sieht er die Skepsis und Begeisterung des Lesers voraus und verweist auf seine Kindheit. Und sogleich wird eines klar: Der Autor behält sich eine reservierte, aber interessierte Perspektive vor. Gleich zu Beginn stellt er nämlich klar, dass er selbst keine Geister sah, nur die Leute um ihn herum, die sahen allerhand und beeindruckten ihn damit. Das ist zuerst die Erklärung für das Interesse des Jungen und dann auch für die weiterführende Beschäftigung mit dem Thema, auch wenn er selbst keine Geister sieht. Denn Geister sind relevant, da es Menschen gibt, die behaupten, sie zu sehen. Die Frage, ob Geister und Gespenster real sind, rückt dabei - völlig zu Recht - in den Hintergrund. Sie sind als Phänomen der Gesellschaft nachweisbar und somit eine Untersuchung wert. Clarke reiht sich damit in eine lange Tradition ein, das wird beim Lesen deutlich, denn viele vor ihm versuchten sich an dem Thema, nahmen dabei ganz unterschiedliche Perspektiven ein und trugen dazu bei, dass Gespenster auch heute noch zu begeistern wissen, auch wenn man sie doch einer längst vergessenen Epoche zuordnen will.

Roger Clarke will einen Überblick geben über das Phänomen der Geister und den Leser gleichzeitig unterhalten. Um beide Ziele zu erreichen, wählt er eine gemischte Form der Darstellung. Er versucht systematisch und analytisch vorzugehen, versucht zu kategorisieren und zu kontextualisieren. Auf der anderen Seite gibt er den Geschichten und ihrer eigenen Dynamik den Vorzug gegenüber einem sachlichen Aufbau. Das Ergebnis ist höchst unterhaltsam, manchmal verwirrend. Clarke versteht es, die aufsehenerregenden Aspekte einer Geistergeschichte - und dies sind nicht immer die vermeintlichen Geister - in den Vordergrund zu rücken und viel Spannung zu erzeugen. In Form von blassen Einschüben ergänzt er das Spektakel um die Hintergrundinformationen, die der Geschichte einen zusätzlichen Wert geben. So kann der Leser ganz nebenbei erfahren, dass spätere Politiker und ranghohe Militärs bei verschiedenen unheimlichen Ereignissen zugegen waren und dem Ganzen einen hohen Gehalt Seriosität gaben. Es wird Geschichte erklärt und ein wenig spekuliert. Der Erzählfluss wird dadurch unterbrochen und nicht immer weiß der Leser mit den zusätzlichen Namen und Geschichten, die sich plötzlich als Ergänzung einschieben, etwas anzufangen. In den meisten Fällen geht die Rechnung des Autors jedoch auf, mit Neugierde nimmt man die kleinen Zusatzinformationen zur Kenntnis, nur um kurz darauf wieder in die eigentliche Erzählung von Geistern und Gespenstern einzutauchen.

Anhand von ausgewählten Beispielen erklärt der Autor die Bedeutung des Geisterglaubens in seiner jeweiligen Zeit und sozialen Umgebung. Er bedient sich dabei bei Fällen, die gut dokumentiert sind, unterschiedliche Perspektiven und Erklärungsansätze zulassen. Die Fälle des Hauses Hinton Ampner und des Trommlers von Tedworth erregten viel Aufsehen unter der Bevölkerung, aber auch in den Medien, die regelmäßig und ausführlich über übernatürliche Phänomene berichteten. Hinzu zieht der Autor private Aufzeichnungen der involvierten Personen und kann somit ein differenziertes Bild zeichnen, welches nicht nur die verschiedenen Manifestationen der Geister beinhaltet - allerhand Geräusche wie Rascheln von Seide, Schritte, Kanonen- oder Pistolenschüsse, Stöhnen, Schnaufen, lautes Trommeln u.ä., das Erscheinen von Gestalten verstorbener Personen, schwebende Gegenstände und Personen -, sondern auch die Beziehungen der der Involvierten. Oft waren es die Bediensteten, die ihren unliebsamen Arbeitgebern böse Streiche spielten oder eigenes Tun durch gruselige Geschichten verdecken wollten, manchmal versuchte jemand ein Erlebnis zu verdrängen und der psychische Druck verwandelte sich in einen Geist, der einer problematischen Situation Sinn gab. Die Erklärungen sind vielfältig, ebenso die Geister. Der Autor lässt sich nicht verleiten eine allzu einfache, allgemein gültige Interpretation des Themas abzugeben, sondern gesteht den Fällen ihre Einzigartigkeit zu und hebt das Spezielle hervor, auch wenn dies mehr Arbeit bei der Kontextualisierung bedeutet.

Das Buch ist auf westliche Leser zugeschnitten. Es enthält viele Bezüge zur aktuellen Zeit, die vergangenen Ereignisse werden durch eine lockere Sprache und poppige Vergleiche in die Gegenwart geholt.

 

"Geistergeschichten waren die Soaps der Zeit"

 

heißt es an einer Stelle. Ebenso sind die Beispiele gänzlich der westlichen Welt entnommen, meistens England. Das schafft eine gewisse Nähe, da die Leser sich mit Geisterglauben und Erscheinungen konfrontiert sehen, die sie kennen. Das Buch wird nicht müde, darauf hinzuweisen wie das Geistermaterial der vergangenen Jahrhunderte Eingang in die moderne Filmindustrie fand. Der Leser ist also mit der Materie vertraut, wenn auch nicht als Fachmann oder Forscher. Der Poltergeist ist ein allzu bekanntes Beispiel. Diese Ausrichtung hilft dem Lesen, hat aber den Nachteil, dass es den Titel des Buches unterläuft. Letztlich wird nur ein kleiner Teil des weltweiten Geisterglaubens untersucht und abgebildet, die Schlussfolgerungen und Hintergrundinformationen sind dementsprechend eingeschränkt.

Trotzdem kann Clarke überzeugen, kann das Interesse für das Mysterium der Geister und Gespenster wecken, da er es versteht sein Publikum zu unterhalten und zu bereichern. Die Mischung aus Spektakel und historischer Aufarbeitung ist durchaus gelungen.

Naturgeschichte der Gespenster. Eine Beweisaufnahme

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