Um Mitternacht

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Suhrkamp, 2015, Seiten: 392, Übersetzt: Christian Hansen
  • Mexiko: Oćeano, 2012, Titel: 'Londres después de medianoche', Originalsprache

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Sebastian Riemann
Legendärer Film, verschollen, verflucht

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Sep 2015

Die goldene Ära des Stummfilms ist vorüber, die einstigen Stars vergessen und aus dem Geschäft verdrängt. Ein großer Bruch in der filmischen Zeitrechnung, eine bis dahin nicht gekannte Veränderung. Um Mitternacht von Augusto Cruz spielt in einer Welt des modernen Films mit dem Mythos eines alten Streifens, einem längst verschwundenen Stummfilm, offiziell nicht auffindbar, inoffiziell noch immer Objekt der Begierde und der Angst. Vampire kommen darin vor und verflucht ist der Film, denn allen, die mit ihm in Kontakt kommen, stößt etwas zu, viele müssen mit ihrem Leben bezahlen, sei es in geheimen Veranstaltungen oder in brennenden Kinosälen. Die alten Filmrollen von Um Mitternacht wollen nicht gefunden werden, man sollte nicht nach ihnen suchen, nicht die Finger nach ihnen ausstrecken, wenn man sich nicht den Arm verbrennen will. Ein sehr alter Mann – ein Fan der gesamten Filmszene, besonders der Genre Sci-Fi und Horror – will aber nicht seinen Abschied von dieser Welt nehmen ohne alles unternommen zu haben, diesen Film zu finden. Er weiß um die Gefahren, kann aber nicht anders als jemanden anzuheuern, dem gelingen soll, was vielen anderen Filmschatzsuchern vor ihm nicht gelungen ist. Ein besonderer Detektiv, bisher ohne Berufserfahrung, aber mit überzeugendem Lebenslauf.

Scott McKenzie arbeitete einst beim FBI unter der Führung des allmächtigen, legendären Direktors J. Edgar Hoover. Er war sogar – und das verschaffte ihm innerhalb des Bureau eine besondere Stelle und viel, geradezu heldenhaftes Ansehen – der letzte Mitarbeiter, der mit dem Direktor sprach und seine letzten Gedanken bezüglich der Institution zu hören bekam. Seit seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst hat er jedoch nichts mehr mit dem ehemaligen Arbeitgeber zu tun, er ist nicht sentimental, fühlt sich den alten Kollegen und dem Ort nicht verbunden. Bei seiner Recherche zum Verbleib des Films überlegt er jedoch nicht lange und stattet dem Bureau einen Besuch ab, spricht mit den richtigen Leuten, die ihm noch einen Gefallen schulden, und erhält einen Partner für die Suche nach Um Mitternacht, der sich auch als sehr hilfreich erweist.

Langsam entwickelt sich die Geschichte um die verschwundenen Filmrollen und den Mythos der Vampire. Das Ambiente ist eine interessante Mischung aus alten Filmrequisiten in den Zimmern der alten Sammler, dem nüchternen Vorgehen des Ermittlers McKenzie und der fantastischen Legende des Films, der allen Unheil bringt. Nebenbei gibt es ein wenig Nachhilfeunterricht in Filmgeschichte, die Zeit des Stummfilms wird in Ansätzen beleuchtet, immer wieder werden alte Stars genannt, die den Wandel zur Farbe nicht überstanden und in Bedeutungslosigkeit versanken. Durchaus unterhaltsam werden diese Informationen aufbereitet, dafür gebührt dem Autor Lob. So erzählt er von einem Mann in London, dem der Geist Lon Chaneys - einem der Darsteller in Um Mitternacht – erschien und ihn dazu bewegte, seiner weiblichen Begleiterin und sich selbst die Kehle durchzuschneiden, was er merkwürdigerweise überlebte, um dann für geistesgestört befunden zu werden.

Die Geschichte um den verschollenen Film ist real. Viele Daten im Buch berufen sich auf Ermittlungen, die zum Verbleib dieses legendären Streifens angestellt wurden. Bei einem Brand in den Archiven der MGM Studios im Jahre 1967 wurde er offiziell vernichtet, seitdem ist er Gegenstand vieler Spekulationen. Im Jahr 2002 wurde aus zahlreichen Standbildern eine Rekonstruktion des Films unternommen, die man sich nun anschauen kann, man suche lediglich nach London after Midnight (1927) und schon erwachen die alten Stummfilmhelden zum Leben. Das Buch von Augusto Cruz geht jedoch viel weiter und macht aus der Mystik des Films eine bunte Verfolgungsjagd, die für Filmfans interessant ist.

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