Das Institut der letzten Wünsche

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur, 2015, Seiten: 496, Originalsprache

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Kathrin Plett
Letzte Wünsche vor dem Tod oder wo Weihnachten im Sommer ganz normaler Alltag ist

Buch-Rezension von Kathrin Plett Sep 2015

Weihnachten im Sommer, der Besuch des Konzerts einer längst verstorbenen Sängerin oder ein Südsee-Urlaub an der Ostsee: Seltsam? Vielleicht, Alltag jedoch für die Mitarbeiterinnen des Instituts der letzten Wünsche. Ihre Klienten: Menschen, die eine unheilbare Krankheit haben und innerhalb der nächsten sechs Monate sterben werden und vorher einen Herzenswunsch haben, der sich nicht so einfach erfüllen lässt. Egal wie schwierig oder kompliziert, Mathilda und Ingeborg vom Institut der letzten Wünsche gelingt es, auf unkonventionelle Art und Weise das Unmögliche möglich zu machen. Für sie selbst gilt dabei jedoch eine Regel: Verliebe dich nie in einen deiner Klienten!

Nachdem Mathilda ihr Medizinstudium kurz vor dem Abschluss abgebrochen hat, arbeitet sie für das Institut der letzten Wünsche. Zu ihrem Job gehört es Spieleabende in Studenten-WGs zu organisieren, es im Sommer schneien zu lassen oder einem Todkranken einen letzten Blick auf die Südsee zu ermöglichen. Mit ein bisschen Trickserei kein Problem... Die Schneeflocken sind aus Watte, die Ostsee wird kurzerhand zur Südsee und eine Schulklasse bestochen, sich im knappen Bikini in die eiskalte See zu wagen. Als jedoch Birger Raavenstein vor ihr steht und als letzten Wunsch das Auffinden seiner Ex-Freundin mitsamt des gemeinsamen Kindes angibt, ist es um sie geschehen. Sie hat sich auf den ersten Blick in ihn verliebt. Ausgerechnet in einen Todgeweihten, der zudem noch seine Ex-Freundin sucht, die ihm seit 15 Jahren nicht aus dem Kopf geht...

Antonia Michaelis, 1979 geboren, begann bereits als Kind zu schreiben. Sie ist eine renommierte Autorin von zahlreichen Büchern und Theaterstücken für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihr Roman Der Märchenerzähler wurde für den Deutschen Jugendbuchpreis und den Buxtehuder Bullen 2012 nominiert. Antonia Michaelis lebt mit ihrer Familie in einem Dorf nahe der Insel Usedom.

Antonia Michaelis erzählt in ihrem neuesten Roman vom Institut der letzten Wünsche, in dem Menschen, die bald sterben werden, ein letzter und unter normalen Umständen nicht erfüllbarer Herzenswunsch erfüllt wird. Eigentlich eine gute Idee, an der sich nichts Verwerfliches feststellen lässt. Doch was, wenn dieser letzte Wunsch höchstwahrscheinlich dazu beiträgt, dass der Tod früher eintritt? Der Wunsch mit Anstrengung, schlechterer medizinischer Versorgung oder ähnlichem verbunden ist und zusätzlich die Erfüllung des letzten Wunsches als Geschäftsmodell genutzt wird? Dann ist die Frage vielleicht nicht mehr ganz so eindeutig zu beantworten.

Zumindest sind Mathilda und Ingeborg mit ihrem Institut im Krankenhaus alles andere als gern gesehen. Und auch für die beiden jungen Frauen ist es nicht immer ganz einfach, täglich mit dem Tod konfrontiert zu werden, schon gar nicht, wenn es um Klienten geht, die noch viel zu jung zum Sterben sind, wie zum Beispiel Birger Raavenstein. Mathilda ist klar, dass ihre Liebe keine Zukunft haben kann.

Durch Zufall erfährt sie jedoch, dass seine Diagnose vielleicht gar nicht ganz so ausweglos ist, wie er es bei seinem ersten Besuch im Institut angegeben hat... Lustig und unterhaltsam schreibt Michaelis ihre eigentlich doch so hoffnungslos erscheinende Liebesgeschichte, deren Ende bis zum Schluss offen bleibt. Vor allem ihre etwas schrägen Protagonisten, wie etwa die nach außen so tough scheinende Mathilda, die den Alltag jedoch nur mit einem übermäßigen Gebrauch von Kopfschmerztabletten übersteht und in zu großen Pullovern mit selbst aufgenähten Kindermotiven herumläuft, tragen zum Witz des Buches bei. Leider bleibt die Geschichte an einigen Stellen unnötig flach, werden Ideen, wie etwa zu Mathildas Kindheit, dem Privatleben ihrer Chefin Ingeborg oder die Beziehung zu ihrem Ex-Freund Daniel angeschnitten und verlaufen dann quasi im Nichts, trotz der fast 500 Seiten.

Ein interessanter Roman, der jedoch seine Möglichkeiten nicht ganz ausschöpft und somit stellenweise etwas zäh erscheint. Dennoch eine unterhaltsame Geschichte mit einem überraschenden Ausgang, sodass bis zum Ende eine gewisse Spannung erhalten bleibt.

Das Institut der letzten Wünsche

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Letzte Kommentare:
24.10.2018 13:30:26
Janine2610

Auf der Buchrückseite steht ein Zitat von der BILD: »Perfekt für alle Fans von Jojo Moyes!«. Da ich »Ein ganzes halbes Jahr« bereits vor ein paar Jahren gelesen habe und es ganz okay fand (damals habe ich 5 Sterne vergeben, aus meiner heutigen Sicht wären es "nur mehr" 4 Sterne), habe ich mich sehr auf das Buch gefreut und auch gewisse Parallelen erwartet. Eine Parallele gibt es tatsächlich: Frau verliebt sich in Mann, der bald stirbt. Aber das war es dann auch schon an Gemeinsamkeiten, finde ich. Die Handlung und die Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Birger zum Beispiel ist ein SEHR sympathischer Typ, was man von Will aus »Ein ganzes halbes Jahr« wahrscheinlich nicht unbedingt behaupten würde. Birger wirkt total zerstreut, zerzaust und zerknittert. Er sieht immer so aus, als wäre er gerade aus einem Sturm gekommen und das macht ihn in meinen Augen irgendwie total liebenswert. Mathilda, unsere Protagonistin, ist ebenfalls eine liebevolle, sympathisch beschriebene Person. Sie ist eine Figur, die auch ihre Besonderheiten hat, die sich besonders kleidet und ein bisschen so wirkt, als würde sie ihre Kindheit zurückhaben wollen. Beide zusammengenommen würden schon ein herrliches Paar abgeben und während des Lesens habe ich mir das auch die ganze Zeit gewünscht: dass die zwei zueinander finden ...

Mathildas und Ingeborgs (Mathildas Vorgesetzte und gute Freundin) Konzept, sterbenden Menschen ihre letzten Wünsche zu erfüllen, finde ich an und für sich eine schöne Sache. In diesem Buch wird dieser Gedanke aber nicht ausschließlich positiv beleuchtet. Es wird durchaus auch Kritik an der Wunscherfüllerei geübt, vor allem aus Sicht der Mediziner und der Ethik – denn, was vielen Menschen an der Sache negativ aufstößt, ist die Tatsache, dass viele Klienten unmittelbar nach der Erfüllung ihrer letzten Wünsche versterben.

~ »Besser, man geht, solange man den Zeitpunkt selbst bestimmen kann.« ~
(S. 102)

Ich glaube, das Buch ist als Jugendbuch deklariert und das würde ich persönlich auch genau so unterschreiben, denn sowohl die Handlung als auch die Sprache kommt jugendgerecht daher. Was mich an manchen Stellen allerdings gestört hat, war die Vorhersehbarkeit. Okay, manchmal war ich echt hochgespannt von den Geschehnissen und sodann erstaunt über die Entwicklung, aber oft empfand ich die Handlung auch als zu vorhersehbar und zu zufällig. Ein klein wenig Kitsch ist natürlich auch vorhanden, wovon ich ebenfalls nicht so der Fan bin.
Ansonsten gab es allerdings ein paar Momente, die nachdenklich gestimmt haben, da sie philosophisch anregend sind.

~ Leute brauchten Leute, die ihnen zuhörten, vielleicht dringender, als letzte Wünsche erfüllt zu bekommen. ~
(S. 138)

Im Großen und Ganzen war ich jedoch sehr angetan von der Geschichte. Durch die doch sehr heiteren und besonderen Buchfiguren und die schöne Idee der Wunscherfüllung hatte ich meinen Spaß beim Lesen. Außerdem liest sich die Geschichte, trotz manch drückendem Inhalt, so schön flüssig und leicht, was echt erfreulich war. Also gerne eine Empfehlung dafür!

22.12.2015 10:49:13
Yvonne Blom

Es ist das erste Buch was ich von der Autorin gelesen habe und es hat mich von Anfang an gepackt. Es besitzt alles was man sich von so einem Buch wünscht . Jede Gefühlsregung , wie Trauer , Frust , Liebe , einfach glücklich sein und den Wunsch das alles gut wird , wird in diesem Buch angeregt. Frau Michaelis schafft es mit ihre einzigartigen , gefühlvollen Schreibweise m, den Leser von Anfang an zu packen und mit den Protagonisten mit zu leiden, zu lachen und ja auch zu weinen. Auch ist es wundervoll wie sie die Orte beschreibt wo einzelne Szenerien statt finden. Man fühlt man sich als wäre man direkt mitten in dem Geschehen drinne.
Ich für meinen Teil kann nur sagen das ich es jedem empfehlen würde es zu lesen der wirklich gute ausgearbeitete Geschichten mag.
Ich für meinen Teil konnte es nicht mehr aus den Händen legen ^^

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