Der Junge, der mit dem Herzen sah

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Berlin: audio media, 2015, Seiten: 5, Übersetzt: Christian Baumann, Bemerkung: gekürzte Ausgabe
  • London: Sphere, 2014, Titel: 'What Milo Saw', Originalsprache

Couch-Wertung:

75
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Kathrin Plett
Ein kleiner Junge mit dem Blick für das Verborgene

Buch-Rezension von Kathrin Plett Sep 2015

Manchmal haben es Kinder in der Welt der Erwachsenen gar nicht so einfach. Es will ihnen einfach keiner glauben, auch nicht, wenn sie Recht und Beweise für die Wahrheit haben. Außerdem glauben sie oft zu wissen, was das Beste für jemanden sein muss, da sie davon ausgehen, dass das, was für sie selbst das Beste ist, auch für andere genauso das Beste sein muss. Als Milos Urgroßmutter Lou immer mehr abbaut und zu Hause beinahe das Haus abbrennt, ist es für seine alleinerziehende Mutter klar: Lou muss ins Heim, denn dort kann man sich viel besser um sie kümmern und ihren Bedürfnissen nachkommen. Viel besser, als es Milo und ihr auch mit noch so viel Anstrengung gelingen kann. Dass das Heim jedoch alles andere als ein Paradies für alte Leute ist, sieht leider nur Milo sofort...

Der neunjährige Milo leidet unter Retinitis pigmentosa. Das heißt, dass sein Sehvermögen immer stärker nachlässt und er irgendwann vollständig erblinden wird. Aber noch sieht er die Welt – wenn auch nur wie durch ein Nadelöhr. Doch so bemerkt er Kleinigkeiten, die anderen entgehen. Als seine 92-jährige Großmutter dement wird und in ein Altersheim umziehen muss, fallen Milo dort seltsame Vorgänge auf. Leider interessieren sich die Erwachsenen nicht für Milos Erkenntnisse, im Gegenteil, sie wollen sich nicht interessieren, denn sonst müssten sie ja eingreifen. So bleiben Milo nur der Koch Tripi und sein Ferkel Hamlet, um ihm bei seiner Mission, der Schließung des Heims, zu helfen. Milo ist nämlich entschlossen, seine Großmutter wieder nach Hause zu holen, die Machenschaften der Heimleiterin offenzulegen und – vielleicht – seine Eltern zu versöhnen.

Virginia Macgregor ist in Deutschland, Frankreich und England aufgewachsen, erzogen von einer Mutter, die nie müde wurde, Geschichten zu erzählen. Sobald Virginia alt genug war, selbst einen Stift zu halten, begann sie mit dem Schreiben, oft bis tief in die Nacht hinein – oder in der Schule, versteckt hinter dem Mathebuch. Nach ihrem Studium in Oxford begann sie, neben ihrem Beruf als Englischdozentin und Hauslehrerin, regelmäßig zu schreiben. Die Autorin lebt mit ihrem Ehemann in Berkshire.

Virginia Macgregor erzählt in ihrem neuesten Roman die Geschichte eines kleinen Jungen, der eigentlich durch eine Augenerkrankung nur noch eingeschränkt sieht. Doch gerade dadurch, dass er seinen langsam schwindenden Sinn durch seine anderen Sinne ausgleichen muss, ist er besonders aufmerksam und es fallen ihm Dinge auf, die anderen verborgen bleiben. Macgregors Geschichte besticht vor allem durch ihre Herzlichkeit und ihre liebenswerten Charaktere. Milos kindliche Art, mit der er die Dinge angeht, macht Spaß und lässt einen in eine Welt eintauchen, die nicht von Egoismus geprägt ist und immer das Gute im Fokus hat, auch wenn Milo dabei manchmal die Weitsicht fehlt und es zum ein oder anderen Missgeschick kommt, wenn er auf unkonventionelle Art zu helfen versucht. Dadurch, dass die Autorin in ihrem Roman wechselnd aus der Sicht von Milo, seiner Mutter Sandy, seiner Urgroßmutter Lou und Tripi, dem Koch des Altenheims, berichtet, kann sich der Leser besonders gut in die einzelnen Figuren hineinversetzen und ihre Handlungen und Gedanken nachvollziehen. Der Koch Tripi, der aus Syrien stammt und illegal im Altenheim arbeitet, trägt dabei durch seine kulturell bedingten Missverständnisse genauso zum Witz des Romans bei wie Milos Hausschwein Hamlet oder der neue Untermieter von Milos Mutter, der als Undercoveragent tätig ist.

Ein gelungener Roman voller lustiger und unterhaltsamer Dialoge und Ideen, der nicht nur durch seinen liebenswerten Protagonisten Milo, sondern auch durch seine turbulente Handlung überzeugen kann. Ein lesenswertes Buch!

Der Junge, der mit dem Herzen sah

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