Mein Vater ist Putzfrau

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Paris: Éditions Léo Scheer, 2009, Titel: 'Mon père est femme de ménage', Originalsprache
  • Berlin: Klaus Wagenbach, 2015, Seiten: 128, Übersetzt: Birgit Leib

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Kathrin Plett
Stolz und Armut

Buch-Rezension von Kathrin Plett Aug 2015

Aus ärmlichen Verhältnissen zu kommen ist vor allem als Kind häufig nicht leicht. Zu wissen, dass man in einigen Bereichen nicht mit den Mitschülern mithalten kann, bedeutet nicht nur, dass man weniger besitzt, sondern oft auch noch einen schweren Stand in der Gegenwart von gleichaltrigen hat, wenn man nicht die neuesten Klamotten trägt oder die Sommerferien weit entfernt von der Heimat verbringt. Auch die eigene Zukunft ist nicht ganz unabhängig vom sozialen Stand der Eltern. Denn wenn der eigene Vater Putzfrau ist und man selbst ihm bis spät nachts bei der Arbeit hilft, wirkt sich das nicht gerade positiv auf die eigenen Leistungen am nächsten morgen früh in der Schule aus...

Paul ist vierzehn Jahre und lebt mit seiner Familie, zu der seine Behinderte und dadurch im Bett liegende und dauerhaft fernsehende Mutter, seine wenig kluge und in erster Linie an Männern und Schönheitswettbewerben interessierte Schwester und sein als Putzfrau arbeitender Vater gehören, in der Pariser Vorstadt. Seinem Gefühl nach sind alle anderen Jungen in der Schule cooler. Zwar versteht er sich gut mit seinem Vater, doch hat dieser genug mit seinem eigenen Leben zu tun, das alles andere als leicht ist. Beide wissen, wie wichtig ein guter Schulabschluss ist und Pauls „Erfolg" in der Schule erfüllt die Familie mit großem Stolz. Das die Bücher, die er während er seinem Vater beim Putzen in der Bücherei hilft, ihren Beitrag dazu leisten und er jedes Mal versucht, ein neues, gebildet klingendes Wort zu lernen, behält er jedoch lieber für sich...

Saphia Azzeddine, 1979 in Agadir, Marokko, geboren, zog mit neun Jahren nach Frankreich. Sie studierte Soziologie, verbrachte ein Jahr in Houston, arbeitete als Diamantschleiferin in Genf und etablierte sich dann als Drehbuchautorin und Schriftstellerin. Ihr erster Roman Zorngebete wurde bereits als Theaterstück inszeniert und ins Spanische, Italienische und Schwedische übersetzt. Die Verfilmung ihres zweiten Romans Mein Vater ist Putzfrau war auch in den deutschen Kinos zu sehen.

In ihrem zweiten Roman versetzt sich Saphia Azzeddine in die Perspektive des vierzehnjährigen Paul, genannt Polo, und berichtet aus seiner Sicht über sein Leben in der Pariser Vorstadt, die alles andere als ein Elitewohngebiet ist. Dabei durchlebt sie mit ihrem Protagonisten typische Probleme auf dem Weg zum Erwachsen werden, Selbstzweifel, Zukunftsängste, das Ablösen vom Elternhaus, die erste Verliebtheit und aufkommende Sexualität. Interessant in ihrem Roman ist, dass sie ihre Geschichte in einer Welt spielen lässt, die den meisten Lesern relativ fremd sein wird, einer Welt voller sozialer Probleme in einem nicht gerade angenehmen Milieu. Polo beobachtet seine Mitschüler, die ihm alle so viel besser als er erscheinen. Sie sind etwas, sind jüdisch, schwarz oder arabisch, können morgens zwischen verschiedenen Frühstücksflocken auswählen oder sitzen als Familie am Tisch, essen so richtig gemeinsam anstatt in der ganzen Wohnung zerstreut oder vorm Fernseher wie bei ihm zu Hause. Direkt vorwerfen kann er seinen Eltern nichts, sein Vater arbeitet hart, legt Wert auf die Bildung seines Sohnes und versucht alles, ihm ein gutes Leben zu ermöglichen. Dennoch spürt Polo tief in sich Verachtung gegenüber seinem Vater, die zeitgleich durch Achtung und Liebe durchbrochen wird. Berührend und ehrlich beschreibt Azzeddine in ihrem Roman das Erwachsenwerden in der Pariser Vorstadt und die Entwicklung Polos vom Jungen zum Mann. Mit Witz und Humor lässt sie Polo über seine Familie erzählen, die er seiner Meinung nach durch sein Wissen weit überragt, was er sie an der ein oder anderen Stelle gerne Spüren lässt, auch wenn es im Endeffekt meist erfolglos bleibt, da sie seine Witze nicht verstehen.

Ein gelungener Roman, der mit einem Augenzwinkern über das Aufwachsen in ärmlichen Verhältnissen und die Schwierigkeiten, die soziale Herkunft zu überwinden, erzählt.
Ein lesenswertes Buch!

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