Wir sind doch alle da

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Köln: Random House Audio, 2015, Seiten: 4, Übersetzt: Martina Gedeck

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Kathrin Plett
Was sollen nur die anderen Leute denken...?

Buch-Rezension von Kathrin Plett Jul 2015

Gerade in kleinen Dörfern verbreitet sich Tratsch und Klatsch schnell von Haustür zu Haustür und nicht selten verbreiten sich Nachrichten wie ein Lauffeuer durch die ganze Nachbarschaft. Den Schein zu waren, gut dazustehen, ist eine Begleiterscheinung, die für die meisten Dorfbewohner einen ebenso hohen Stellenwert hat wie sich selbst am Klatsch zu beteiligen. Eine kaputte Ehe? Ein schlechtes Verhältnis zu den eigenen Kindern oder eine zerrüttete Familie? Egal wie sehr es einen zermürbt, nichts darf nach außen dringen, denn ganz klar: Bei uns ist die Welt noch in Ordnung! Wenn diese "heile Welt" dann durch ein tragisches Unglück erschüttert wird, bringt das die mühsam aufrecht gehaltene Fassade ganz gehörig ins Wanken...

Benny liegt bewusstlos im Koma. Als er alleine in der Waldhütte seiner Familie war, wurde die Dusche dort zur gefährlichen Falle, da unbemerkt Gas austrat, welches ihm die Luft nahm. Im Krankenhaus auf der Intensivstation versammelt sich nach und nach die ganze Familie. Die getrennt lebenden Eltern, der übermächtige Großvater, der ja immer nur das Beste für "seinen" Jungen will und sich "aufopfernd" um ihn gekümmert hat. Die Onkels und Tanten und die türkische Freundin, die nicht in das Familienbild des Großvaters passt. Schnell wird die eigentliche Tragödie zur Nebensache und die einzelnen Tragödien der doch so verschiedenen Familienmitglieder verdrängen das Überlagern das eigentliche Unglück...

Bernd Schroeder, geboren 1944 im heute tschechischen Aussig, wuchs im oberbayerischen Fürholzen auf und lebt heute in Berlin. Als Autor und Regisseur zahlreicher Hör- und Fernsehspiele erhielt er unter anderem den Adolf-Grimme-Preis und den Deutschen Filmpreis.

Wir sind doch alle da verspricht Großvater Ferdinand seinem Enkel, nachdem dieser durch einen tragischen Unfall ins Koma gefallen ist. Dass dies jedoch nur auf den ersten Blick so scheint und jeder der Familienmitglieder lieber seinen eigenen Angelegenheiten folgt, wird schnell deutlich. Bernd Schroeder skizziert in seinem neuesten Roman das Bild einer auseinandergleitenden Familie. Ferdinand Maus, der Großvater Bennys fühlt sich als großes Oberhaupt der Maus-Sippe, der alles im Griff hat und ohne den nichts läuft. Entsprechend behandelt er auch seine längst erwachsenen Kinder. Die Wünsche und Gefühle seiner Frau, die durch Krankheit an den Rollstuhl und ans Haus gefesselt ist, seiner Kinder und Enkel nimmt er nicht wahr, Hauptsache alles funktioniert und die Fassade nach außen bröckelt nicht. Schroeder erzählt seinen Roman abwechselnd aus der Perspektive der verschiedenen Familienmitglieder und lässt sie ihre Sicht auf das Geschehene und die aktuelle Familiensituation schildern. Auf diese Weise entsteht ein vielschichtiges und interessantes Bild der einzelnen Figuren, die somit auch aus unterschiedlichen Sichtweisen betrachtet werden. Zwischenzeitig fügt Schroeder immer wieder kurze medizinische Einschübe zum Thema "Koma" ein, die die Geschichte unterbrechen und ein Eintauchen in die Geschichte verhindern, sodass der Leser in der Rolle des äußeren Beobachters bleibt:

 

"Menschen im Koma und Wachkoma verfügen über die Fähigkeit, innerlich auf Reize zu reagieren, noch bevor es zu äußerlich wahrnehmbaren Verhaltensveränderungen kommt. Aus dieser Sicht ist das Koma eine aktive, bis auf tiefste Bewusstseinsebenen zurückgenommene, extreme Art des Lebens am Rande des Todes."

 

Bernd Schroeder ist mit Wir sind doch alle da eine interessante Geschichte gelungen, die die Oberflächlichkeit der Menschen unaufdringlich und schlicht thematisiert und auf diese Weise um so mehr zum Nachdenken anregt.
Ein lesenswerter Roman!

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