Damit du dich im Viertel nicht verirrst

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Paris: Gallimard, 2014, Titel: 'Pour que tu ne te perdes pas dans le quartier', Originalsprache
  • Hamburg: HörbuchHamburg, 2015, Seiten: 3, Übersetzt: Ulrich Matthes

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Sebastian Riemann
Wer ist sie und wer sind die anderen?

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Jun 2015

Der Meister des Erinnerns lässt in einer obskuren Akte und rätselhaften Kindheit nach den Spuren einer Frau suchen, die für gut ein Jahr die Rolle einer Ersatzmutter übernahm und zur mystischen Figur hinter einen unsicheren Identität wurde. Patrick Modiano, Gewinner des Literaturnobelpreises 2014, erzählt in seinem neuen Roman die Suche nach Antworten auf Fragen, die nicht gestellt werden, aber ein Leben bestimmen. Ein geheimnisvolles und melancholisches, mitunter düsteres Buch mit Raum für Fantasie und Erklärung.

Der Schriftsteller Jean Daragane ruht sich in seinem Studio aus, er ist kurz eingeschlafen auf dem Kanapee, da läutet das Telefon. Eigentlich will er nicht darauf reagieren, aber der Anrufer ist hartnäckig, das Klingeln hält an und zwingt Daragane aufzustehen und den Anruf entgegenzunehmen. Weich und bedrohlich ist die Stimme, Daragane will eigentlich wieder auflegen, bleibt jedoch dran. Der Mann am anderen Ende will sich mit ihm treffen, ihm ein altes Adressbuch geben, welches er zufällig fand.

Was wie ein Zufall wirkt und kaum als Anfang für einen Roman taugt, verwandelt sich schnell in eine dubiose Angelegenheit, da der Anrufer beim Treffen sein wahres Anliegen vorträgt. Er sucht jemanden, den Daragane kennt. Es geht um private Ermittlungen in einem alten Kriminalfall. Die gesuchte Person spielte eine Rolle in der Kindheit des Schriftstellers, auch wenn nicht klar wird, welcher Art diese Rolle war. Auch wenn Daragane jede Erinnerung an diese Person abstreitet, beginnt er doch in seinen Erinnerungen zu wühlen und wird auch bald fündig. Kurz darauf wird ihm eine Akte zugespielt, in der er allerhand Informationen zur gesuchten Person, aber auch zur eigenen Kindheit findet.Viele Verbindungen zu anderen Personen entstehen im Labyrinth seines Gedächtnisses. Daragane entdeckt dabei auch vieles über sich selbst. Die Frage nach der gesuchten Person setzte einen komplexen und langen Erinnerungsprozess in Gang, der sich nicht nur auf die weit zurückliegende Kindheit, sondern auf das gesamte Leben und Wirken des Schriftstellers bezieht.

"Warum spielen Leute, von deren Existenz du nichts geahnt hast, denen du einmal über den Weg läufst und die du niemals mehr sehen wirst, hinter den Kulissen eine wichtige Rolle in deinem Leben?"

Vor langer Zeit, als er noch ein kleines Kind war, verbrachte der Ich-Erzähler einen Sommer in einem Haus außerhalb von Paris. Seine Eltern waren nicht in diesem Haus, für ihn sorgte eine Frau, die bald darauf aus seinem Leben verschwand, da er auf ein Internat geschickt wurde. Allerhand Personen gingen ein und aus in diesem Haus, fuhren nach Paris und kehrten des Nachts zurück. Wer diese Personen waren, wusste der Junge nicht, traumwandlerisch bewegte er sich zwischen ihnen, das Augenmerk stets auf die Frau, die für ihn die Rolle der Mutter einnahm. Wenn sie ausging, konnte er nicht schlafen, bis er ihre Schritte hörte und wusste, dass sie wieder im Haus war.

Die Verbindung zwischen Kind und Ersatzmutter endete abrupt. Dem Leser wird wenig erklärt, die meisten Fragen bleiben unbeantwortet, auch wenn der Ich-Erzähler Gelegenheiten hat, sie zu beantworten. Meist stellt er bei seinen Nachforschungen nicht die richtigen Fragen, stellt überhaupt wenig Fragen. Das weitere Leben seiner ehemaligen Ersatzmutter verbleibt im Dunkeln, er begnügt sich mit Gerüchten, will sie, da er sie ausfindig macht und sich mit ihr trifft, nicht mit unangenehmen Themen belästigen. Die Eltern, die immer weit entfernt scheinen und sich nicht um den Jungen kümmerten, tauchen nur indirekt auf, gleich Schatten an der Wand. Auf diese Art schafft Modiano viel Freiraum für Spekulationen und fordert den Leser auf genau zu lesen und zu interpretieren. Im Zentrum steht die ganze Zeit der Ich-Erzähler, dessen ungewöhnlicher Lebensstil die Aufmerksamkeit des Lesers erregt. Ein subtiles Buch über Erinnern als Suche nach Identität, großartig geschrieben, mit tiefen Dialogen und interessant verwirrenden Charakteren.

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