Über den Winter

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: HörbuchHamburg, 2015, Seiten: 8, Übersetzt: Joachim Schönfeld, Bemerkung: gekürzte Lesung

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Sebastian Riemann
Alkohol-, Kaffee- und Schlaflosroman

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Jun 2015

Wohin im Leben?, fragt sich der renommierte Künstler Lennard Salm und sucht den Strand nach Müll ab. Allerhand findet er dort. Nach einer Katastrophe, einem Sturm, wird viel an Land gespült. Koffer mit persönlichen Gegenständen befinden sich darunter, ebenso wie eine Kinderleiche, die man heimlich und inoffiziell bestattet, da man den örtlichen Behörden nicht viel zutraut und sie auch nicht aus der Ruhe bringen will. Die Abende verbringt Salm meist in einer Ferienanlage, die einer Festung ähnlich, gegen die Außenwelt abgeschottet ist. Die Besucher trinken den ganzen Tag und auch am Abend, wenn es nichts besseres zu tun gibt und ihre Anlage mit Steinen beworfen wird. Die Stromversorgung und die Infrastruktur der Gegend sind beschädigt, manchmal werden wilde Hunde erschossen. Es ist ein recht willkürliches Chaos, das sich um einen ehemals ruhigen und schönen Ort schließt. Es riecht nach Apokalypse.

Und dann ist alles ganz normal. Salm wird zum Flughafen gefahren und fliegt nach Hamburg. Dort ist es kalt und regnerisch, mit anderen Worten: die Welt ist völlig in Ordnung. Nur nicht für den Künstler Salm, der dem ungemütlichem Ambiente der Ferienanlage entflohen ist, um dem Begräbnis seiner Schwester beizuwohnen. Ihr Leben verbrachte sie mit einem schwachen Herzen, dann war es zu schwach gewesen und die junge Frau verstarb vor ihrer Zeit. Der Bruder ist schockiert und überfordert. Die Beziehung zu seiner Familie war nicht immer die beste, meistens war es eine Fernbeziehung, da er viel unterwegs war und arbeitete.

Lennard Salm streift durch Hamburg und erschaudert ob der Aussicht auf die Beerdigung. Seine Schwester wird beigesetzt, das setzt ihm zu, aber vielmehr noch fürchtet er sich vor den anwesenden Menschen bei dieser Beerdigung. Des Nachts zieht er durch die Straßen der Hansestadt und überlegt Streit anzufangen, um zusammengeschlagen zu werden. Dann hätte er eine gute Ausrede, nicht zur Beerdigung zu gehen. Am Ende kauft er sich etwas zu trinken und schläft zu wenig.

Über den Winter ist die Geschichte eines Suchenden. Der Protagonist entsteigt seiner inneren Katastrophe, seinen eigenen Zweifeln mit der bitteren Einsicht, dass er sein bisherigen Leben nicht weiterführen kann oder will. Etwas ist zerbrochen oder zersprungen. Der Tod seiner Schwester kommt plötzlich, scheint ihn aber kaum zu bewegen. Darin liegt wohl auch der Kern des Problems, welches zu keinem Zeitpunkt direkt angesprochen und diskutiert wird. Salm hat sich von den Menschen entfernt, die ihm einst wichtig waren, das Leben als Künstler hat er satt.

Lennard Salm sieht immer schlecht aus, man kann ihn leicht mit einem Obdachlosen verwechseln oder für depressiv halten. Das hat jedoch nichts mit dem anstrengen und intensiven Leben eines Künstlers zu tun, sondern mit seinem Alkohol- und Kaffeekonsum. Außerdem schläft er weder regelmäßig noch besonders gut. Erschöpfung bestimmt ihn und sein Tempo. Und seine Schwester Bille will immer noch mehr trinken, weil ihr die ganzen Joints und Zigaretten nicht reichen, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass sie keine Joints drehen kann.

Salm versucht Heil in der Familie zu finden, nachdem sein altes Leben ihm nichts mehr bieten kann. Er gibt sich Mühe, auch wenn er manchmal ungeschickt und planlos vorgeht. Das hat zur Folge, dass er einer Marionette gleich in der Luft zu hängen scheint, seine Arme und Beine nicht wissen, wo sie hin sollen. Irrend und wirrend versucht der Protagonist im Verlauf des Buches ein Leben zu führen, welches er sich als gutes Leben vorstellt.

Das Buch ist gefüllt mit Beschreibungen des winterlichen Hamburgs und der familiären Situationen um Salm. Manches mag dabei überflüssig erscheinen und wenig zum Lauf der Dinge beitragen, aber daran sollte sich der Leser nicht stören, denn an anderer Stelle wird er durch so treffende und wunderbar formulierte Beschreibungen entlohnt, dass ihm fast das Buch aus der Hand rutscht.

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