Die Straße der Pfirsiche

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Berlin: audio media, 2015, Seiten: 2, Übersetzt: Nico Holonics, Anna Thalbach, Bemerkung: gekürzte Ausgabe
  • New York: International Magazine Company, 1924, Titel: 'The Cruise of the Rolling Junk', Originalsprache

Couch-Wertung:

45
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Claire Schmartz
Zeldas zärtliche Geschichte

Buch-Rezension von Claire Schmartz Jun 2015

Eines Morgens entscheiden Scott und Zelda Fitzgerald, dass sie in Alabama Biskuits und Pfirsiche essen wollen. Sie steigen in ihr Auto, das sie liebevoll Rolling Junk nennen, und fahren los. Zelda, die junge Ehefrau von Scott Fitzgerald, ist in Alabama groß geworden und Scott zögert nicht lange. Drei Monate nach der Hochzeit des jungen Paares wagen sie sich gemeinsam auf die Reise von Connecticut nach Alabama: mehr als 1.100 Meilen - eine sechstägige Autofahrt.

Die anfängliche Euphorie schwingt immer mit, doch schnell erleben die beiden die ersten Rückschläge. Das Hauptproblem ist Rolling Junk, der den Road Trip zu einem Abenteuer voller Pannen und Zwischenfälle werden lässt. Fitzgerald lobt den eigenen Wagemut und lässt ihr Vorhaben tollkühn erscheinen, doch die einzige Wagnis liegt im Transportmittel. Das Auto, das ein Statussymbol und das Sinnbild des technischen Fortschrittes sein sollte, versagt und ist mit der Urquell alles Umstände, die sich immer wieder in zusätzlichen und Warten äußern. Dennoch schafft Fitzgerald es, die Reise zu den Schwiegereltern wie eine Odyssee erscheinen zu lassen, und den Ausflug wie einen Road Trip oder eine "Cruise" voller Herausforderungen, den Weg als Ziel.

Der Road Trip ist eine kurze Erzählung Fitzgeralds, die wenige Höhepunkte (Zwischen- und Unfälle) kennt. Das Hindernis ist nicht der Weg, sondern der Wagen. So bleibt genügend Zeit, die Personenkonstellation zu beleuchten. Angesichts des Paares Fitzgerald wäre dies ein spannender, brisanter Punkt, da Zelda und Scott für ihre Exzesse, öffentliche Streitigkeiten und Spannungen bekannt ist. Zelda und Scott werden auf die Probe gestellt, miteinander verglichen, Stärken und Schwächen des jeweils anderen zu Tage gebracht. Unterwegs entdecken sie unterschiedliche Landschaften und lernen Menschen kennen, die neugierig, hilfsbereit oder kritisch sind... und fast alle auf das Durchhaltevermögen des Wagens wetten wollen - so dass die beiden irgendwann nicht mehr den Mut haben, zu sagen, wie weit sie tatsächlich fahren wollen. Das Geld wird knapp. Immer kommen andere Überraschungen dazu und schlussendlich finden die beiden ein Stück Zunge auf einem Hotelteppich.

Doch die Reise verläuft trotz unerwarteter Rückschläge angenehm entspannt. Lässt einer der beiden locker oder empfindet sich als schwach, so ist stets der andere da, um ihn aufzufangen oder ihm Mut zuzusprechen, um sich für beide zu bewähren. Selbst die Pointe am Ende, angekommen am Ziel dieser so wagemutig beschriebenen Reise, der Erzählung wendet sich zum Guten.

Die Straße der Pfirsiche konzentriert sich auf Scotts Liebe zu seiner Frau und ihre Willensstärke, angesichts derer Scott sich selber oft als schwach empfindet. Im Fokus steht der Optimismus, der die beiden dazu brachte, diese Reise auf sich zu nehmen, und der sie dabei bringt. Getragen wird die Erzählung von einer konstanten Sympathie, einer zarten Liebe zwischen den beiden Reisenden, ohne dabei eine betörende Liebesgeschichte zu sein. Die Erzählung verläuft eher ruhig als leidenschaftlich.

Ein wichtiger Kritikpunkt an Die Straße der Pfirsiche findet sich in den wiederholt starken, rassistischen Kommentaren, Bezeichnungen und Beschreibungen Scotts, die von anderen Rezensenten gutwillig als "Schlenker" bezeichnet wurden, aber die die eigentlich idyllische Beschreibung schmerzhaft vergiften - auch wenn in den Anmerkungen zum Text darauf hingewiesen wird, dass Fitzgerald sich nie von seinen rassistischen Vorurteilen gegen Afroamerikaner distanzierte und dies im Vorwort der englischen Ausgabe dies als »schmerzlich« und »unverzeihlich leichtfertig« bezeichnet wurde.

Schöner, weitaus kunstvoller und bedeutungsstärker ist die anschließende Erzählung Zelda Fitzgeralds Führen sie M. und Mrs. F. zu Zimmer N.-. Sie erzählt von verschiedenen Hotelaufenthalten ihrer Europa-Reisen. Jedem Aufenthalt widmet sie einen kurzen Paragraph, kaum mehr als ein paar Zeilen. In den Details steckt die Geschichte der Ankommens und Reisens, des Entdeckens, des Paares, der Beziehungen und Gefühle. Die Reisen dazwischen wirken wie Leerstellen. Selbst sie schaffen es nicht, die Aufenthalte zu erklären - und so erscheint das Paar wie verloren in diesen großen Hotels, in den Hotelzimmern und Restaurants. Ihr Weg von einer Stadt zur nächsten ist nicht benennenswert geworden und streicht somit die Spezifika der einzelnen Unterkünfte hervor, ihre Austauschbarkeit und zugleich ihre Wärme, die Heimlichkeit der fremden Orte, der Blick aus dem Fenster oder das zweisame Abendessen.

Lesen Sie lieber gleich die zweite Erzählung und lassen Sie sich nicht bloß von F. Scott Fitzgeralds Namen anlocken! Es ist die Erzählung Zeldas - und nicht jene Scotts - die diese Ausgabe lesenswert macht. Zelda erzählt mit einer zärtlichen Präzision, während Scott versucht, in einer anderen Reise dem Weg einen Grund zu geben, obwohl doch nur das Ziel zählt. Zeldas Erzählung ist in ihrer Form, Genauigkeit, Knappheit und Bildlichkeit spannend und schön. Die Straße der Pfirsiche ist im Gegensatz dazu keine tiefgründige Erzählung. Es ist kein Glanzstück Fitzgeralds. Durch die Verwebung der Erzählung mit privaten Fotos des Paares, der Erzählung Zeldas - die, im Anhang angefügt, fälschlicherweise untergeordnet erscheint und doch weitaus feinfühliger ist als der Text ihres berühmteren Ehemannes - und eines Interviews kann der Leser auch andere, privatere Aspekte der Beziehung von Scott und Zelda in beiden Texten suchen, auch wenn es dies eigentlich nicht bedürfte.

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