Das Echo der verlorenen Dinge

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • München: Piper, 2015, Seiten: 304, Übersetzt: Mechtild Sandberg

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Kathrin Plett
Auf der Suche nach der Erinnerung

Buch-Rezension von Kathrin Plett Mai 2015

Fast hundert Jahre nach Beendigung des ersten Weltkriegs und kaum noch lebenden Zeitzeugen sind sich die meisten Menschen heutzutage kaum noch bewusst, welche Auswirkungen die Schrecken des Krieges auf das Leben der Menschen hatten. Nicht nur Männer befanden sich an der Front, auch Frauen waren eingesetzt um die Verletzten zu versorgen und um sich um die Sterbenden zu kümmern. Das diese Tätigkeit nicht spurlos an einem vorbeigeht, beschreibt Anita Shreve in ihrem Roman „Das Echo der verlorenen Dinge", in dem ihre Protagonistin nicht nur wegen ihrer Kriegserlebnisse, sondern auch durch ihre Flucht aus einer unglücklichen Ehe und dem Zurücklassen ihrer Kinder vorübergehend ihr Gedächtnis verliert.

März 1916 in Marne, eine junge Frau wacht in einem Feldbett auf, sie trägt einen fremden Männerpyjama und kann sich an nichts erinnern, nicht einmal, wie sie heißt. Langsam kehren einzelne Erinnerungen zurück, ihr sind die Tätigkeiten der Krankenschwestern vertraut, sie ist sich sicher, die großen Krankenwagen zu den Verletzten fahren zu können. Ihre Vergangenheit bleibt ihr jedoch verborgen. Sie ahnt, dass sie die Antwort auf ihre Fragen in London finden kann. Dort angekommen erkrankt sie schwer und wird von einem netten Ehepaar aufgenommen und umsorgt. Bis ihre Erinnerungen zurückkommen liegt jedoch noch ein weiter Weg vor ihr und auch mit dem Wissen um ihre Vergangenheit sind ihre Probleme längst nicht gelöst, im Gegenteil: Sie muss sich den Problemen stellen, die ihre Amnesie ausgelöst haben.

Anita Shreve verbrachte einige Jahre als Journalistin in Afrika und bereiste weite Teile Kenias, bevor sie in die USA zurückkehrte und Schriftstellerin wurde. Ihre Romane Die Frau des Piloten und das für den Orange Prize nominierte Gewicht des Wassers waren große internationale Erfolge. Anita Shreve lebt mit ihrem Mann in Boston/Massachusetts.

In Das Echo der verlorenen Dinge erzählt Anita Shreve die Geschichte einer jungen Frau, die sich gegen die Konventionen ihrer Zeit stemmt und nicht weiter in ihrer lieblosen Ehe gefangen bleiben möchte. Gleichzeitig erlebt Stella Bain, wie Etna Van Tassel sich zwischenzeitig nennt, bis sie ihr Gedächtnis wiedergefunden hat, die Schrecken des ersten Weltkriegs als Lazarettschwester an der Front hautnah mit. Shreve verknüpft beide Geschichten geschickt, denn genauso wie Etna ihr altes "Ich" Stück für Stück wiederentdecken muss, erfährt der Leser mehr über ihre Vergangenheit, über die Person, die Stella Bain in Wirklichkeit ist. Der Roman erstreckt sich dafür über 15 Jahre mit Rückblicken und Zeitsprüngen, die übersichtlich am Anfang eines jeden Teils durch Jahreszahl und Ort kenntlich gemacht werden. Der Autorin gelingt es dabei, die Gefühle der jungen Frau zu jeder dieser Zeiten, das Verloren fühlen, solange sie nicht weiß, wer sie ist, das schlechte Gewissen, als sie erkennt, dass sie ihre Kinder in Amerika beim Vater zurückgelassen hat und die Zerrissenheit, wie es für sie weitergehen soll, einfühlsam und nachvollziehbar zu schildern. Besonders die Zeit, in der sie krank in London lebt und mit ihrem Gastgeber August Bridge durch Gespräche und Zeichnungen an ihrem Gedächtnis arbeitet, zeigt, wie schwer ein Leben ohne Vergangenheit für Etna ist:

 

"Nichts ist mehr normal. Wie sollte es das auch sein? Ich weiß immer noch nicht, wer ich bin. Und wenn ich es erfahre, entdecke ich vielleicht, dass ich überhaupt kein guter Mensch bin. Davor fürchte ich mich. Ich möchte wissen, wer ich bin, und habe Angst davor, es zu erfahren. Aber noch mehr Angst davor habe ich davor, es nie zu erfahren."

 

Ob es am Ende ein Happy End für Etna geben wird und sie aus ihrer unglücklichen Ehe entkommen kann ohne die Kinder zu verlieren und glücklich wird, verrät Anita Shreve am Ende des 300 Seiten umfassenden Romans.

Alles in allem ein interessanter Roman über Erinnerungen, der gleichzeitig selbst an die Folgen des Krieges für die vielen Betroffenen erinnert, ohne dabei belehrend oder mahnend zu werden. Gleichzeitig wird die Geschichte einer starken Frau erzählt, durch die die lange zurückliegenden Ereignisse lebendig und greifbar werden. Auch wenn das Buch an der ein oder anderen Stelle doch sehr vorhersehbar ist, bleibt es ein lesenswerter Roman.

Das Echo der verlorenen Dinge

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