Das Fest der Bedeutungslosigkeit

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Paris: Gallimard, 2014, Titel: 'La Fête de L'Insignifiance', Originalsprache
  • München: Der Hörverlag, 2015, Seiten: 2, Übersetzt: Sebastian Koch, Bemerkung: vollständige Lesung

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Rita Dell'Agnese
Bedeutungsloses Plaudern mit humorvoller Note

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Apr 2015

Er ist kurz und schnell gelesen, der neue Roman von Milan Kundera. Vor allem aber ist es ein typischer Roman von Kundera. Schon der Einstieg verrät, dass der mittlerweile betagte Autor (immerhin geht er stramm auf die 90 zu) nichts von seiner Affinität zur verhüllten oder gar unverhüllten Erotik verloren hat. Dabei setzt Milan Kundera einmal mehr die Norm außer Kraft. Was gibt es schon über einen Bauchnabel zu erzählen? Kundera kennt das Geheimnis und teilt es offen mit seiner Leserschaft. Einer Leserschaft, die nach mehr als zehnjähriger Veröffentlichungsabstinenz nicht mehr zu hoffen gewagt hatte, vom Tschechen Kundera ein weiteres Werk in den Händen halten zu können.

Was aber spielt sich nun rund um den besagten Bauchnabel ab? Kundera wählt vier sehr unterschiedliche Männer aus, die in seiner Wahlheimat Paris leben. Der Autor erzählt von den vielen kleinen Begegnungen der Männer mit anderen Menschen, von denen sie sich auf eine vielfältige Art angezogen oder abgestoßen fühlen. Immer wieder haben die Männer Berührungspunkte, begegnen sich entweder zufällig oder gewollt, tauschen sich aus und schaffen so nicht nur eine Fülle von Gesprächen, sondern gleichermaßen eine Menge Missverständnisse. Genau davon lebt der Roman zu einem wesentlich Teil. Diese kleinen – dem Leser wohlbekannten – Lügen, die sich plötzlich zu einem falschen Verständnis füreinander heranwachsen und eine ganz eigene Dynamik entwickeln. Dazwischen die Schilderung von Stalins Witzen, die bei näherer Betrachtung nicht immer so witzig sind, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mögen. Stalin als Begleiter der vier Pariser Männer ist an sich schon eine gewagte Kombination. Doch eine, die von Milan Kundera problemlos umgesetzt werden kann. Denn sein spritziger Geist ist dem Autor geblieben und seine Unverfrorenheit, auch an sich unmögliche Konstellationen zu bilden, als hätten alle gerade auf diese gehofft, ist erfrischend.

Milan Kundera verfasste diesen Roman auch als eine kleine Hommage für Paris. Es sind meist nur ganz kleine Momente, eingeflochten in eine wesentlich bedeutsamere Szene, die die Liebe des Autors zu seiner heutigen Heimat dokumentieren. Wer mit Paris bereits Bekanntschaft geschlossen hat, wird die gedanklichen Ausflüge des Autors lieben. Wer die Stadt an der Seine noch nicht kennt, müsste spätestens nach der Lektüre dieses Romans das Bedürfnis verspüren, Orte wie den Jardin du Luxembourg kennen zu lernen.

Das Fest der Bedeutungslosigkeit ist kein Roman, dem man besondere Tiefgründigkeit oder Ernsthaftigkeit bescheinigen mag. Dazu fehlt es an einer Handlung, die tiefgründige Facetten aufzeigen würde. Es ist eine bedeutungslose Plauderei mit humorvoller Note, die trotz allem Gewicht bekommt und einen tieferen Eindruck hinterlässt, als man es zunächst vermuten mag. Wer Kundera bisher nicht kannte, dürfte sich anfänglich damit schwer tun, die sich in ihrer Kontur immer wieder leicht verändernden Protagonisten zu erfassen. Doch die Unsicherheit verschwindet bald und so kann sich auch der Neuleser nach schon kurzer Zeit in die Anhängerschaft des Autors einreihen. Oder aber in den Kreis jener, die bei Milan Kundera abwinken und sich anderer Literatur zuwenden. Der Tscheche Kundera hat sich viel von seiner ursprünglichen Heimat bewahrt und gerade in diesem Werk kommt die Osteuropäische Seele deutlich zum Ausdruck. Man kann sie mögen oder nicht. Aber man kann ihr nicht gleichgültig gegenüberstehen. So polarisiert Milan Kundera mit seinem jüngsten und möglicherweise letzten Werk, obwohl das wohl nicht primäres Ziel des Romans gewesen ist.

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