Angst vor dem Glück

Erschienen: Januar 1954

Bibliographische Angaben

  • Zürich: Manesse, 2015, Seiten: 256, Übersetzt: Hans Hinterhäuser, Bemerkung: Nachwort von Matthias Weichelt
  • Heidelberg: Drei Brücken, 1954, Seiten: 505
  • München : Goldmann, 1962

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Almut Oetjen
Guter Eindruck der thematischen und stilistischen Breite Pirandellos

Buch-Rezension von Almut Oetjen Apr 2015

Ende der 1990er Jahre veröffentlichte der Propyläen-Verlag Berlin in sechzehn Bänden die gesammelten Werke des italienischen Schriftstellers Luigi Pirandello (1867-1936). Herausgeber war Michael Rössner, Übersetzer Hans Hinterhäuser.

Der Name Pirandello ist hierzulande bekannter als sein Werk, das oft genug vor allem mit seinen Theaterstücken assoziiert wird. Wer hat nicht schon einmal den Titel seines bekanntesten Dramas "Sechs Personen suchen einen Autor" gehört, oder kennt nicht den Roman Mattia Pascal? Pirandello, der 1925 das Teatro d'Arte in Rom gründete, erhielt 1934 den Literaturnobelpreis und zählt zu den wichtigsten Schriftstellern des zwanzigsten Jahrhunderts.

Er wird eingeordnet als ein Wegbereiter der Moderne, der sich ironisch mit dem Naturalismus und der Auflösung des Ichs auseinandersetzt. Der Mensch und seine Schwächen ersetzen die Frage nach dem Guten und Bösen, die zu der nach Gott führt. Der Beschreibung von Gefühlswelten wird viel Raum gegeben. Pirandellos Ästhetik ist bestimmt durch seinen Humor, dem er eine eigene umfangreiche Arbeit gewidmet hat. Der Humor äußert sich beim Lesen in der Außenperspektive der Rezeption. In der Binnenperspektive der Figuren ist das Leben alles Mögliche, nur nicht komisch.

Am 16. März 2015 ist bei Manesse der Erzählungsband Angst vor dem Glück erschienen. Er enthält zehn Texte aus der Werkausgabe, die vom Übersetzer Hans Hinterhäuser auf Grundlage der dreibändigen kommentierten Originalausgabe noch einmal durchgesehen und abgeglichen wurden: Angst vor dem Glück; Du lachst; Ich habe Ihnen so viel zu sagen; Die Füße im Gras; Der Lebensretter; Wie Cirinciò für einen Augenblick vergaß, dass er er war; Papierene Welt; Ein Tag; Berecche und der Krieg; Wenn man versteht. In den Anhang aufgenommen wurden Anmerkungen, eine editorische Notiz und ein 24 Seiten langes Nachwort von Matthias Weichelt.

Pirandellos Erzählungen aus dem Alltag einfacher Leute sind in Momenten grotesk, thematisieren die Absurdität menschlicher Existenz, die auf Gestaltung und Absicherung des Scheins ausgerichtet ist. Man erfährt zwar, in der Auseinandersetzung mit ihr, dass die Welt existiert, kann sich seiner Selbst jedoch nicht sicher sein.

Fabio Feroni hat solche Angst vor dem Glück, dass er sie mit einem grausamen Spiel zu bewältigen versucht, unter dem auch seine Frau leiden muss. Signor Anselmo wird nachts von seiner Frau geweckt und muss sich anhören, er würde im Schlaf lachen, was seine Frau ganz verrückt macht und sie bald glauben lässt, er betrüge sie im Schlaf, während er sich an seine Träume nicht erinnern kann. Ein Mann wird nach dem Tod seiner Frau von seinem Sohn in das Aus seines eigenen Lebens manövriert und versucht, in der Natur ein neues Leben zu finden. Bruno Celesia, der die Menschen für einen Haufen von Schweinen hält, rettet in einer stürmischem Nacht einem Mann das Leben, nur um, einmal mehr dem Hohn und Spott seiner Nachbarn ausgesetzt, feststellen zu müssen, dass es sich um den Liebhaber seiner Frau handelt. Cirinciò wächst in einer politischen Angelegenheit über sich hinaus und wird dadurch zu einer anderen Person, einer Fälschung. Ein anderer Mann, Valeriano Balicci, nimmt aufgrund extremer Kurzsichtigkeit nur unter starker Beschränkung am öffentlichen Leben teil, kompensiert dies durch Bücherlesen und droht darüber papieren zu werden und zu erblinden. Mehrere, in Form und Präsentation unterschiedliche, Geschichten haben das Alter zum Inhalt, das Leben wird zum Traum.
Es geschieht nur wenig in den Erzählungen, kaum etwas, was nicht aus dem alltäglichen Leben alltäglicher Menschen bekannt oder zumindest als Ereignis in deren Leben vorstellbar wäre. Aber es gewinnt eine Tiefendimension durch Pirandellis erzählerische Vermittlung.

Der längste Text in dieser Sammlung ist die fünfundachtzig Seiten umfangreiche Novelle "Berecche und der Krieg". Es handelt sich hier um einen sehr persönlichen Beitrag zur historischen Literatur über den Ersten Weltkrieg. Der Text hat eine längere Entstehungsgeschichte. Pirandello hat von 1914 bis 1917 daran gearbeitet, Teile als kürzere Erzählungen veröffentlicht, auch als Bestandteil anderer Texte, darunter Frammento di cronaca di Marco Leccio. Dann trug er die einzelnen Teile 1934 für eine Veröffentlichung in seiner Sammlung "Novellen für ein Jahr" zusammen und organisierte sie in acht Kapitel. Ähnlich Pirandello ist Berecche ein Nicht-Soldat. Nach dem italienischen Vereinigungskrieg geboren und zu alt für eine Teilnahme am Ersten Weltkrieg, trägt er in sich die Spannungen und die Gewalt der Zeit aus. Der pensionierte Geschichtsprofessor mit einer Liebe für deutsche Kultur durchlebt eine innere Krise, als Deutschland zum politischen Gegner Italiens wird, muss die Kollisionen seiner Werte mit denen seines Umfeldes erleben und erleidet einen kulturellen Heimatverlust. Der erzählerische Genius Pirandellos wird in dieser Novelle besonders deutlich. Was er an inneren und äußeren Konflikten und Problemen komprimiert und dennoch intellektuell wie emotional nachvollziehbar in dieser Novelle beschreibt, ist schon eine Klasse für sich.

Luigi Pirandello hat Erzählungen geschrieben, von deren thematischer und stilistischer Breite die Sammlung Angst vor dem Glück einen guten Eindruck vermittelt. Es sind komische und traurige Geschichten, alltägliche Dramen menschlicher Existenz, denen wir vielfältig begegnen, vom seelischem Fassadenbau bis hin zur Verzweiflung.

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