Wir Berliner!

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Köln: Quadriga, 2014, Seiten: 336, Originalsprache, Bemerkung: zusammen mit Peter Raue

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Sebastian Riemann
Panorama der illustren Gestalten der Hauptstadt

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Feb 2015

Die Hauptstadt der Republik hat viele Persönlichkeiten ganz unterschiedlicher Natur hervorgebracht. Der vorliegende Band aus dem Quadriga Verlag hat nun 33 Prominente der Stadt gebeten über vergangene Prominente der Stadt zu schreiben und somit ein unterhaltsames Panorama vorgelegt, welches ein bisschen Licht auf die vielen großen Namen wirft, die sich einst in der Hauptstadt tummelten. Dabei geht es ehrwürdig zu, wenn die Rede von großen Künstlern und ihrer Hinterlassenschaft ist, aber auch sehr persönlich, wenn jemand noch von Angesicht zu Angesicht mit einem Star der alten Tage zusammenkam. Diese Vielfalt ist es auch, die dem Buch Charme verleiht und es zu einem lesenswerten Einblick in die Geschichte Berlins macht.

Porträtiert werden sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, darunter Politiker wie Willy Brandt, Schauspieler wie Marlene Dietrich, Wissenschaftler wie Albert Einstein. Unter den Autoren befinden sich gleichsam prominente Bewohner der Metropole, die ihre Texte gerne ihren Idolen widmen. Gregor Gysi schreibt über Rosa Luxemburg, Wolfgang Thierse über Willi Brandt.
Das Buch ist eine Mischung aus Geschichte und Verehrung. Es werden Informationen gegeben, die man vielleicht noch nicht kannte oder auch ganz persönliche Erklärungen, warum die beschriebene Person so außergewöhnlich war und auch noch heute zu inspirieren weiß. Die bunte Mischung macht dabei das vielfältige Leseerlebnis aus.

Hans Neuenfels ist Theaterregisseur, Schriftsteller und vieles mehr. Heinrich von Kleist fasziniert ihn nicht nur als Schriftstellerkollege, sondern auch aufgrund seiner faszinierenden und erschreckenden Einstellung zum Leben. Deshalb beschreibt er den letzten Tag im Leben des großen Dichters, welchen er zusammen mit Henriette am kleinen Wannsee verbringt. Er berichtet, wie die beiden ihre Angelegenheiten regeln, noch vergnüglich Kaffee trinken, die frische Luft und den Vogelgesang genießen, bevor sie sich das Leben nehmen. So wie sie es geplant hatten. So wie Kleist es wohl schon immer wollte, wofür ihm aber der rechte Partner fehlte. Neuenfels mischt biographische Informationen mit Beschreibungen des letzten Tages am Wannsee und kann somit einen interessanten Einblick in die Gedankenwelt Kleists geben, kurz und bündig.

Udo Walz, der allseits präsente Friseur, der sich gern in der Öffentlichkeit zeigt und schon vielen Prominenten die Haare verschönert hat, erzählt in seinem Text von seiner Begegnung mit Marlene Dietrich. Es ist ein sehr kurzer, wenig spektakulärer Einblick. Zwei Wege kreuzten sich damals in den frühen Sechzigern, der junge Walz hatte keine Ahnung wer Marlene Dietrich war, weil er selbst ein Junge aus der Provinz war. Er gibt wieder, wie es zum Treffen kam, kommentiert die Haare der Dietrich. Ein überaus gehaltloser Beitrag, der mehr über den Friseur als über Marlene Dietrich aussagt. Aber immerhin eine Anekdote wie sie wohl kaum jemand erzählen kann unter den Berliner Friseuren.

Heinrich Zille ist vielleicht der bekannteste Zeichner und Maler Berlins. Seine witzigen, kritischen und vulgären Einblicke in das alltägliche Leben der Hauptstadt machten ihn zu Lebzeiten zu einem angesehenen Künstler und sorgen auch heute noch für seinen Ruhm. In den Fenstern altbackener Kneipen finden sich noch immer seine Bilder, fernab der schick eingerichteten Bars der Innenstadt. Zille malte die Armut und die einfachen Menschen, zeigte die Freuden und Leiden, die Sinnlichkeit und Rohheit der durchschnittlichen Leute. Er war ein Gegenpol zur preußischen Ordnung, zum königlichen Anspruch Berlins. Lebensfroh und unkompliziert malte er Berlin, das weiß Christoph Stölzl zu berichten in seinem Text, der Leben und Werk Zilles zusammenfasst. Ein informativer Überblick, leider nicht bebildert.

Wir Berliner! ist ein interessantes Projekt mit viel Potential, die Stadt und seine Persönlichkeiten bieten genügend Stoff, um mehrere Bände zu füllen und eine kurze Zusammenfassung ist durchaus willkommen, damit man einen Überblick erhält. Es ist ein Panorama und somit wenig detailreich und manchmal auch zu oberflächlich. Mitunter geben die Kommentare und kleinen Geschichten wenig her und können kaum unterhalten. Da wünschte man sich doch mehr Information. Aber nur Wiedergabe von Information soll dieses Buch nun nicht sein, denn das grundlegende Wissen kann man leicht an anderer Stelle besorgen und würde keine Verwendung für diesen Band haben. Deshalb die vielen persönlichen Noten, die Verehrungen und Anekdoten. Es ist der Versuch in persönlichen Worten das Besondere zu erklären, welches den Künstler unter so vielen anderen heraushebt.

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Letzte Kommentare:
03.07.2017 15:34:30
Astrid Hillmeier

So ist das halt, wenn Kritiker, die immer nur ÜBER Sachen schreiben, aber nie welche hervorbringen: sie brauchen immer die anderen. Und die sollen dann möglichst das ausdrücken, was die Kritikerin gerne hätte, aber nie selber hinkriegt. Wäre nicht die Lebendigkeit mancher auf diese Weise Benützten, würde man das Buch sofort wieder weglegen und gleich direkt die Gala lesen.

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