Jäger

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • New York: Harper & Brothers, 1957, Titel: 'The Hunters', Originalsprache
  • Berlin: Berlin, 2014, Seiten: 304, Übersetzt: Jana Maria Hartmann

Couch-Wertung:

78

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
0 x 81-90
0 x 71-80
1 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:68
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":1,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Sebastian Riemann
Ein Schuss, ein Stern und Ruhm

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Feb 2015

James Salter hat ein interessantes, aber auch merkwürdiges Buch über den Alltag des Krieges geschrieben. Im Koreakrieg, jenem Stellvertreterkrieg in den 50ern, trafen zwei gegensätzliche Kräfte aufeinander, die später zunehmend das Weltgeschehen prägten.

Nordkorea kämpfte mit Unterstützung der Sowjetunion und Chinas, während der Süden Hilfe von den USA erhielt. Die zwei Systeme, die sich direkt nur in einem kalten Krieg gegenüberstanden, führten auf der koreanischen Halbinsel einen sehr verlustreichen Kampf, der selten die Beachtung in den Geschichtsbüchern erfährt, die ihm zusteht. Und auch Salter geht es nicht um das Ausmaß des Grauens oder die Gefahr eines dritten Weltkrieges, wie sie damals von vielen wahrgenommen wurde, vielmehr befasst sich der Autor mit einer sehr eigenen Sicht auf das Geschehen. Der Autor wählt als Protagonisten keine Fußsoldaten, die sich durch das Dickicht der Wälder kämpfen müssen, dem Feind gegenüberstehen und an exotischen Krankheiten zugrunde gehen. Piloten von Jagdflugzeugen sind seine Helden und Leidtragenden. Sie bewegen sich hoch oben zwischen den Wolken, weit entfernt vom Schicksal der meisten Soldaten, sie jagen einander hinterher in riskanten Manövern und mit atemberaubender Geschwindigkeit. Sie sind Einzelkämpfer, auch wenn sie im Verbund fliegen. Ein Jagdpilot ist eine schillernde Figur, wenn er sein Handwerk versteht und gegnerische Flugzeuge vom Himmel zu holen weiß. Er wird von seinen Kameraden verehrt und erhält Auszeichnungen. Ein erfolgreicher Jäger bekommt für jeden Abschuss, den er auf seinem Konto verbuchen kann, einen Stern und wird, sobald der fünfte Stern auf seine Maschine gepinselt wurde, ein Held sonder gleichen. Übermenschlich erscheint er dann, geleitet von einer göttlichen Hand, die ihm das Fliegen, Schießen und Siegen ermöglichte. Die meisten Piloten können keinen oder nur einen Abschuss über die Länge ihrer Einsatzzeit erreichen und blicken voller Begeisterung zu jenen auf, die sich zur Elite der Air Force geschossen, den Feind in Angst und Schrecken versetzt haben.

Der Krieg über den Wolken ist ein anderer. Die Piloten machen sich nicht schmutzig, sie robben nicht durch den Schlamm und müssen nicht in der unbekannten Wildnis übernachten. Kampfpiloten haben ihre Basis fernab der Gefechtslinie, verbringen die Kampfzeit allein im Cockpit und haben eine sehr gute Chance den Einsatz lebend zu überstehen. Sie sind militärische Elite und als solche außergewöhnlich, ihr Krieg ist sauber und elegant. Salter beschreibt den Alltag der Piloten wie ein nimmer endender Jagdausflug unter Gentlemen, die um nichts fürchten müssen, außer ihr Ansehen. Täglich werden Einsätze Richtung Norden geflogen, dort wo Nordkoreaner und Chinesen den Boden verteidigen und russische Piloten die Luft mit ihren MiGs durchpflügen, auf der Suche nach amerikanischen Maschinen. Meistens passiert dabei recht wenig, die feindlichen Geschwader fliegen in unterschiedlichen Höhen, werfen sich misstrauische Blicke zu und fliegen wieder zurück zur Basis. Zermürbend kann das sein für die Piloten, die Ambitionen haben und sich einen Namen machen wollen, um später noch Karriere bei der Air Force zu machen. Sehnsüchtig warten sie auf Kämpfe, auf mögliche Abschüsse. Langeweile prägt einen nicht geringen Teil des Aufenthalts in Korea, immer wieder schweifen die Gedanken ab, zählen die noch fehlenden Einsätze und spielen Angst und Erwartung gegeneinander aus. Wenn es zum Kampf kommt, gewinnen die Amerikaner. Es stellt sich nicht die Frage, ob das eigene Geschwader Verluste erlitten hat, interessant sind nur die abgeschossenen MiGs und die Sterne, die man dafür bekommt. Ein erfolgreicher Pilot ist ein kleiner Superstar, wird nach dem Einsatz von allen umringt und muss viele Male erzählen, wie es zum Abschuss kam, welche Manöver er flog, wie er letztlich die feindliche Maschine vor das Visier bekam und abdrückte. Prachtvoll sind solche Momente, die sich vom langweiligen Alltag so stark unterscheiden und dem Dasein in der Basis wieder einen Sinn geben. Ruhm und Ehre sind zu gewinnen, man muss nur hinaus und ein paar von diesen MiGs abschießen.

Salters Beschreibungen des Lebens auf dem Stützpunkt und der Lufteinsätzen sind sehr detailliert und in ein gemeinsames Netz geflochten. Was sich auf dem Boden abspielt, wirkt sich auf die Zusammenarbeit in der Luft aus. Die Piloten leben von der Konkurrenz, sie wollen verehrt werden für ihre Abschüsse, wollen mehr Abschüsse als die Kameraden und wollen um jeden Preis verhindern ihre einhundert Einsätze ohne einen Abschuss zu beenden. Nur ein Pilot mit Abschüssen ist ein wahrer Kampfpilot. Die Stimmung ist angespannt unter jenen, die noch keinen Erfolg verbuchen konnten, gelöst und freudig unter jenen, die sich mit Abschüssen überbieten. Der Protagonist des Romans ist ein erfahrener Pilot aus dem zweiten Weltkrieg, dafür wird er respektiert und mit der Leitung einer Einheit betraut. Ihm gegenüber steht ein jugendlicher Pilot mit großen Ambitionen und noch größerem Mundwerk, dazu gesellen sich ein paar andere Flieger, die nur ihre Zeit gesund überstehen wollen und andere, die vom Ruhm der bekannten Piloten leben, ihnen nacheifern und nachlaufen. Der Protagonist ist ein ernster Mann und glücklos, selten wird er in Gefechte verwickelt und kann nur schwerlich seinen Ruf aufrechterhalten. Das anfängliche Ansehen bröckelt zur gleichen Zeit da der Jungspund seine ersten Abschüsse verbuchen kann und den erfahrenen Vorgesetzten in den Schatten stellt. Das Gleichgewicht unter diesen sportlich gesinnten Soldaten wird immer prekärer.

Jäger ist eine Geschichte über Ansehen, Ambitionen und Angst vor dem Versagen, der Krieg meist nur karge Bühne. Die Ehrerweisungen innerhalb der Pilotengruppe bedeuten die Welt auf der kleinen Basis im Süden Koreas, deshalb bestimmen Zweifel die Gedanken der Glücklosen, während sie den Reden der Erfolgreichen zuhören müssen.

Die Bedeutung des Ruhms und der Einsätze wächst im zweiten Abschnitt des Buches, da plötzlich der Krieg zum Krieg wird und auch auf amerikanischer Seite Verluste zu melden sind. Dramatisch erscheint die Wendung und beeindruckend die Reaktion auf Seiten der Piloten. Sie feiern ihre Erfolge gleichermaßen, so als gäbe es keine Verluste. So wenig wie zuvor die abgeschossenen Piloten der gegnerischen MiGs Beachtung fanden, so wenig wird sie den eigenen Kameraden zuteil, denn nur die Sieger und ihre Abschüsse und Sternchen zählen.
Die kriegerische Wendung in diesem Roman gibt ihm viel Tiefe als kritischen Kommentar der Dynamik innerhalb militärischer Einheiten. Das sportliche Fliegen und Schießen wird letztlich entlarvt und seinem edlen Antlitz beraubt, die Toten werden ignoriert im Siegesrausch der Überlebenden und das Ansehen, welches mit den Sternen kommt, über alles gestellt. Ein seltener Einblick in das Geschehen über den Wolken, menschlich und unmenschlich zugleich, bewegend und ermüdend in seinem Detailreichtum.

Deine Meinung zu »Jäger«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
15.04.2016 14:09:46
A. Zanker

Es ist immer so eine Sache, wenn der Debütroman bekannter und renommierter Autoren ganzen Dekaden überdauern, bis dann ein Verlag den Schritt wagt, um auch noch dieses Werk ins Deutsche zu übertragen. Bei vorliegendem Werk sind es sag und schreibe ganze 57 Jahre, die vergangen sind, bis der Erstling von Salter in deutsch erscheint, im Original unter dem Namen The Hunters im Jahr 1957 erschienen! Klar ist meistens, dass dann der Autor noch nicht wirklich in seinem vollen Potential schreibt und schöpft und klar ist auch, dass der Verlag hoch anpreisen muss, dass man eben schon beim Debüt die Qualitäten des Autors spüren würde, oder um den Text des Backcovers zu zitieren:"..schon alles da, was den grossen Salter ausmacht." Klar muss ja so sein...Doch bestätigt sich in meiner Leseerfahrung sehr oft, dass die Qualität oft wenig bis gar nicht vorhanden ist, oder wie liesse sich ansonsten eigentlich erklären, dass Verlage so lange warten? Hat das eine wirkliche Logik, oder will man einfach noch das letzte verfügbare Manuskript noch zu Geld machen? Wer die Klasse eines Salter kennen und lieben gelernt hat, sollte vielleicht mit einer gewissen Zurückhaltung oder vorherigem Einlesen an das Buch herangehen, denn zumindest ich bin dann eben doch teilweise von diesem angestaubtem Erstling enttäuscht, obwohl ich sonst Salter schätzen und lieben gelernt habe. Ein Erstling ist und bleibt eben ein Erstling, deswegen eine kleine Warnung gleich anfangs, schrauben Sie Ihre Erwartungshaltung nicht zu hoch, um einer ev. Enttäuschung schon vorher den Boden zu entziehen...oder es gar nicht zu lesen..oder das Buch eben nur auszuleihen, anstatt es gleich zu kaufen..

Auf den ersten Blick wird offensichtlich, dass Salter hier seine eigene Fliegervergangenheit im Koreakrieg verarbeitet. Denn sein Buch erscheint, nach Beenden seiner dortigen Fliegerkarriere. Anhand des Einzelschicksals von Cleve Connel, beschreibt Salter den Weg eines künftigen Kampffliegers im Krieg für die Staaten, denn wir begleiten Cleve auf dem Weg nach Seoul und weiter zu seinem dortigen Fliegereinsatz über Nordkorea. Wir lernen andere Kampfflieger dort kennen, erfahren etwas von der Mentalität der damaligen Zeit und der dortigen Einsätze und ihrer Soldaten. Doch alles geht irgendwann nur noch darum wer wieviel der feindlichen "Migs" des Feindes abschiessen kann oder wer schon wieviel von denen vom Himmel geholt hat. "Und wieviele MiGs hast du schon abgeschossen? fragte Pell." S. 192 Über weite Strecken ist dieses Buch einfach nur fade und monoton geschrieben, denn im Grunde geht es nur darum wieviel feindliche Flieger abgeschossen werden können, sowie der Gruppenzusammenhalt den es benötigt um dieses Ziel zu verfolgen. Daneben erfahren wir ein wenig von den Ängsten der Kampfpiloten, von einzeln Schicksalen, also Kollegen die nicht mehr von Einsätzen zurück kamen und irgendwo still am Horizont spürbar wird auch die Sinnlosigkeit des Krieges dargestellt sowie das Angetriebensein seiner Handlanger: " was ihn in seiner Glorie und seiner Erbärmlichkeit antreibt", treffender könnte der Text des Backcover nicht sein. Denn Salter beschreibt die Kampflieger genau in diesem Gegensatz zwischen Glorie und Erbärmlichkeit.

Ein Kriegsroman, der den Luftkrieg beschreibt, inklusive seiner Siege und Verluste, abseits einer gefürchteten Einsamkeit der dortigen amtierenden Soldaten. Wer ein Buch lesen will, über den Luftkrieg über koreanisches Gebiet während des Koreakrieges mag sicher hier bedient sein, ich selbst konnte leider wenig damit anfangen. Was bleibt, wenn man das Buch schliesst, ist die stille Gegenwart der damaligen Verluste, die die dortigen Soldaten hinnehmen mussten, wenn es ihnen nahestehende Kameraden waren, die von ihren Einsätzen nicht mehr zurückkamen. Es ist diese Ungewissheit über den Verbleib nicht zurückgekommener Fliegerkollegen, den noch lange nachhallt. Nicht zuletzt erzählt dieser Roman davon, was der Krieg aus Menschen (Soldaten) macht. Was er für Spuren zurück lässt. Die schmerzliche Kraft der Zerstörung wird hier ganz eigentümlich geschildert und spürbar. Vielleicht ist Clever Stellvertreter für die Erfahrungen, die der Autor selbst zur damaligen Zeit ausgesetzt war - denkbar wäre es. Doch eines tut dieses Buch: Es gibt Einblick in das damalige Leben von Fliegerpiloten während des Koreakrieges.

Film & Kino:
Emma

Im Frühjahr ist mit „Emma.“ eine neue Adaption eines der Spätwerke der bedeutenden englischen Schriftstellerin Jane Austen in Deutschland angelaufen. Setting der Handlung ist - wie stets bei Austen - das ländliche England mit den Vertretern der „Gentry“, der Schicht des Landadels. Titel-Motiv: © Box Hill Films / Focus Features

zur Film-Kritik