Schlafgänger

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Köln: DuMont, 2014, Seiten: 142, Originalsprache

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Kathrin Plett
Nachts, wenn alle schlafen...

Buch-Rezension von Kathrin Plett Dez 2014

Ohne Schlaf werden die Nächte lang. Wach bleiben verändert die Realität, das Bewusstsein und die Gefühle. Die Welt wird anders wahrgenommen, manchmal klarer und präziser, manchmal aber auch verworrener und undurchschaubarer. Wie die Dunkelheit der Nacht, die alles in einem anderen Licht erscheinen lässt, wenn man es so bezeichnen will. Auch Gespräche können sich im Schutz der Dunkelheit verändern, können offener und sensibler werden, Themen ansprechen, die tagsüber kaum ausgewählt werden. Genau an dieser Stelle setzt Dorothee Elmingers neuer Roman Schlafgänger ein. Er erzählt von durchwachten Nächten und Unterhaltungen, die die Tagesgrenze überschritten haben.

Nachts, wenn alle schlafen, unterhalten sie sich. Führen Gespräche, tiefsinnig und berührend, über Themen, die sie beschäftigen, Ereignisse, die sie miterlebt haben, Begegnungen, die sie gemacht haben oder Orte, an die sie denken. So unterschiedlich sie auch sind, Student, Journalist, Übersetzerin oder Logistiker. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie führen ein gemeinsames Gespräch. Ein Gespräch ohne richtigen Anfang und ohne richtiges Ende, inhaltlich kaum greifbar, vage und springend. Ein Gespräch über die heutige Gesellschaft, über Grenzen, Migration und Einwanderung, Einheimische und das Zusammenleben miteinander. Ein Gespräch über Existenzielles wie Leben und Tod, das Glück und die Gerechtigkeit.

Dorothee Elminger, geboren 1985, lebt und arbeitet zur Zeit in der Schweiz. Ihr Roman Einladung an die Waghalsigen wurde für den Schweizer Buchpreis nominiert und mit dem aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Prosadebüt ausgezeichnet. Im Jahr 2011 erhielt sie den Rauriser Literaturpreis.

Mit ihrem neuesten Roman Schlafgänger liefert Dorothee Elminger einen tiefgründigen und anspruchsvollen Roman, der nicht nur inhaltlich, sondern auch von seinem Konstrukt aus sperrig und schwer zu greifen ist. Bereits auf der ersten Seite wird deutlich, dass Elmingers Roman anders ist. Sie wirft ihre Leser mitten ins Geschehen, präsentiert ihm in vier Absätzen direkt drei unterschiedliche Perspektiven, wenn sie abwechselnd aus Sicht einer Übersetzerin, A.L. Erika und Fortunat erzählt. Wer diese Personen sind, bleibt lange unklar, mit dem Logistiker, dem Journalisten und dem Studenten kommen sogar noch weitere Personen hinzu, die quasi wie aus dem Dunkel erscheinen. Alle treten nur durch ihre Gesprächsbeiträge in Erscheinung, mehr Informationen verrät Elminger nicht. Inhaltlich springt die Unterhaltung. Mal geht es um Gerechtigkeit, mal um Glück, dann wieder um den Tod. Vor allem Migration, Einwanderung und die sich verändernde Welt sind die zentralen Themen des Gesprächs, das selten einer Linie folgt. Mal scheint es im Nichts zu enden und geht viele Seiten später an gleicher Stelle doch weiter, mal folgt es einem Gedanken über längere Zeit, meistens jedoch ohne wirklich greifbar zu werden:

"Mir, sagte der Logistiker, fiel die Biene ein, die aus dem Mund des Schlafenden flog, ich strich mir über die Lippen, sie waren kühl, oder waren es meine Finger, die kühl waren, das Kind nahm mir den Hörer aus der Hand und legte ihn auf die Gabel, ich stand auf und setzte mich auf den dritten Stuhl am Küchentisch.
Da kürzlich von den Schlafgängern die Rede gewesen sei, sagte die Schriftstellerin, müsse sie dringen festhalten, dass die Zeit, in der gesprochen werde, doch die Gegenwart sei.
Er habe, sagte der Student in diesem Moment, vor längerer Zeit einen Fernsehbericht transkribiert. Die Grenzwächter, so habe der Sprecher gesprochen, während entsprechende Bilder erschienen seien [...]"

Ähnlich wie im Ausschnitt, verhält sich auch der Rest des Romans. Sprachlich kunstvoll konzipiert, beinahe poetisch geschrieben, zeigt Elminger ihr literarisches Talent. Für viele Leser kann es dennoch etwas zu viel des Guten sein, denn auch nach vielen Seiten bleibt die Handlung undurchschaubar und nur schwer zu durchblicken. Wer ist wer? Viele Personen und Sprünge lassen einen nur schwer in den Roman finden.

Schlafgänger ist unzweifelhaft ein literarisch überzeugendes Werk, welches durch Sprachkunst und eine experimentelle Konstruktion punktet. Für viele Leser wird Elmingers Werk höchstwahrscheinlich eine verworrene Ansammlung von Gesprächsfetzen bleiben, die nur schwer zu durchdringen sind. Schlafgänger ist daher eher eingeschränkt empfehlenswert und richtet sich in erster Linie an Leser, die sich gerne mit komplizierten literarischen Werken auseinandersetzen und die es nicht stört, wenn sich ein Roman am Ende so anfühlt, als müsste noch etwas kommen.

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Letzte Kommentare:
08.07.2019 16:08:31
Ruby

Die Dame heißt Elmiger nicht Elminger. Sollte man wissen, wenn man das Buch gelesen hat.