Ostende - 1936, Sommer der Freundschaft

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Der Audio Verlag, 2014, Übersetzt: Ulrich Noethen

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Sebastian Riemann
Historische Ereignisse und Schriftstellerfreundschaften

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Dez 2014

Stefan Zweig und Joseph Roth waren Schriftstellerkollegen und gute Freunde. Beide stammten aus Österreich, jedoch aus völlig unterschiedlichen Gegenden, der eine aus dem wohlhabenden Westen, der andere aus dem weit entfernten, ärmlichen Osten. Zweig war weltgewandt und optimistisch, Roth ein trauriger Trinker mit Hang zur Melancholie. Doch trotz der großen Unterschiede in Herkunft und Person waren sie einander wichtig als Freunde und Literaten. Sie waren ein seltsames Duo, das sich harmonisch zu ergänzen wusste, am Ende aber doch an den großen Unterschieden und den Umständen zerbrach.

Die beiden Freunde treffen sich im Sommer 1936 im belgischen Ostende, zusammen mit anderen Kollegen, die gleichsam vor den bevorstehenden Ereignissen erstarren. Die Olympiade in Berlin steht an, es wird gerätselt wie gut die Nationalsozialisten sich vor der Weltöffentlichkeit verstellen können. Die Machtübernahme der Faschisten und ihre Repressalien gegenüber Andersdenkenden gehören für die Schriftstellergruppe zum neuen Dasein, ihre Bücher sind nahezu gänzlich in Deutschland verboten. Sie wissen, dass die Dinge nicht besser werden, sie sehen Deutschland und Europa auf einem direkten Weg zur Verheerung. Machtlos kommen sie zusammen, sprechen sich gegenseitig Mut zu, versuchen sich zu unterhalten und die Hoffnung nicht zu verlieren.

Stefan Zweig ist auch im Ausland sehr beliebt, seine Bücher verkaufen sich auf der anderen Seite des Atlantik bestens und so vermag er den Wegfall des Deutschen Marktes zu verkraften. Er wird Europa verlassen und in Brasilien ein neues Leben beginnen, als literarischer Star. Joseph Roth hingegen ist eine unscheinbare Erscheinung, ein Mann mit vielen Leiden und Gebrechen. Er leidet sehr unter den machtpolitischen und kulturellen Veränderungen in Europa, unter seiner Ausgrenzung und Diskriminierung. Das Geld geht ihm aus und er ist angewiesen auf die Unterstützung seines Freundes Zweig, der für ihn Hotelrechnungen begleicht oder einen neuen Anzug bezahlt. Dafür erntet dieser Dank, aber auch Spott. Die Spannungen zwischen den beiden sind vielschichtig, resultieren aus der sehr unterschiedlichen Herkunft, den Umständen, aber auch aus den gegensätzlichen Lebenssichten. So versucht Zweig den Freund zu einem gesünderen Lebensstil zu überreden, zu wenigstens einer ordentlich Mahlzeit am Tag und weniger Alkohol. Roth nimmt es freundschaftlich gelassen auf, hat aber keine Absicht die Dinge zu ändern oder schon nicht mehr die Möglichkeit. Jeden Morgen verbringt er mehrere Stunden im Bad und muss sich übergeben. Sein Verfall scheint nicht aufzuhalten und dies war wohl auch ein Grund, warum Stefan Zweig lange zögerte und den Freund immer wieder vertröstete, wenn es um ein gemeinsames Treffen ging.

Neben den beiden Freunden tauchen noch viele weitere Schriftsteller der damaligen Zeit auf. Unter ihnen Egon Erwin Kisch, der begeistert vom spanischen Bürgerkrieg und Max Schmeling erzählt, und auch Irmgard Keun, die zu Roths Liebhaberin und Trinkgesellin wird. Sie alle fliehen vor den kommenden Ereignissen, die ihre Schatten vorauswerfen. Sie bilden eine illustre Gruppe, die den Leser zu unterhalten weiß und Zeitzeugnis ablegt.

Volker Weidermann versteht es Verständnis für Stefan Zweig und Joseph Roth zu erzeugen, mit viel Geduld erzählt er von der gemeinsamen Zeit, vom Essen im Bistro, vom Anzug, den Zweig für Roth kaufte, von kleinen Unstimmigkeiten und ihren Diskussionen über Literatur. Er bedient sich dazu verschiedener Aufzeichnungen der Schriftsteller und kombiniert sie geschickt zu einem eindrucksvollen Gesamtbild, auch die zahlreichen Unterhaltungen mit Marcel Reich-Ranicki halfen ihm beim Schreiben des vorliegenden Buches.

Ostende bemüht sich um Literaturgeschichte und persönliche Nähe zu den Hauptfiguren. Ein schwieriges Unterfangen, welches nicht immer gelingt, da oft das eine auf Kosten des anderen geopfert werden muss. Sobald die Figuren aus dem Fokus des Aufenthalts im Badeort Ostende entrücken, werden sie zu Schablonen ihrer Selbst. Trotzdem ist es eine gelungene Kombination aus Unterhaltung und Information, die den Leser für sich einzunehmen weiß. Ein interessanter Einblick in ein Treffen bedeutender Schriftsteller zu einem bedeutenden Zeitpunkt, der Persönliches enthüllt und auch Geschichte lehrt.

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