Washington Square

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Zürich: Manesse, 2014, Seiten: 288, Übersetzt: Bettina Blumenberg

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Sebastian Riemann
Ideen von Liebe und Geld

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Nov 2014

Liebt er sie oder liebt er ihr Geld? Liebt er sie und ihr Geld? Am jungen Morris Townsend spalten sich die Geister. Dem angesehenen New Yorker Arzt Dr. Sloper ist er ein Schwindler, ein Taugenichts, der anderen Menschen auf der Tasche liegt und sie mit schönen Worten täuscht, ein Schmarotzer und Blender. Seiner Tochter Catherine hingegen erscheint Mr. Townsend ein ganz wunderbarer, talentierter junger Mann zu sein, einen den sie gerne heiraten und ewig an sich binden würde. Sie genießt ihrem Vater gegenüber viele Freiheiten, letztlich kann sie heiraten wen sie will, aber zum einen will sie ihn nicht unglücklich machen, da sie ihn sehr bewundert und achtet, zum anderen droht er sie zu enterben, sollte sie gegen seinen Rat den jungen Schönling heiraten. Catherine ist verwirrt und weiß nicht weiter. Die Tante hingegen hat immer eine Idee, vor allem jedoch Lust an Spektakel, und so lässt sie es sich nicht nehmen dem Fräulein den ein oder anderen Floh ins Ohr zu setzen.

Washington Square handelt vom Hin und Her jener vier Personen, ihren Positionen in Bezug auf die mögliche Hochzeit. Dabei wird vor allem viel geredet, direkt und indirekt. Handlung gibt es kaum im Buch, es sind die Absichten und die Mittel zur Durchsetzung dieser Absichten, die ein Spannungsfeld erzeugen und für Dynamik zwischen den Personen sorgen. Im Zentrum steht die Frage, ob Mr. Townsend an Catherine nur aufgrund ihres Erbes interessiert ist. Sie ist keine Schönheit, weiß sich nicht in Gesellschaft zu präsentieren und erweckt selten Interesse. Ein Antrag von einem gut aussehenden, allseits beliebten Mann wie Townsend ist daher eine große Überraschung. Unglaubwürdig, urteilt der Vater. Er wittert einen Betrüger, der seine nicht allzu intelligente Tochter ausnutzen und auf ihre Kosten ein genüssliches Leben führen will. Da er einen Großteil des Geldes bereitstellen würde, sieht er sich selbst bedroht. Sein Geld soll verprasst werden, unter Verwendung seiner Tochter. Deshalb lehnt er ab und droht mit der Enterbung.

Dr. Sloper hat sich sein Ansehen und Vermögen als Arzt verdient, durch harte, ehrliche Arbeit. Townsend hingegen hat weder Geld noch Arbeit, gilt als Lebemann. Die beiden Männer sind sehr unterschiedlich. Ebenso die Frauen. Catherine ist naiv, wird durch ihren Vater bevormundet, ihre Tante Penniman hingegen ist erfahren, listig und weiß sich in der Gesellschaft zu bewegen. Sie zieht Fäden im Hintergrund, um eine geheime Heirat gegen den Willen des Vaters zu bewirken. Dergleichen würde ihr sehr gefallen.

"Als Schauplatz für diese Zeremonie stellte sie sich eine unterirdische Kapelle vor – unterirdische Kapellen waren in New York nicht eben zahlreich, aber Mrs. Pennimans Fantasie ließ sich nicht durch Kleinigkeiten trüben – und weiter stellte sie sich vor, wie das schuldige Paar – sie liebte es, die arme Catherine und ihren Freier in Gedanken "das schuldige Paar" zu nennen – in einem geschwind dahinwirbelnden Fahrzeug zu irgendeiner düsteren Vorstadtbehausung befördert würden..."

Henry James beweist auch in Washington Square wieder ein feines Gespür für seine weiblichen Figuren. Sie sind vielschichtig, ihre Psyche ein Gegenstand, der den Leser über die Länge des Buches zu fesseln vermag. Catherine verliebt sich in Morris, sinniert über den Vater, leidet mit der Tante und wird dem Leser sehr vertraut. In zahlreichen Dialogen, aber auch in der Darstellung ihrer Gedanken wird ihr Inneres offenbart und die Geschichte ihrer Emanzipation erzählt. Sie fühlt sich ihrem Vater verpflichtet, will seinen Rat befolgen und ist somit einer alten Auffassung von Familie treu, welche Eltern klar über Kinder stellt, Männer über Frauen. Gleichzeitig genießt sie viele Freiheiten und ist in der Wahl ihres Bräutigams frei, also eine moderne Frau, die selbst entscheiden und aus Liebe heiraten kann. Die Männer, Vater und Verehrer, bedrohen jedoch beständig ihre Freiheit, wollen sie in die eine oder andere Richtung lenken, und der Leser erkennt in ihr einen Spielball fremder Interessen, der scheinbar nie eine eigene Entscheidung treffen wird. Das Haus am Washington Square, das Heim Catherines, ihres Vaters und der Tante, verwandelt sich in einen Ort des Kampfes auf engstem Raum. Unter der Oberfläche zeigt das Familienbild starke Risse. Diese sind Ausdruck einer gesellschaftlichen Entwicklung, welche immer mehr das europäische Erbe ablegt und einem stärkeren Individualismus entgegengeht. Geld thront dabei über allen Gedanken der Männer.

Henry James hat in seinen Romanen und Novellen vielfach die Rolle der Frau und den Kulturunterschied zwischen alter und neuer Welt behandelt, Washington Square bildet da keine Ausnahme. Der Autor wurde 1843 in New York geboren, verbrachte später viel Zeit in Europa, wo er 1916 verstarb. Das Reisen und Leben im Ausland verarbeitete er in zahlreichen Büchern.

Der Roman von Geld, Liebe, Hochzeit und Verpflichtungen ist meisterlich erzählt, die inneren Beweggründe der Personen ersetzen bestens den Mangel an äußerer Handlung, zudem ist der Erzählfluss James´ einzigartig. Die Seiten fliegen nur so dahin. Die Charaktere werden dabei sehr lebendig, man kommt ihnen näher, ohne sie jedoch vollends zu verstehen, denn der Autor behält sich eine gewisse Unschärfe vor. Die letzten Intentionen werden nicht aufgedeckt und so kommt es zu Überraschungen, der Leser muss öfters seine Sympathien mit den Figuren überdenken, sieht sich manchmal getäuscht und hintergangen. Das Buch will man gar nicht aus der Hand legen.

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