Der aufblasbare Kaiser

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Berlin, 2014, Seiten: 256, Originalsprache

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Kathrin Plett
Es lebe die Monarchie!

Buch-Rezension von Kathrin Plett Nov 2014

Was müssen das für Zeiten gewesen sein, als das Kaiserreich noch existierte und die Monarchie die tragende Regierungsform war, alles war geregelt, es gab ein durch Geburt bestimmtes Oberhaupt, das gleichzeitig fest mit der Staatsform verankert war. Ganz im verborgenen, im "Legitimistischen Club" hält dieser Gedanke eine kleine Gruppe von Männern zusammen, die sich nichts mehr wünschen, als den alten Otto von Habsburg wieder auf den Thron zu bringen und das alte Weltbild wieder gerade zu rücken. Wenn nur genügend Menschen von der Idee angesteckt würden, sollte sich dieser Traum doch mit ein wenig Glück erfüllen lassen...

Vera Beacher ist sechsundzwanzig und mit ihrem Leben nicht zufrieden. Sie hat einen Job, einen Liebhaber, eine beste Freundin und eine nervige Schwester. Doch irgendetwas fehlt ihr. Als sie eines regnerischen Tages nicht ganz beabsichtigt auf ein seltsames Klingelschild drückt, bekommt sie die Gelegenheit, einem monarchistischen Geheimtreffen des "Legitimistischen Clubs" beizuwohnen. Das verfolgte Ziel des Clubs ist so skurril wie der überschaubare Kreis seiner Mitglieder selbst: Sie wollen den greisen Otto von Habsburg wieder auf den Thron bringen und das Kaiserreich zurückholen. Fasziniert bleibt Vera Beacher, genannt Beachy, und lässt sich von der Idee des Kreises, wenn auch zunächst noch recht kritisch, mitziehen und beginnt nachzudenken. Nachzudenken über die Monarchie und über den Kaiser, in erster Linie aber über sich. Über ihr Leben, ihren Arbeitskollegen, den sie nur Trottel nennt. Ihren Liebhaber. Ihre Schwester. Ihre beste Freundin, die ihr plötzlich ganz fremd geworden ist und deren Junggesellinenabschied sie so in keinster Weise mehr organisieren will.

Michael Ziegelwagner, geboren 1983 in St. Pölten (Niederösterreich), studierte Journalismus in Wien. Er schrieb u. a. für den "Standard" und ist seit 2009 Redakteur des Satiremagazins "Titanic". 2002 wurde er mit dem Satirepreis der Akademie Graz ausgezeichnet.

In Der aufblasbare Kaiser erzählt Michael Ziegelwagner eine skurrile und ungewöhnliche Geschichte einer jungen Frau, die in vielen Bereichen ihres Lebens von Unschlüssigkeit geplagt ist. Fasziniert vom "Legitimistischen Club", der sich nach der vergangenen Monarchie sehnt und ihrem alltäglichen Leben mit Liebhaber, nervigen Kollegen und einer stets nervenden Schwester weiß sie nicht recht, was sie von ihrem Leben erwartet. Gerne greift sie die Ideen ihrer neuen Bekannten auf und beginnt nachzudenken... Unterhaltsam und witzig berichtet der Autor von seiner sympathischen Protagonistin, die viel Zeit mit Nachdenken verbringt und der es gelingt, in jeder Situation das Besondere, Schräge oder Skurrile zu finden:

„Ein bisschen seltsam, dachte sie, jemandem beim Ausziehen zuzusehen, aber helfen will ich ihm nicht, und wenn ich ihn allein lasse, schläft er mir im Stehen ein. So also sieht ein Stripptease aus. Was die Menschheit nur immer mit diesen nackten Körperteilen hat, als käme da irgendwann etwas Neues; gut, die Reihenfolge, in der man sie entblößen kann, die ist variabel. Na, vielleicht interessiert es Zecki in Schottland. Und wenn nicht, so interessiert sie doch, wer die Idee dazu gehabt hat",

reflektiert sie beispielsweise, als sie einem ihrer Clubbekannten beim Ausziehen zusieht, der besoffen bei ihr Unerschlupf sucht und sie an die geplante Stripptease-Fahrt mit ihrer Freundin Zecki und deren Freundinnen nach Schottland erinnert.

Österreichisch angehaucht erzählt Ziegelwagner in präzisen und geschickt konstruierten, dennoch gut verständlichen Sätzen seinen Roman. Distanziert betrachtet er von außen seine Protagonistin, was der Erzählung eine gewisse Ironie und dem Roman Abstand zum Leser verleiht. Ein völliges Eintauchen in den Roman wird dadurch jedoch verhindert.

Alles in allem ein interessanter Roman, der durch seine skurrile Art auffällt. Eine Geschichte, die nicht jedermanns Geschmack trifft, aber durchaus lesenswert ist und sprachlich gekonnt geschrieben ist.

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Letzte Kommentare:
29.03.2015 19:35:11
sommerlese

Dieses Buch wurde als originelles Werk angekündigt und ich kann ihm gewisse unterhaltsame Teile auch nicht absprechen. Aber leider fehlt mir doch mehr oder weniger der direkte Zugang zum Inhalt. Was hat der Autor mit diesem Werk bezweckt?

Es geht hier um eine Monarchistenvereinigung, den sogenannten "Legitimistischen Club", in den die junge Vera Beacher zufällig hineingerät. Gleichzeitig soll sie für ihre beste Freundin einen Junggesellinnenabend vorbereiten. Der Besuch bei den verschrobenen Anhängern der Monarchie lässt sie über vieles nachdenken und sie macht sich überhaupt viele Gedanken um dies und das. Doch nicht die Lebensplanung ist vorrangig, es geht mehr um das Hier und Jetzt.

Doch wieso soll in Österreich wieder die Monarchie ausgerufen werden? War damals alles besser oder langweilen sich die Menschen mit der bestehenden Politik? Und wieso soll gerade der betagte mittlerweile 99jährige Otto von Habsburg der neue Regent sein? Gut, in Wien ist das habsburgische Königshaus schließlich überall präsent.

Dieses Buch wirft Fragen auf, die aber nicht beantwortet werden. Vielmehr gibt es eine Aneinanderreihung von Überlegungen der Protagonistin Vera zu einem gebrochenen Fuss, über das Zusammenleben mit Schwester und Freund, über ihre Arbeit, über ihren Kollegen, von ihr Trottel genannt und über die Monarchie und andere unzusammenhängende Inhalte. Dazu kommen tschechische Gedankengänge eines Mitgliedes der Monarchistenvereinigung, die nicht übersetzt werden und daher auch nicht zur Klärung von Inhalten beitragen können.

Zugegeben, der Autor kann mit Sprache umgehen und es gibt einige sprachlich beeindruckende Stellen, z. B. als die Befürworter der Monarchie einige theoretische Phrasen spinnen. Doch der rote Faden durch die Geschichte fehlt mir völlig und so irre ich auf der Suche danach vergeblich durch das Buch. Als am Ende auch noch "Her Majesty Queen Elisabeth II." auftaucht und eine kleine Unterhaltung mit Vera führt, erscheint mir das Ganze zwar witzig und regelrecht skurril, doch ein tieferer Sinn dahinter bleibt mir verborgen.

Schön sind lediglich die Einblicke in den Wiener Alltag: die Kaffeehäuser, die Bim und der Schöpfl (höchster Berg im Wienerwald) werden im Buch vorgestellt. Doch das ist mir einfach zu wenig.

Dieses Buch konnte mich nicht begeistern, mir fehlte der tiefere Sinn. Ein monarchistischer Ausflug nach Wien mit merkwürdigen Personen!