Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • München: Luchterhand, 2014, Seiten: 224, Originalsprache

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Sebastian Riemann
Internationale Mettbrötchen

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Nov 2014

Herr Yamashiro ist ein unerschrockener Mann, der kein Wort Deutsch versteht, aber die Stimmung seines Gegenüber intuitiv zu erfassen weiß und stets bemüht ist mit Anderen in Kontakt zu treten. Er ist die Hauptfigur im neuen Roman Christoph Peters´ und ein Vorbild für interkulturelle Verständigung. Sein herzhaftes Lachen, sowie sein Interesse an den Freunden im Leben der Deutschen machen ihn zu einem perfekten Gast aus dem Land der aufgehenden Sonne und zu einer Bereicherung für seine Gastgeber.

Herr Yamashiro ist ein Meister der japanischen Keramikherstellung, er hat bereits viele Würden erlangt und kann auf eine beachtliche Laufbahn zurückblicken. Doch anstatt auf seine alten Tage die Dinge ruhig anzugehen, lässt er sich überreden nach Deutschland zu reisen, um dort seine Expertise zur Verfügung zu stellen und einen speziellen Ofen zu bauen, mit welchem Keramik japanischer Art produziert werden kann. Einen Anagamaofen. Er mag die Idee, zur Verständigung der beiden Völker und zur Entwicklung der Kunst etwas beizutragen. Der fremden, deutschen Kultur sieht er dabei unerschrocken entgegen. Anders verhält es sich mit seinem Übersetzer Ernst, der aus Deutschland kommt, in Japan das Keramikhandwerk erlernt hat und später jenen Anagamaofen benutzen soll, um seine Arbeit und das fernöstliche Kunsthandwerk in Deutschland an den Mann zu bringen. Er ist der Vermittler zwischen der japanischen und deutschen Sprache, sowie zwischen den Mentalitäten. Ernst ist immer in Sorge ob der möglichen Katastrophen, die sich aus zwei verschiedenen Weltsichten in direktem Kontakt ergeben können. Immerzu glaubt er Missverständnisse und Verstimmungen zu wittern, bemüht sich deshalb krampfhaft um den allgemeinen Frieden zwischen allen Beteiligten. Letztendlich sind es aber seine Vorsorge und Feingefühl, die dafür sorgen, dass alle eine unterhaltsame und angenehme Zeit miteinander verbringen, der Leser inbegriffen.

Den Speisen wird im Buch besondere Aufmerksamkeit geschenkt, der Titel verweist bereits auf eine Vorliebe von Herrn Yamashiro. Dieser sollte eigentlich von seinen japanischen Reisebegleitern versorgt werden, damit er sich heimisch fühle, auch in der Ferne. Zu diesem Zweck werden spezielle Kochutensilien, sowie Teeschalen und Essstäbchen nach Deutschland gebracht, doch Herrn Yamashiro will die aufwendige Küche des eigenen Landes nicht so recht schmecken. Zu jeder Mahlzeit versichert er die Köchin, dass er unzufrieden ist. Die kulinarische Situation ändert sich entscheidend da Herta Mölders eines Tages bei der Ofenbautruppe vorbeischaut und Mettbrötchen samt Schnaps als Begrüßungsgeschenk mitbringt. Sie betreibt eine kleine Gastwirtschaft im Ort und ist eine unkomplizierte, herzensgute Frau. Ihre lockere Art und Hausmannskost überzeugen Herrn Yamashiro sofort und sorgen für gute Stimmung beim Ofenbau. So eine Einladung zum Essen ist nämlich immer ein Eisbrecher, da sie Sympathie und Offenheit zeigt. Frau Mölders empfängt den Gast mit offenen Armen in Form jener Mettbrötchen und des Schnapses und umgeht somit all die Probleme, die bei einem Annäherungsversuch mit viel Gerede und vorsichtiger Scheu entstehen würden. Verständigung wird durch gute Absicht erzeugt und mit einem Kurzen besiegelt. Eine schöne Idee, die scheinbar zu oberflächlich, aber in ihrer Intention umso lobenswerter ist, da sie dem Leser zeigt, wie schnell und einfach Kontakte entstehen, wenn man nur die erste Barriere überwindet und sich dem Gegenüber nähert.

Peters versteht es mit Leichtigkeit verschiedene Personen und Kulturen zusammenzubringen, doch er verfällt dabei nicht in Stereotype oder Klischees. Die Figuren wirken authentisch, auch weil ihre Unterschiede immer wieder hervorgebracht werden, manchmal mit viel Komik, manchmal mit Ernst, dem Übersetzer, der schon wieder einen potentiellen Konflikt entstehen sieht.

Der Autor erzählt locker diese Geschichte vom Treffen zweier Kulturen, bedient sich dabei meist einfacher, kurzer Sätze, sowie unkomplizierter Dialoge und vermag somit einen ansprechenden Lesefluss zu erzeugen. Die Ausführungen zur deutschen und japanischen Keramikkunst beschränken sich auf ein gut gemeintes Minimum, welches den Leser weder verwirrt noch überfordert, ihm aber erlaubt einen interessanten, allgemeinen Eindruck zu gewinnen.

Christoph Peters hat bereits zahlreiche Romane und Erzählbände veröffentlicht. Mitsukos Restaurant wurde vor einigen Jahren zum Erfolg und ist gleich dem vorliegenden Buch eine deutsch-japanische Begegnungsgeschichte mit humoristischen Einlagen und kulinarischer Menschlichkeit. Peters wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Aspekte-Literaturpreis. Im Jahr 2006 war er Museumsschreiber des Deutschen Keramik Museums in Düsseldorf.

Interkulturelle Kommunikation bestehend aus einem halben Brötchen, rohem Hackfleisch und ein paar Zwiebelringen, das ist ein einfaches Rezept, jedoch kein schlechtes. Es enthält Unterhaltung und einen respektablen Appell in Zeiten der Globalisierung, der vermehrten interkulturellen Begegnungen. Es lädt ein zum Dialog, zur Verständigung zwischen Menschen mit unterschiedlichen Traditionen, zum Interesse am Fremden und Neuen. Alles versehen mit einem bisschen Ernst.

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