Der Findling, Die Marquise von O..., Michael Kohlhaas

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: Edition Büchergilde, 2014, Seiten: 300, Originalsprache, Bemerkung: mit Illustrationen von Martin Grobecker, Anke Feuchtenberger und Johannes Grützke

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Sebastian Riemann
Der Kampf um Gerechtigkeit und klapprige Pferde

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Okt 2014

Michael Kohlhaas, wer kennt ihn nicht, den Gerechtigkeitssuchenden, den Idealisten im Unglück, vom Weg des Rechtes abgebracht, da er das Recht suchte. Einer der großen Romanen der deutschen Geschichte, zeitloser Stoff zur Anklage der Verhältnisse und Sinnbild der Abwegigkeit. Eine der bekanntesten Erzählungen Kleists, die auch heute noch in den Schulen gelesen und für die großen und nicht so großen Leinwände verfilmt wird. Sie handelt vom Kampf eines Einzelnen gegen eine Gruppe Mächtiger, ausgehend von einer Lappalie.
Kohlhaas ist Pferdehändler und reist als solcher übers Land, um seine Ware in Dresden feilzubieten, passiert dabei die sächsische Tronkenburg, die unter neuer Führung steht und dem Pferdehändler eine zusätzliche Gebühr berechnen will, welche dieser jedoch nicht zu zahlen bereit ist, wohl wissend, dass an der Sache etwas faul, der geforderte Passierschein eine ausgemachte List ist, der er sich nicht beugen wird, stattdessen lieber ein paar Pferde als Pfand zurücklässt, die er später auslösen wird, wenn er erst einmal eine rechtliche Versicherung hat, sich gegen die Forderungen der neuen Herren der Tronkenburg zu schützen. Sein Anwalt in Dresden bestätigt sogleich die Ahnungen vom Unrecht, gibt ihm volles Recht zur Verweigerung der geforderten Zahlung. Auf dem Rückweg muss Kohlhaas jedoch feststellen, dass sich die Pferde in miserabler Kondition befinden und sein Knecht, zurückgelassen um die Pflege der Tiere zu übernehmen, vertrieben wurde. Geld verlor der Händler, da er die Pferde als Pfand lies, sie nicht in Dresden verkaufen konnte, noch mehr verliert er durch die Zurichtung der Tiere, die kaum noch zu verkaufen sind. Der Schaden ist angerichtet, zweifach. Schuld sei der Knecht und die Umstände, die verlangten, dass die Rosse bei der Feldarbeit aushelfen, so rechtfertigt sich der Verwalter und zeigt wenig Interesse für die Wut des Kohlhaas, der sein Recht gewahrt wissen will, aber nicht bestimmen kann, was zwischen seinem Knecht und den Leuten der Tronkenburg vorgefallen war. Um Aufklärung bemüht macht er sich auf den Heimweg, lässt dabei die klapprigen Rosse zurück.

Unrecht wurde Kohlhaas´ Knecht zuteil, es kommt zum Rechtsstreit, die Anwälte in Dresden werden bemüht und später auch die Kontakte in Brandenburg. Doch der Herr der Tronkenburg hat einflussreiche Familienangehörige in der Regierung, sie wissen ihn zu schützen und alle Klagen abzuschlagen. Kohlhaas´ Wut steigt, er will alles aufgeben und für sein Recht kämpfen, zum Schrecken seiner Frau, die um das Wohl der Familie besorgt ihren Mann überredet einen weiteren Versuch zu unternehmen, bei welchem sie daselbst die Klage vorbringen will, ohne Umwege direkt dem Verantwortlichen. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit Kohlhaas, denn seine Frau kehrt schwerkrank zurück, ohne etwas erreicht zu haben, und verstirbt kurz darauf. Damit sind die Leidensfähigkeit und Duldsamkeit des rechtschaffenen Mannes erschöpft, sein Zorn obsiegt, er verkauft seinen Besitz, bewaffnet seine Knechte und greift die Tronkenburg, den ursprünglichen Quell seiner Leiden, an. Der Burgherr entwischt ihm, Kohlhaas verfolgt ihn, setzt mehrere Städte in Brand. Sein Kampf erregt Aufsehen, viele Mittellose schließen sich ihm an, kämpfen an seiner Seite und vergrößern seine Meute, die Bürger in den Städten, auch wenn sie ihn fürchten müssen, sie hegen Sympathie für diesen Ritter der Gerechtigkeit, der die Mächtigen herausfordert und ihnen schwere Niederlagen beibringt. Er ist gewillt sein Recht um jeden Preis zu erwirken, die Manipulationen der Herrscher können ihn nicht aufhalten, auch nicht ihre Heere, der Pferdehändler wird zum Feldherrn, Idol und Sinnbild.

Die Geschichte vom Kampf um Genugtuung und Gerechtigkeit wurde von der edition Büchergilde neu aufgelegt und mit Zeichnungen von Johannes Grützke versehen. Einfach und stimmungsvoll ergänzen sie den Text, schaffen Atmosphäre mit wenigen Strichen, schwungvollen Gesten und Ausdrücken. Grützke gelingt es die Essenz des Romans einzufangen, sie in eine eigene Sprache umzusetzen und dem Original zur Seite zu stellen.

Neben dem Michael Kohlhaas finden sich noch zwei weitere Erzählungen im vorliegenden Band, beide gleichsam mit Zeichnungen versehen. Zum einen ist dies Die Marquise von O...., zum anderen Der Findling. Die Geschichte der Marquise befasst sich mit einer ungewollten Schwangerschaft infolge einer Vergewaltigung, dem Werben des Vergewaltigers um die Hand der Dame, die sich aufgrund ihrer Umstände mit der Familie überwirft und nicht wahrhaben will, was ihr ein scheinbarer Edelmann angetan hat. Begleitet wird das düstere Geschehen durch Zeichnungen von Anke Feuchtenberger, die sich entschied die Ereignisse in DDR Motiven darzustellen, somit eine unvollständige, aber interessante Modernisierung der Geschichte vornimmt. Der Findling ist ein Junge, der von einem reichen Geschäftsmann adoptiert wird, nachdem dessen Sohn stirbt. In einer dramatischen Wendung verursacht der junge Mann später den Tod seiner Adoptivmutter, woraufhin der Adoptivvater ihn zur Strecke bringt, ja ihn sogar bis in die Hölle verfolgen will, um vollständige Rache an ihm zu nehmen. Die Bilder dazu kommen von Martin Grobecker, der mit einem schwarzen Kalligrafie-Stift wilde Schraffuren um Kleists Figuren legte und somit das Unbezähmbare der Erzählung wiedergab.

Kleist ist einer der Exponenten der deutschen Literatur, jedoch von vielen missmutig betrachtet, da seine Satzkonstrukte den Leser oft vor eine Herausforderung stellen. Ausufernd sind sie, mit vielen Abzweigungen versehen und manchmal nicht so schön zu lesen, immer aber eine Bereicherung für den aufmerksamen Leser, der keine Mühe scheut.

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