Tempelhofer Feld. Ein Freiluftroman

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Fuchs & Fuchs, 2014, Seiten: 208, Originalsprache

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Sebastian Riemann
Unbeschwerte Tagträume

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Sep 2014

Zu Beginn des Jahres stimmten die Berliner mehrheitlich für die Erhaltung des Tempelhofer Feldes im Herzen Neuköllns. Sie sprachen sich somit gegen eine Bebauung und für den Erhalt der Freifläche aus. Das Areal wurde bis 2008 als Flughafen genutzt. Tempelhofer Feld: Ein Freiluftroman ist die erste literarische Bearbeitung des beliebten Freizeitortes.

Der Protagonist Sven ist eigentlich zu alt oder zu altmodisch für das Tempelhofer Feld. Aufgrund einer inneren Verwirrung verfällt er jedoch der jungen Luis, welche dort skatet und einen Großteil ihrer Freizeit verbringt. Um sie wiederzusehen, muss er wieder aufs Feld und dort erlebt er dann einiges, womit er nicht gerechnet hat. Er lernt bald Antonia die Gärtnerin kennen. Sie beteiligt sich an der Allmende, einem Projekt zur gemeinschaftlichen Nutzung von Gärten, welches einen durchaus politischen, aber auch einen sehr gemütlichen Charakter hat und deshalb zu den Highlights des Areals gehört. Dafür interessiert sich Sven jedoch weniger, steht doch die junge Skaterin im Zentrum seiner Aufmerksamkeit. Deshalb lässt er sich auch fast widerwillig von Antonia verführen. Er lernt komische Leute kennen und verbringt überraschend viel Zeit mit der Jugend. Manchmal gibt er etwas über die Geschichte des Feldes zum Besten und wirkt dabei wie ein Schüler, der ein Gedicht aufsagt. Doch seinen neuen Freunden und vor allem den Frauen scheint es zu gefallen, er ist ein gern gesehener Gast.
Der Roman ist reich an Dialogen, hat einige Betrachtungen, vor allem aber viele Tagträume vorzuweisen. Immer häufiger driftet Sven in seine eigene Vorstellungswelt ab. Dort vermischen sich geschichtliche Szenarien und die müde Gegenwart.

Das Thema ist schwierig. Das Tempelhofer Feld zeichnet sich durch seine Freiräume aus, die Größe und Weite geben ihm seinen einzigartigen Charakter. Es ist ein Stück Land in der Stadt, welches nicht zur Stadt gehört. Dem Puls der Metropole entzogen. Das ist schwer zu verarbeiten, deshalb muss sich der Autor des öfteren an Dinge klammern, die wenig mit dem aktuellen Feld zu tun haben. Der Rekurs auf die Geschichte ist notwendig, um dem Ort Bedeutung zu geben. So zumindest erscheint es. Dabei hat auch die gegenwärtige Entwicklung viel Bedeutung. Viele übersehen dies jedoch aufgrund der großen Freiflächen.

Es bleibt die Frage, warum Bock den Blick nicht über die kulturelle Vielfalt der Gäste hat schweifen lassen. Neukölln verändert sich schnell, immer mehr Nationalitäten treffen sich im Bezirk und geben ihm ein neues Gesicht. Das bemerkt man auch auf dem Tempelhofer Feld, im Roman ist davon jedoch wenig zu spüren. Lieber verliert sich der Protagonist in Erinnerungen an die deutsche Vergangenheit.

Der Freiluftroman will zum einen unkompliziert sein und somit das aktuelle Lebensgefühl wiedergeben, welches auf dem Feld vorherrscht, zum anderen will er es mit der bedeutungsschweren Vergangenheit aufladen. Leider wollen diese beiden Aspekte nicht recht zusammenfinden. Sie passen nicht zusammen.

Tempelhofer Feld. Ein Freiluftroman

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