Die letzte Kränkung

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Halle (Saale): Mitteldeutscher, 2014, Seiten: 128, Originalsprache

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Sebastian Riemann
Auf der Suche nach Erklärungen und Erinnerungen

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Sep 2014

Wo bin ich? Diese Fragen mag man sich stellen, wenn man am Vorabend mal wieder zu tief ins Glas geschaut hat. Viel zu tief. Wenn aber noch die Frage, wer bin ich, hinzukommt, dann war da mehr im Spiel als nur der abendliche, feucht-fröhliche Zeitvertreib. Vielleicht ist man in ein viel zu großes Glas gefallen oder in ein intergalaktisches Wurmloch. Oder man hatte ein verkorkstes Leben und war nur froh sich im Rausch kräftig den Kopf zu stoßen und alles zügig zu vergessen.

Christopher Ecker hat in seinem neuen Roman eine sehr unterhaltsame Situation geschaffen, die aus Verwirrungen, Ahnungen, Einbildungen, dubiosen Absichten, einem dunklen Geheimnis und vielen Litern Wein besteht. An der bretonischen Küste findet sich ein Mann wieder, der sich nicht sicher ist, was er dort macht. Er ist sich aber sicher, dass er etwas zu tun hat. Deshalb verfolgt ihn auch der Holländer, der sich gleichermaßen wie ein verwirrter Agent benimmt. Es riecht nach wichtigen Informationen, nach Aufträgen für Geheimdienste, vielleicht das Militär. Es ist die Zeit der deutschen Besatzung Frankreichs, die beiden werden wohl Gegenspieler sein. Jedoch geben sie nichts preis. Sie misstrauen einander und reden in Andeutungen. Schließlich will man der anderen Seite nicht helfen. Sie verlegen sich aufs Trinken und Grübeln.

Bald wird dem Leser und auch dem Protagonisten klar, dass es wirklich etwas zu tun gibt, nämlich ein Geheimnis zu hüten und zu beschützen – ob dies der ursprüngliche Grund für den Aufenthalt in jenem Fischerdorf ist, sei dahingestellt. Dieses Geheimnis, welches sich im Hotelzimmer des Protagonisten befindet, wird sodann zum Dreh- und Angelpunkt der Aufmerksamkeit und der Vermutungen. Der Holländer will es, ein mystischer Mann, der einem bretonischen Heiligen ähnelt, will es, die Nazis und der Pfarrer sicherlich auch. Der Protagonist will es vor ihnen allen beschützen.

Die letzte Kränkung lebt von der fehlenden Information, aber auch vom zentralen Geheimnis, welches so vieles sein kann, und dem verwirrten Protagonisten, der sich seiner Liebe für Speis und Trank sicher ist, ansonsten jedoch völlig aus der Welt gefallen erscheint. Es gibt Andeutungen, wer der Mann sein könnte. Nahezu eindeutige Hinweise. Aber bevor die Identitätsfrage geklärt werden kann, kommt es zur Zuspitzung des Interessenkonflikts um das Geheimnis und alles zerfällt. Es gibt psychologische und philosophische Überlegungen zum Geheimnis im Hotelzimmer. Sie verleihen dem Buch viel Tiefe und intellektuelle Spannung, welche herrlich die nebulöse Atmosphäre ergänzt. Der Leser wird zum Denken angeregt und des öfteren in die Irre geführt. Alles wird in Frage gestellt, nicht nur durch den Protagonisten.

 

„Auf der Bühne würde heute jedoch nicht gespielt werden. Die Schauspieler haben sich vor der Hitze in die Kantine geflüchtet und lamentieren über das Publikum, die schlechte Bezahlung und unverständliche Textzeilen, während der Verfasser des Stücks mit dem Regisseur hinter Taurollen, Kisten und Reusen in den Kulissen hockt und in Erwägung zieht, die Arbeit, denn sie ist sinnlos wie alles im Leben, an den Nagel zu hängen und sich gemeinsam hier und jetzt eine Kugel in den Kopf zu jagen. Ein Vogelschatten schoss über das Pflaster."

 

Besonders schön an diesem Buch ist die Unbestimmtheit, die den zentralen Gegenstand, das Geheimnis, umgibt. Darin kann man erkennen, was man will, und deshalb kann man auch den letzten Satz nicht mögen und das Buch trotzdem sehr schätzen. Die große Auflösung zum Schluss ist nämlich weder groß noch wichtig, leider auch nicht so elegant-witzig wie der Rest des Buches. Trotzdem eine wahre Bereicherung - intelligent, flott erzählt und mysteriös zugleich, Die letzte Kränkung ist beste Unterhaltung und philosophisches Theater zugleich

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