Der Distelfink

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Der Hörverlag, 2014, Seiten: 3, Übersetzt: Matthias Koeberlin, Bemerkung: ungekürtzte Lesung

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Rita Dell'Agnese
Ein faszinierendes Portrait – aber mit Längen

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2014

Verdient Der Distelfink von Donna Tartt den Pulitzer-Preis oder nicht? Leider ist es diese Frage, die bei vielen Leserinnen und Lesern im Raum steht, wenn sie das Buch zur Hand nehmen. Fast unmerklich hat sich die teilweise gehässig geführte Auseinandersetzung um die Preiswürdigkeit des Werks in den Vordergrund geschoben und verdrängt eine verdiente Auseinandersetzung mit dem Inhalt. Ins Zentrum ihres Romans stellt die Autorin Donna Tartt, die für ihre facettenreichen Figuren fast ebenso bekannt ist wie ihr Berufskollege John Irving, den jungen Theo Decker. Die Verhältnisse, unter denen Theo Decker aufwächst, sind zwar nicht ungewöhnlich, entsprechen aber auch nicht dem Bild, das man landläufig von „behüteter Kindheit" hat. Theos Vater hat seine Familie vor Jahren im Stich gelassen, die Mutter bemüht sich, nach Außen den Schein einer mittelständischen Existenz zu wahren, droht damit aber aufgrund akuter Geldprobleme zu scheitern. Theo, eben in die Pubertät gekommen, beginnt zu meutern. Sein Leben erlebt einen krassen Schnitt, als die Mutter beim gemeinsamen Besuch des Museums bei einem Bombenanschlag ums Leben kommt. Theo muss seine Stellung im Leben neu finden. Eine wichtige Stütze ist ihm hierbei der Restaurator Hobie. Dennoch schafft es Theo nicht sich aus dem Sog zu lösen, der ihn unweigerlich in die Knie zwingt. Eine tragende Rolle spielt dabei das kleine Gemälde Der Distelfink, das Theo in den Wirren nach dem Bombenattentat an sich genommen hat und seither wie einen Schatz hütet. Mehr und mehr verstrickt sich Theo in negative Machenschaften, schließt sich falschen Freunden an und verliert den Boden unter den Füssen. Psychische Probleme, Alkohol und Drogen machen das Leben des Heranwachsenden aus.

Donna Tartt kokettiert mit Charakteren, deren Lebenswege alles andere als gerade verlaufen. Das ist auch in diesem Werk nicht anders. Vor dem Leser breitet sich deshalb im Laufe des Romans ein ganzer Fächer von „schrägen" Gestalten aus, die jeder für sich eine Geschichte hergeben würden. Diese Vielfältigkeit der Figuren verleitet denn die Autorin auch dazu, oft etwas zu stark in die Tiefe zu gehen und sich in Beschreibungen zu verlieren, die letztlich der eigentlichen Geschichte nicht besonders gut tun, sondern als Hemmnis das Tempo drosseln. Dass dies den Lesefluss lähmt, lässt sich kaum vermeiden, zumal sich die Autorin auch darin gefällt, gewisse Ereignisse sehr intensiv und aus allen Blickwinkeln zu betrachten und die Wiederholung des Geschehnisses als Stilmittel einsetzt. So ist schon mal eines vorausgesetzt, wenn der Leser zum Distelfink greift: Er sollte Geduld mitbringen und die Bereitschaft, sich auf die Launen der Autorin und ihrer ausgeprägten Detailfreude einzulassen. Der auch von der Seitenzahl her üppig ausgefallene Roman hätte durch eine leichte Straffung nichts an Aussagekraft verloren. Doch ist hier der einzige Negativpunkt auszumachen.

Wer Donna Tartt aber von ihren früheren Romanen her kennt und sehr bewusst zu diesem Werk greift, dem wird sich eine grandiose Welt offenbaren. Wesentlich leichtfüßiger als bei ihren Vorgängerromanen erzählt Tartt ihre Geschichte, die sich bei näherem Hinsehen nicht nur als tiefgründige, sondern auch als feinfühlige Schilderung entpuppt, die sowohl schmunzeln lässt als auch betroffen macht. Theo ist schön gezeichnet, die Figur katapultiert sich vom ersten Moment auf die Sympathie-Ebene der Leser und bleibt konsequent da stehen, obwohl seine zahlreichen falschen Entscheidungen nicht selten dazu reizen, den Jungen an der Schulter zu packen und ihm zuzurufen, er solle sich besinnen und seinen Weg überdenken. Letztlich ist Theo zwar ein Schlitzohr und weiß sich auch gut in der ihm nicht immer freundlich gesinnten Welt zu behaupten. Aber die Figur kostet alle Schattierungen des Lebens aus. Etwas weniger facettenreich, aber Theo im Prinzip nur wenig nachstehend, ist Boris, der zu einem ständigen Begleiter wird und die Konzentration auf einen zweiten tragenden Charakter lenkt.

Donna Tartts Der Distelfink als Unterhaltungsroman lesen zu wollen, dürfte ein Unterfangen sein, das zum Scheitern verurteilt ist. Das Werk jedoch als eine Ansammlung von spannenden Charakteren und Situationen zu sehen, die in eine süffige Sprache verpackt durchaus Unterhaltungswert haben, wird dem Roman wesentlich besser gerecht. Es ist wohl diese Komponente, die die Kritiker und Juroren gesehen haben, als sie Donna Tartt für diesen Roman den Pulitzer-Preis und andere Auszeichnungen verliehen haben.

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