Ab morgen ein Leben lang

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Köln: Random House Audio, 2014, Seiten: 5, Übersetzt: Camilla Renschke und Jona Mues

Couch-Wertung:

75
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Kathrin Plett
Die Zukunft der Liebe

Buch-Rezension von Kathrin Plett Sep 2014

Wäre es nicht schön, die Gewissheit zu haben, dass die Liebe für immer hält? Der oder die Auserwählte die Person ist, mit der man das ganze Leben verbringen möchte ohne sich später als frustriertes Ehepaar über Käsesorten zu streiten? Ein Besuch beim Futuristen, bei dem man Einblicke in verschiedene Zukunftsoptionen je nach Partnerwahl bekommen kann, wäre da ideal. Potenzielle Kandidaten schon im Vorfeld auf Tauglichkeit überprüfen um sich Wochen, Monate oder sogar erst Jahre später die Ernüchterung zu ersparen. Genau diesen Weg geht Evelyn, als ihr Zweifel an einer gemeinsamen Zukunft mit Adrian kommen. Und auch Godfrey findet sich eines Tages in der Praxis von Dr. Chin ein.

Evelyn ist Bibliothekarin, besonders begeistern sie große Liebesgeschichten, denen sie gerne ein neues Ende in Form eines Happy Ends verpasst. Sie selbst hat in der Liebe leider weniger Glück, was ihr bei einer ihrer geliebten Sitzungen in Dr. Chins Vergegenwärtigungsapparatur deutlich wird, mit deren Hilfe Einblicke in die Zukunft gemacht werden können. Als ihr klar wird, dass Adrian nicht der Richtige sein kann, trennt sie sich kurzentschlossen um in den nächsten Sitzungen einen möglichen Kandidaten nach dem anderen durchzutesten. Godfrey hingegen ist fest davon überzeugt, die richtige Frau gefunden zu haben. Doch als er Madge einen Heiratsantrag macht, verlangt sie zuvor die gemeinsame Zukunft beim Futuristen zu überprüfen. Notgedrungen willigt Godfrey ein. Als er bei der Anmeldung in Dr. Chins Praxis auf Evelyn trifft, geht sie ihm nicht mehr aus dem Kopf. Als beide in einer ihrer nächsten Sitzungen den jeweils anderen mit verblüffendem Ergebnis als potenziellen Kandidaten vergegenwärtigen, lassen die Folgen nicht lange auf sich warten.

Gregory Sherl, geboren 1986, ist Dichter und Autor. Nach drei erfolgreichen Gedichtbänden, von denen einer sogar auf der Shorlist des Believer Poetry Awards stand, liefert Sherl mit Ab morgen ein Leben lang sein Romandebüt.

An das Übernatürliche glauben und seine Zukunft von den Ergebnissen eines Vergegenwärtigungsapparats abhängig machen, der sich in den Räumen eines ehemaligen China-Imbisses befindet und einem adoptierten Dr. Chin gehört ist eigentlich nicht Godfreys Ding. Schon gar nicht, wenn dieser Doktor aufgrund von Hühneraugen nur Hausschuhe trägt, als Rechtsanwalt und Wirtschaftsprüfer tätig ist und außerdem „ambulante Eingriffe, internationale Brautvermittlungen, Einschläferungen von Haustieren, notarielle Beglaubigungen und Heilkräutertherapien" vornimmt. Seriös klingt anders. Evelyn hingegen kann sich ein Leben ohne Dr. Chins Dienste kaum noch vorstellen. Sie steht kurz davor auf die schwarze Liste gesetzt zu werden, auf der alle Personen landen, die Gefahr laufen von Vergegenwärtigungen abhängig zu werden. Gregory Sherl liefert mit seinem Debütroman eine skurrile Liebesgeschichte, die nicht nur durch die ungewöhnliche Idee der Vergegenwärtigungsapparatur mit all ihren Folgen, sondern auch durch ihren lebendigen Stil überzeugt. Abwechselnd erzählt Sherl dabei aus den Perspektiven seiner beiden Protagonisten und lässt sie ihre Sicht der Dinge berichten, was besonders gegen Ende, als sich die Geschichten immer stärker miteinander verflechten, spannend wird. Dadurch, dass über jedem Kapitel der Name des aktuellen Erzählers steht, fällt es nicht schwer, der Handlung zu folgen und die Übersicht zu behalten, so dass die häufigen Wechsel ganz klar zu einer Bereicherung des Romans werden. Neben der ausgefallenen Grundhandlung gelingen Sherl auch innerhalb der Geschichte witzige Einfälle, wie etwa als Godfrey von seinem verhassten Job in der Abteilung für verlorene Mobiltelefone des Fundbüros berichtet:

 

„Ich inspiziere die angeschlossenen Mobiltelefone. [...] Jedes Handy wird erst einmal eingeschaltet, mit einem nummerierten Aufkleber versehen und – das ist das Entscheidende – auf Vibrationsalarm gestellt. Diese Abteilung ist immer chronisch unterbesetzt aber wer auch immer gerade verantwortlich ist, lernt bald, alle Handys auf Vibrationsalarm zu stellen, sonst hat man eimerweise Handys mit verschiedenen Klingeltönen, die gleichzeitig losschrillen. Das treibt einen schnell zum Wahnsinn. Es ist schon schlimm genug, wenn sie vibrieren und sich aneinander reiben. Zu bestimmten Zeiten nehmen die Anrufe schlagartig zu und das Kellerbüro summt wie ein lebendiges Wesen."

 

Auch wenn es der Story etwas an Tiefe fehlt, erfüllt sie doch alle Erwartungen an eine unterhaltsame und kurzweilige Liebesgeschichte.

Alles in allem ist Gregory Sherl mit Ab morgen ein Leben lang ein lesenswertes Debüt gelungen, welches durch seine originelle und witzige Art überzeugt und für unterhaltsame Stunden sorgt.

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