Es ist die Schwerkraft, die uns umbringt

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Wien: Edition Atelier, 2014, Seiten: 160, Originalsprache

Couch-Wertung:

80
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Kathrin Plett
Der Traum, von unendlichen Weiten

Buch-Rezension von Kathrin Plett Sep 2014

Raumfahrt, der Traum von Schwerelosigkeit und unendlichen Weiten, in denen noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist. Gleichzeitig aber auch gefährlich und durch viele Unsicherheiten und unbeantwortete Fragen eine Reise ins Ungewisse mit der Bereitschaft, das alte Leben komplett aufzugeben, denn eine Rückkehr ist nicht gewährleistet. Da der Mond längst erreicht wurde, lockt nun der nächste große Schritt: Das Erreichen des Mars!

Von klein auf steht für Kira fest: Sie will ins Weltall. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit im Labor testet sie für die Weltraumforschung Ausstattungen für die Schwerelosigkeit. Ihr ganzes Leben wird vom Rhythmus der Tests bestimmt, für Langzeitstudien fehlt sie teilweise monatelang bei ihrem eigentlichen Job, um beispielsweise im Bett liegend den Muskelabbau auf Langzeitmissionen, wie etwa zum Mars, zu simulieren. Doch Kiras Zweifel nehmen zu: Wer steckt hinter der ganzen Organisation, die so viel Macht über sie hat und von der sie so abhängig ist, da nur durch sie der Pflegeplatz ihres Vaters bezahlt werden kann? Als Kira dann auch noch auf eine Frau trifft, die ihr aufs Haar gleicht und welche sich als ihre Zwillingsschwester herausstellt, von deren Existenz sie nie wusste, wächst ihr Misstrauen immer weiter...

Ulrike Schmitzer, geboren 1967 in Salzburg, studierte zunächst Publizistik und Kunstgeschichte, bevor sie als Autorin und Redakteurin in Wien tätig wurde. Für ihre Arbeit erhielt sie bereits zahlreiche Preise.

Die Sterne und das Weltall faszinierten Kira schon immer. Aufgewachsen bei ihrem Vater weckte dieser früh ihr Interesse und machte ihr klar, dass auch sie es schaffen kann, eines Tages ins All zu reisen. Mit der Aufnahme ins Testprogramm für Schwerelosigkeit fühlt sie sich ihrem Traum nahe, doch ihre anfängliche Begeisterung schwindet mehr und mehr, gleichzeitig stellt sie fest, dass sich die Schlinge immer enger zieht und weiter in ihr Privatleben hineinreicht, als vermutet...

In ihrem neuesten Roman erzählt Ulrike Schnitzer eine Geschichte voller Geheimnisse und sich langsam eröffnenden Wahrheiten. Aus der Sicht ihrer Protagonistin schildert sie eine Welt von Verschwörungen, die sich nach und nach offenbaren. Nichts scheint mehr, wie es vorher war, alles wirkt wie von „langer Hand" geplant. Die Autorin lässt ihre Leser an den Gefühlen und Gedanken ihrer Ich-Erzählerin teilhaben, wodurch es ihr gelingt, die beklemmende Atmosphäre ihres Romans fühlbar zu machen. Kiras Einsamkeit, ihr Misstrauen gegenüber ihrer Umwelt und die große Unsicherheit, was in ihrer Umgebung noch „echt" und nicht fingiert ist, geben der Geschichte eine drückende Stimmung, halten gleichzeitig aber auch die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht, auf der sich das Schicksal der Protagonistin erst offenbart. Sprachlich elegant und stilistisch durchdacht erzählt Schmitzer ihre Geschichte, die durch eindeutige Sätze gut verständlich ist.

Durch Witz gelingt es ihr, die schwere Handlung aufzulockern:

 

„O.k., sage ich. Oder sollte ich o.k., Sir sagen? Oder o.k., Oberst, Major, Feldmarschall? O.k., Scotty, sage ich völlig unkontrolliert. Sie mögen sicher keine Scherze. Aber jetzt ist es zu spät."

 

Auch spannend sind die vielen Notizen über Fehler in der Raumfahrt, die die Autorin Kira immer wieder notieren lässt und sich verstreut im ganzen Roman befinden und die ganze Raumfahrt ironisch beleuchten:

 

„Notiz 6: Ich schreibe in mein Notizbuch: Swetlana Sawizkaja. Sie war die zweite Frau im All. Sie sollte 1986 die erste Kommandantin einer reinen Frauenmannschaft werden. Sie sollte ihr Team zur Raumsstation Saljut 7 bringen, der Vorgängerstation der MIR. Doch dann wurde sie schwanger, und der Flug musste abgeblasen werden."

 

Das Lexikon der Astronautenfehler im Anhang fügt sich hier nahtlos an.

Alles in allem ist Es ist die Schwerkraft, die uns umbringt ein lesenswerter und außergewöhnlicher Roman, der unvorhersehbar und bis zum Schluss spannend bleibt. Schmitzer ist ein tiefgründiger Roman gelungen, der einen auch nach Ende der Lektüre noch beschäftigt.

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