Wie ich mir das Glück vorstelle

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • München: Carl Hanser, 2014, Seiten: 176, Originalsprache

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Kathrin Plett
Eine andere Sicht auf den Krieg aus der Sicht eines besonderen Jungen

Buch-Rezension von Kathrin Plett Jul 2014

Kriegsberichte, normalerweise geprägt von Trauer, Verzweiflung und Not. Hoffnungslos und Trist. Hoffnung und Glück müssen meistens Resignation und Angst weichen. Anders bei Viktor: Durch den Krieg völlig allein schreibt er seine Sicht auf den Krieg auf und erzählt wie er sich, das Leben und die Menschen um ihn herum wahrnimmt. Viktor unterscheidet sich von den anderen Kindern. Er ist von Geburt an körperlich und geistig beeinträchtigt, was sich in seiner einzigartigen Sicht auf die Welt zeigt.

Eine große Suche nach dem Glück und ein erstaunliches Debüt: Viktor ist ein Junge, der von Geburt an anders ist. Er muss ein Korsett tragen und auch in seinem Kopf scheinen sich die Gedanken auf ungewöhnliche Weise zu formen. Als der Krieg ausbricht, wird er von seiner Familie getrennt und wächst in einer Gebetsgemeinschaft auf. Später kehrt er zurück in die Stadt der Brücken, wo er sich mit einem Einbeinigen, einer Rothaarigen und einem Hund zu einer eigentümlichen Bande zusammenschließt. Eines Tages aber sind Viktors Weggefährten verschwunden und er macht sich auf zu seiner letzten großen Reise. Ein düsteres Märchen über die Kraft der Poesie und ein Bericht aus einer anderen Welt.

Wie ich mir das Glück vorstelle ist der erste Roman von Martin Kordic, der 1983 in Celle geboren wurde und als Lektor in Köln arbeitet. Er studierte am Institut für Literarisches Schreiben der Universität Hildesheim und an der Universität Zagreb.

In Wie ich mir das Glück vorstelle erzählt ein Junge seine Geschichte. Tagebuchartig schreibt er auf, was ihm wichtig ist, ihm auffällt, nachdenklich macht und ihn beschäftigt. Dass Viktor nicht nur körperlich sondern auch geistig beeinträchtigt ist, fällt sofort auf, denn seine Sprache besteht aus kurzen Sätzen und Worten, die die naive Sichtweise eines Kindes widerspiegeln. Denn Viktor hatte keinen einfachen Start ins Leben, wie er gerne beschreibt: "Alle sind da. Die Oma, der Opa, der Bruder, die Kuh. [...] Alle denken, das ist der Kopf von dem neuen Kind! Nur die Oma sieht schon, dass das die Schulter von dem Jungen ist. Die Oma sagt: Bring mir die Messer aus dem Stall. Was die Oma jetzt gleich macht, macht noch nie einer im Dorf der Glücklichen.[...] In die linke Hand nimmt die Oma die Schinkengabel, in der rechten hält sie das Messer. Zuerst setzt sie die Schinkengabel an, schiebt sie unter meine Schulter. Sie setzt das Messer exakt zwischen die Zacken der Gabel, holt tief Luft, zieht blitzschnell die Schinkengabel unter meiner Schulter vor und drückt gleichzeitig das Messer mit aller Kraft tief Richtung Po. Das Kind schreit. Und spätestens jetzt sehen es auch alle. Das Kind ist ganz schief." Wie sich erkennen lässt, gelingt es Kordic treffend, die einfache Sprache des Jungen in seinem Roman zu verwenden und gibt der Geschichte auf diese Weise eine besonderer Authentizität. Viktor richtet sich in seinem Roman direkt an die Leser, was sich in seinen Erklärungen und Erläuterungen zeigt. Stellenweise tauchen Zeichnungen auf, beispielsweise als er dem Leser eine Anleitung zur Herstellung von Teigschnecken, seiner Spezialität, aufschreibt. Der Roman hat etwas Poetisches, da er mit wenigen Worten Gefühle und Stimmungen überträgt und in der Lage ist, trotz tiefster Not Hoffnung zu verbreiten. Störend wirken jedoch die vielen Zeitsprünge, die nur schwer auseinanderzuhalten sind. Kordic springt von der Gegenwart in die Vergangenheit, berichtet von der Zeit vor dem Krieg, während des Krieges und Viktors aktueller Reise, was nur nach und nach deutlich wird und das ein oder andere Mal zu Ratlosigkeit führen kann.

Alles in allem ein lesenswerter Roman, der durch seine einfache Sprache und naive Sichtweise überzeugen kann! Kordic ist mit Wie ich mir das Glück vorstelle ein eindrucksvolles Debüt gelungen, das gespannt auf weitere Werke warten lässt.

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