Die chinesische Sängerin

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • New York: Ballentine Books, 2013, Titel: 'Song of Willow Frost', Originalsprache
  • Berlin: Bloomsbury, 2014, Seiten: 368, Übersetzt: Ulrike Thiesmeyer

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Sebastian Riemann
Mutige Kinder und große Depression

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Jul 2014

Wirtschaftskrise, Rassismus und Kindesmisshandlung – in seinem zweiten Roman hat Jamie Ford viel Unterhaltung und schwierige Themen zu bieten, interessante Szenarien und vor allem viel Familiendrama. Im Mittelpunkt stehen William und seine Mutter, die Sängerin Willow Frost, welche den Jungen an ein Waisenhaus abgegeben hatte.

Die Geschichte spielt zur Zeit der großen Depression und der Autor vermag es den Leser mit vielen kleinen, interessanten Aspekten der damaligen Trostlosigkeit zu füttern. Die allgemeine Armut, das Zerbrechen von familiären Beziehungen im harten Überlebenskampf, das Umgehen des Alkoholverbotes und der unerfreuliche Alltag im Waisenheim geben der Erzählung viel Atmosphäre, heben das Leseerlebnis auf ein ansprechendes Niveau. Gleichsam tragen die Darstellungen der Künstler viel zur Unterhaltung bei. Die Sänger und Komödianten sind allesamt ungewöhnliche Charaktere, bunt und ansprechend, gerissen und erfolgreich. Sie geben Farbe in einer Erzählung, die sich eine triste Epoche der nordamerikanischen Geschichte als Hintergrund gewählt hat. Es war die Zeit, da Eltern sich von ihren Kinder trennten, da sie nicht für sie sorgen konnten und jeder Dollar hart verdient werden musste. Die Familie der Erzählung bildet dabei keine Ausnahme, au contraire, sie hat es besonders hart getroffen, denn zu den finanziellen Nöten kommen noch schwerwiegende zwischenmenschliche Probleme.

Ford ist kein großer Stilist, seine Sprache ist einfach, die Szenen wirken manchmal kitschig und der Aufbau des Buches ist wenig spannend. Anerkennen muss man aber seine gute Recherchearbeit, die ihm erlaubte ein detailliertes Bild der Umstände in Seattle in den 20ern und 30ern zu zeichnen.

Die Handlung kreist um die zerbrochene Familie der Sängerin Willow Frost. Ihr eigenes Aufwachsen war furchtbar und verfolgt sie derart, dass sie nicht in der Lage ist ihr eigenes Kind aufzuziehen, vielmehr vor allem fliehen muss, um ein neues Leben zu beginnen.

 

"Sie ließ ihn los, rückte behutsam seinen Kragen zurecht und berührte die Knöpfe an seinem Hemd, als hätte sie ihn selbst angekleidet und würde jetzt letzte Hand anlegen, um ihn hinaus in die Welt zu schicken. Sie legte ihm sanft die Hand an die Wange. "Die Person, die ich damals war, William, die ist tot. Die Person, die du gekannt hast, ist begraben unter Kummer und Scham."

 

Bei seinen Figuren zeigt Ford eine Vorliebe für Kinder, auch in seinem zweiten Buch sind sie im Zentrum der Erzählung. William, der Junge aus dem Waisenhaus, nimmt den Leser mit auf die Suche nach seiner Mutter. Sobald diese gefunden ist, wird ihre Kindheitsgeschichte lang und ausführlich erzählt. In beiden Fällen gibt es eine raue Umgebung, gegen die sich die Kinder durchsetzen müssen. William lebt im Waisenhaus Sacred Hearts, die Methoden der Erziehung sind martialisch, die Schwestern herrschen über die schutzlosen Jungen und Mädchen mit eiserner Hand. Den Weg zu seiner Mutter muss er sich mit viel Geschick erkämpfen. Begleitet wird er von einem blinden Mädchen, welches ihn ermutigte zu fliehen und sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Die beiden Kinder sind schutzlos in der rauen Welt außerhalb des Waisenhauses, kommen jedoch an das erhoffte Ziel. Sie treffen Williams Mutter, Willow. Sie ist eine erfolgreiche Sängerin, hat ein neues Leben begonnen, nachdem ihre Kindheit und Jugend gleichermaßen unerfreulich verliefen. Sie litt unter dem Stiefvater. Nachdem ihre Mutter den Tod fand, sah sich beständig sexuellen Belästigungen und rassistischen Vorurteilen ausgesetzt. Ihr Dasein war eine Qual und sie träumte vom Erfolg als Sängerin, um den bedrückenden Umständen zu entfliehen.

Eine derartig konsequente Darstellung von Kindern als Opfer ihrer böswilligen Vormünder – Waisenhausschwestern und Stiefvater – ist übertrieben sentimental. Mitleid und Sympathie für die Kleinen bestimmen den Leser, der die Geschichten dieser bedauernswerten Geschöpfe aufnimmt und klar definierte Charaktere vorfindet, die keinerlei Überraschung bieten, sondern beständig die gleiche Reaktion hervorrufen. Die Rollen von Gut und Böse wurden eindeutig verteilt und beständig suchen die Kinder das Mitgefühl des Lesers, der dabei jedoch ermüdet.

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