Die Mitternachtsrose

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • London: Pan Books, 2013, Titel: 'The Midnight Rose', Originalsprache
  • München: Der Hörverlag, 2014, Seiten: 8, Übersetzt: Simone Kabst

Couch-Wertung:

70
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Rita Dell'Agnese
Die Suche nach dem verlorenen Sohn

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jul 2014

Anahita wächst Anfang des 20. Jahrhunderts am Hof des Maharadschas von Jaipur auf. Nach dem Tod ihres Ehemannes hat Anahitas Mutter bei ihrer Cousine, der Maharani, dort Aufnahme gefunden. Anahita wird Gesellschafterin der Prinzessin Jameera, leidet jedoch unter deren Gehässigkeit. Bei einem Fest begegnet Anahita der jüngsten Tochter des Maharadschas von Koch Bihar, Indira. Die beiden Mädchen freunden sich an und Indira versteht es, durchzusetzen, dass Anahita ihre ständige Begleiterin wird. Das ändert sich auch nicht, als die Familie einige Jahre später nach London reist. Wie ihre Freundin soll auch Anahita ein Englisches Internat besuchen. Waren die Mädchen bisher unzertrennlich, findet Indira als Prinzessin im Internat neue Freundinnen und zieht sich von Anahita zurück. Kurz bevor die Internatszeit zu Ende geht, bricht Krieg aus und die Mädchen werden auf ein Landgut gebracht. Dort erlebt Anahita die Ablehnung der englischen Uperclass. Da sie keine Prinzessin ist, wird sie wie eine Dienstbotin behandelt und beiseite geschoben. Für Anahita beginnt eine schwere Zeit. Daran mag ihre Liebe zum Erben des Landguts nichts ändern. Einer Liebe, der ein Kind entspringt, das jedoch mit drei Jahren stirbt. Anahita kehrt nach Indien zurück und findet dort einen Ehemann, mit dem sie nochmals Kinder hat. Doch der Gedanke an ihren Sohn lässt sie nie los. Sie bittet deshalb ihren Lieblings-Urenkel darum, ihren Sohn aufzuspüren, da sie fest daran glaubt, dass er noch lebt. Ari Malik macht sich allerdings erst nach dem Tod der Großmutter auf die Suche, die ihn auf das Landgut Astbury Hall führt. Dort begegnet er der jungen Schauspielerin Rebecca Bradley, die auf dem Landgut einen historischen Film drehen soll. Rebecca ist auf der Suche nach sich selber, da sie in ihrer Heimat New York nicht mehr zur Ruhe gekommen ist, nachdem ihr Freund die Medien über eine angebliche Verlobung informiert hatte. Astbury Hall wird für sie zu einem Ort, der ihr nicht nur Geborgenheit vermittelt, sondern sie auch dazu bringt, ihren Wurzeln nachzuspüren. Denn im Landgut hängt ein Bild der früh verstorbenen Violet, Großmutter des derzeitigen Lord Astbury. Rebecca scheint ihr wie aus dem Gesicht geschnitten.

Wie von Lucinda Riley gewohnt, arbeitet die Autorin mit zwei Erzählsträngen, die in verschiedenen Zeiten spielen. Unterschiedlicher könnte die Qualität der Erzählebenen kaum sein. Der Gegenwartsteil mit Rebecca Bradley als Hauptfigur fällt gegenüber der Schilderung von Anahitas Leben massiv ab. Zum einen liegt das wohl an der Fähigkeit der Autorin, die Üppigkeit des Hofes der Maharadschas vor dem geistigen Auge der Leserinnen und Leser auferstehen zu lassen. So gerät das Publikum schnell in eine opulente Welt, in der Anahita als ein farbenprächtiger Schmetterling scheint. Riley schildert das Schicksal der Inderin zudem auf eine lebendige Art, die nahezu frei von Klischees ist und viel Raum für Nähe bietet. Ob es nun die zerbrechende Freundschaft der beiden Mädchen ist oder die gesellschaftlichen Konventionen, an denen Anahita scheitert – die Erlebnisse der Inderin sind nachvollziehbar und auf eine sehr dichte Art erzählt. Es ist eine derart intensive Geschichte, dass der Gegenwarts-Part ohnehin einen schweren Stand hat. Dass Lucinda Riley bei diesem auf eine Ansammlung von Klischees baut, macht die Sache nicht besser.

Während Anahita eine vielschichtige Persönlichkeit ist, die zwar mit Fähigkeiten ausgestattet ist, die zumindest ein leichtes Stirnrunzeln auslösen, bleibt Rebecca Bradley eine konturenlose Person, die mit sich selber nicht so recht ins Reine kommen kann. Auch Ari vermag nicht zu überzeugen. Anahitas Urenkel ist langweilig und wirkt eher desinteressiert am Schicksal seiner Ahnin. Obwohl der Plot durchaus das Zeug hätte, auf beiden Ebenen interessante Charaktere zu präsentieren, bleibt die Gegenwart völlig spannungslos und die Geschichte wird langatmig. Da der Zufall hier eine große Rolle spielt, wirkt die Sache letztlich auch übermäßig konstruiert und vermag nicht zu überzeugen.
Stellt man die beiden Erzählstränge einander gegenüber, stellt sich die Frage, ob es nicht ohne Verlust möglich gewesen wäre, sich auf den Teil von Anahitas Leben Anfang des 20. Jahrhunderts zu konzentrieren und die Figur von Rebecca Bradley weg zu lassen. Auch da hätten sich noch einige Geheimnisse umsetzen lassen, so dass den Lesern ein in allen Bereichen überzeugender Roman hätte präsentiert werden können.

Lucinda Riley bedient ein Genre, das gerade stark im Trend liegt. Sie hat eine treue Fangemeinde, die sich von ihren Romanen bezaubern lässt und wohl auch Die Mitternachtsrose wohlwollend aufnimmt. Zumindest mit dem Erzählstrang der Vergangenheit vermag die Autorin auch absolut zu überzeugen, etwas, das sie mit dem Gegenwarts-Part nicht ganz schafft. Wer jedoch solche Romane mag, wird auf jeden Fall gut unterhalten.

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