London NW

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • London: Hamish Hamilton, 2012, Titel: 'NW', Originalsprache
  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2014, Seiten: 432, Übersetzt: Tanja Handels

Couch-Wertung:

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Almut Oetjen
Nordwestliches Netzwerk

Buch-Rezension von Almut Oetjen Jul 2014

Der Originaltitel des neuen Romans von Zadie Smith ist "NW" und bezeichnet den Nordwest-Stadtteil Londons. Im deutschen Titel wurde präzisiert in London NW. Smith erzählt aus dem Leben von vier Menschen, die sich seit Kindertagen kennen, bestimmte Vorstellungen von ihrer Zukunft hatten und im Verlauf ihrer Entwicklung davon abwichen.

Die erste Hauptfigur (Teil I: Heimsuchung) ist Leah Hanwell, eine Mittdreißigerin mit irischen Wurzeln. Sie hat Philosophie studiert und macht Sozialarbeit für die Kommune. Ihre Kolleginnen, alle afrikanisch-karibischer Herkunft, ärgern sie gerne und haben eine versteckte Abneigung gegen sie, weil sie mit einem von ihnen, dem Franzosen Michel, verheiratet ist. Michel ist Friseur und versucht etwas mehr Geld zu verdienen über Online Investmentgeschäfte. Michel und Leah führen eine weitgehend glückliche Ehe, nur will er Kinder, sie nicht, was er jedoch nicht weiß. Dafür zahlt sie einen hohen Preis.

Starke Einstiegsszene

Der Roman macht uns mit Leah bekannt, als sie von einer Frau, die sich Shar nennt, an ihrer Haustür mit der Bitte um Geld überrascht wird. Shar müsse dringend mit dem Taxi ins Krankenhaus zu ihrer Mutter fahren. Leah empfindet sofort Sympathie für Shar und gibt ihr dreißig Pfund. Später weiß sie, dass Shar drogenabhängig ist und fühlt sich ausgenutzt, wobei sie den Reinfall als persönliche Schwäche interpretiert und sich so stark schämt, dass es auf ihren Alltag wirkt. Sie sieht Shar in den folgenden Tagen häufiger.

"Einfach stillhalten und sich ein neues Handy kaufen – so sind die Leute hier heutzutage." (S.147f.)

Im zweiten Teil (Gast) lernen wir Felix Cooper kennen, der einen ereignisreichen und unschönen Tag vor sich hat. Verglichen mit Felix führt Leah ein angenehmes und beschauliches, wenngleich frustrierendes Mittelklasseleben. Felix besucht im Laufe des Tages seinen Vater, führt ein langes Gespräch mit dessen Nachbarn, will sich von seiner älteren Geliebten trennen und künftig ein monogames Leben führen. Am Ende der Geschichte deutet sich eine erzählerische Verbindung der beiden ersten Protagonisten an.

Smith wechselt jedoch abrupt zu Keisha Blake, Leahs Freundin aus Kindertagen. Keisha, die sich als Studentin den Namen Natalie gegeben hat, ist erfolgreiche Juristin, mit dem Börsenmakler Frank verheiratet - Haus, zwei Kinder, unglücklich. Leah hasst Natalie. In Teil III (Gastgeberin) wird nicht linear erzählt, sondern in 185 Kürzestepisoden auf 159 Seiten, was sich ein wenig liest wie die Niederschrift eines Lichtbildvortrags über das Leben von Keisha und Leah, beginnend mit Keisha, die als Vierjährige Leah vor dem Ertrinken rettet.

Wechselnde Erzählstile

Zadie Smith legt in London NW ein Netz über das Areal, mit dem sie nicht nur die Topographie erfasst, sondern auch ihre Protagonisten verbindet. Dieses Netz verortet sie mit kulturellen, ökonomischen und politischen Verweisen eindeutig in Raum und Zeit.

Die Handlung wird erzählt in fünf stilistisch und qualitativ unterschiedlichen Teilen. Die Komposition sieht auf den ersten Blick interessant aus, erinnert an andere Autoren, dürfte gelegentlich auch als postmodern bezeichnet werden. Beim Lesen fragt man sich, warum Smith die unterschiedlichen Stile wählt, die oft weder mit der Figur noch dem Rhythmus zu tun haben, warum an bestimmten Stellen gehäuft typographische Spielereien untergebracht sind, dann viele Seiten lang nicht. Es hat gelegentlich etwas Ausgestelltes.
Der offene Mund einer Frau wird mit Worten grafisch nachgebildet: in der Mitte steht "Zunge", drum herum sind oval angeordnet Begriffe wie "Zahn" "Goldzahn" und "Füllung". Die Zeit, die beim Hineinschieben eines Faltblatts in einen Briefkasten vergeht, wird durch Zwischenräume in der Beschreibung des Vorgangs beim Lesen spürbar. Der Name einer Kanzlei, an deren Schild Buchstaben abgeblättert sind, wird mit Leerstellen für die fehlenden Buchstaben wiedergegeben.

Am Ende wird die Natalie-Erzählung verknüpft mit der Leahs. Man mag auf den Roman verschiedene Sichten entwickeln. Es ist möglich, eine Erzählung als Haupttext zu wählen, wofür sich Natalies am besten zu eignen scheint, und die anderen als Umgebungstexte mit kommentierendem oder in Momenten abweichendem Charakter. Oder alles ist eine Serie nebeneinander stehender Abweichungstexte, die über Ereignisse und Personen verbunden sind.

Zadie Smith hat mit London NW einen Roman geschrieben, der Menschen in ihrem Lebensumfeld zeigt und gleichermaßen von diesen Menschen und der Stadt handelt. Für jede Geschichte und Figur hat sie einen eigenen erzählerischen Rhythmus gewählt. Die individuellen Standortbestimmungen fügen sich zu einem Gesellschaftsbild, das auf andere Metropolen übertragbar ist.

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