Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Leben keinen Plan hat

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • London: Hodder & Stoughton, 2013, Titel: 'The Universe versus Alex Woods', Originalsprache
  • Köln: Random House Audio, 2014, Seiten: 6, Übersetzt: Florian Lukas

Couch-Wertung:

90
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Kathrin Plett
Wie das Leben spielt und wie man trotzdem am Ende das letzte Wort behält

Buch-Rezension von Kathrin Plett Jun 2014

Von einem Metallbrocken getroffen zu werden - ist alles andere als ungefährlich. Erst recht, wenn der Metallbrocken mit einer Geschwindigkeit von dreihundertzwanzig Kilometer pro Stunde und einem Gewicht von etwa 2,3 Kilogramm direkt aus dem Weltall auf die Erde geschossen kommt. Einen solchen Meteoriteneinschlag zu überleben grenzt schon an ein Mysterium. Alex Woods ist ein solches Phänomen: Im Alter von zehn Jahren trifft ihn ein Eisen-Nickel-Meteorit am Kopf und wie durch ein Wunder überlebt er. Alles was noch an den Unfall erinnert ist eine kahle Stelle am Kopf und eine leichte Beschädigung der rechten Temporallappen des Hirns, die eine Epilepsie verursachen. Auch wenn Alex selbst das Beste aus der Situation macht, bei seinen Mitschülern kommt er durch seine Andersartigkeit alles andere als gut an. Andererseits: Hätte er ohne seine nervigen und piesackenden Mitschüler je Mr. Peterson kennengelernt?

Alex Woods ist zehn Jahre alt, als ihn ein Meteorit am Kopf trifft und sein Leben grundlegend ändert. Ein Meteorit trifft ihn am Kopf und macht ihn zum Epileptiker. Als ob er es mit seiner hellseherischen und alleinerziehenden Mutter vorher nicht schon schwer genug gehabt hätte unter seinen Mitschülern zu bestehen! Er ist das gefundene Opfer. Als er durch einen dummen Zwischenfall mit seinen Mitschülern auf Mr. Peterson stößt, einen schlecht gelaunten alten Mann, ahnt er noch nicht, dass aus dieser kurzen und ungünstigen Begegnung eine tiefe Freundschaft entstehen wird, in der er viel lernen kann. Sieben Jahre später wird Alex mit 113 Gramm Marihuana und der Asche von Mr. Peterson auf der Rückreise von der Schweiz nach England erwischt. Er ist überzeugt, dass richtige getan zu haben. Eins ist sicher: Auf die schiefe Bahn geraten ist er auf jeden Fall nicht!

Gavin Extence, geboren 1982, wuchs in der englischen Grafschaft Lincolnshire in einem kleinen Dorf mit dem interessanten Namen Swineshead auf. In seiner Kindheit machte er eine kurze, aber glanzvolle Karriere als Schachspieler; er gewann zahlreiche nationale Turniere und reiste nach Moskau und St. Petersburg, um sich dort mit den besten jungen Denkern Russlands zu messen. Er gewann nur ein Spiel. Das unerhörte Leben des Alex Woods ist sein erster Roman.

Alex Woods hat es wirklich nicht leicht. Einerseits ist da seine exzentrische Mutter, die als eine Art Wahrsagerin den gemeinsamen Lebensunterhalt bestreitet, andererseits muss er durch den Meteoriteneinschlag mit Epilepsie leben. Als ihn seine Mitschüler wieder einmal verfolgen, rettet er sich in einen fremden Garten in einem Glashaus. Als seine Verfolger das Glashaus zerstören und nur Alex gefasst wird, muss er sich für den Schaden verantworten und wird von seiner Mutter dazu verdonnert, bei dem alten und immer fluchenden Mr. Peterson Buße zu tun. Mit der Zeit wird aus der Pflicht eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Menschen. Als Mr. Peterson unheilbar erkrankt ist es Alex, der ihm die letzten Monate erträglich macht und ihm einen Tod nach seinen Wünschen, jedoch gegen das Gesetz ermöglicht. Gavin Extence ist mit seinem ersten Roman ein berührender Roman um ein ernstes Thema gelungen, das Thema Sterbehilfe und das Recht auf Selbstbestimmung bei der Frage des Todes. Anders als sich angesichts der heiklen und strittigen Problematik vermuten lässt, gelingt ihm dies ohne auf die Tränendrüse zu drücken oder zum Moralapostel zu werden. Vielmehr stellt er das Leben als unendlich wertvoll in den Mittelpunkt, zu dem unausweichlich auch der Tod gehört, den er aus einer interessanten Sichtweise betrachtet. Aus der Perspektive seines Protagonisten Alex erklärt er den Tod folgendermaßen:

 

" Sieh es mal so: Als ich im Koma lag, gab es nichts Schlimmes. Es gab überhaupt nichts. Ich habe nicht geträumt. Es war nicht dunkel. Die Zeit existierte nicht. Soweit es mich betrifft, existieren diese beiden Wochen nicht. Sie sind nie passiert. Und ich glaube, mit dem Tod ist es genauso. Der Tod ist nichts. Er ist nicht einmal eine Leere – jedenfalls nicht für den Menschen, den es betrifft."

 

Gerade diese unkonventionelle Sichtweise Alex Woods ist es, die dem Roman das Besondere gibt. Teils beinahe philosophisch, dann wieder kindlich naiv nimmt er den Leser mit in seine Welt, liebenswert und unterhaltsam. Durch die gewählte Erzählform des Ich-Erzählers werden die Gedanken und Gefühle von Alex dabei besonders deutlich. Auch stilistisch kann Gavin Extence überzeugen. Immer mal wieder finden sich in seinem Werk Auflockerungen wie etwa in Form eines Briefes von Alex oder Auflistungen seiner Gedanken, wie beispielsweise über die "Formen des Andersseins":

 

1. Arm sein. Das ist das schlimmste Verbrechen, dass man begehen kann, aber auch das ist nicht so einfach, wie es klingt [...]
2. Körperlich anders zu sein. Zu klein, zu schlaksig, zu pickelig, schiefe Zähne, [...]
3. Geistig anders zu sein. Zu klug, zu dumm, zu streberhaft, einfach seltsam [...]

 

Alles in allem ist Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat ein sehr lesenswerter Roman. Durch seinen liebenswerten Protagonisten gelingt es Gavin Extence über ein schweres Thema in einer Leichtigkeit zu schreiben, die ungewöhnlich ist, ohne die Grenze zur Respektlosigkeit zu überschreiten. Ein überzeugender Debütroman!

Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Leben keinen Plan hat

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