Die schöne Menschenliebe

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Leméac: Actes Sued, 2011, Titel: 'La belle amour humaine', Originalsprache
  • München: Liebeskind, 2014, Seiten: 192, Übersetzt: Barbara Heber-Schärer und Claudia Steinitz

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Sebastian Riemann
Locker und leicht ins Nirgendwo geredet

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Mai 2014

Im beschaulichen Örtchen Anse-à-Fôleur, im Norden Haitis, leben die Menschen vom Meer. Sie haben wenig Sorgen, kümmern sich nur um ihr Wohlergehen und lassen sich nicht von unnötiger Hektik treiben. Ein Leben so einfach und naturverbunden, die Einwohner scheinen dem Paradiese nah zu sein. Aber inmitten der trauten Ruhe treten zwei Männer in jenes Dorf und wollen nicht hineinpassen. Der Oberst und der Geschäftsmann sind erfolgreiche und skrupellose Männer, die auf ihrem Weg zum Erfolg viele Hindernisse überwunden haben und dabei nicht um Grobheit verlegen waren. Sie wissen was sie wollen und setzen ihre Mittel ein, um es zu bekommen. Der eine wendet Gewalt an, der andere List, beiden ist dabei gemein, dass sie sich herzlich wenig um ihre Mitmenschen kümmern. Mit den anderen Bewohnern des Dorfes verbindet sie nichts, sie sind Fremdkörper und bleiben es bis zu ihrem Tod, der sie in ihren Häusern überrascht. Des Nachts brennen sie nieder, die Häuser und ihre beiden unliebsamen Bewohner. Es riecht nach Selbstjustiz, ausgeführt von der Dorfbevölkerung, die doch so friedlich wirkt.

Viele Jahre nach dem Vorfall macht sich eine junge Frau auf den Weg in den Ort am Meer. Sie ist mit dem Geschäftsmann verwandt, sucht aber nicht nach der Ursache für seinen Tod, wie sie beteuert. Vielmehr möchte sie etwas über ihren Vater erfahren, den sie kaum kannte. Die Reise ist also eine Identitätssuche mit vagem Ziel. Die junge Frau lebt eigentlich in einer großen, modernen Stadt im Ausland und weiß nichts vom Leben im ländlichen Haiti.

Auf der Fahrt vom Flughafen zur Küste unterhält sie sich mit dem Taxifahrer. Er wurde gesandt, um sie sicher ins Dorf zu bringen und sie während der Fahrt bereits auf ihren Aufenthalt vorzubereiten. Der Taxifahrer fährt oft die Strecke zwischen der Hauptstadt und seinem Heimatdorf, welches er über alles liebt. Er erzählt der jungen Frau von diesem ruhigen Platz am Meer und von den Menschen, die dort leben. Die einfache Genügsamkeit zeichnet das Leben in Anse-à-Fôleur aus, es gibt nichts Unnützes und Modernes, welches das Dasein der Großstadtmenschen auszeichnet. Die Leute sind zufrieden.

Wie kam es aber zu dem Brand? Die junge Frau stellt die Frage nicht, aber der Taxifahrer antwortet trotzdem. Er versichert ihr, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. Alles ist friedlich im Dorf, Brandstiftung kann man ausschließen. Falls es doch Brandstiftung war und jemand die beiden Männer gezielt aus der Landschaft des Dorfes entfernen wollte, dann bleibt die Frage, so zumindest der Taxifahrer, welchen Gewinn die Leute daraus ziehen könnten, wenn sie wüssten, wer verantwortlich ist. Die Dinge sind wie sie sind und dabei sollte man es belassen. Der Taxifahrer redet viel und meistens zu viel.

 

"Ich habe nicht alles gehört, was du gesagt hast. Gott, kannst du reden! Ich war müde vom Flug und bin eingenickt. Im Halbschlaf habe ich oft nur den Klang der Worte gehört. Manchmal das Brausen das Städte."

 

Über die Mentalität der Dorfbewohner redet der Taxifahrer, über ihre Lebensphilosophie, aber auch über alles andere, was entfernt mit der Frage nach dem richtigen Leben zu tun hat. Er bezaubert durch seine Leichtigkeit, durch seine Kritik am westlichen Lebensstil, aber er strapaziert die Nerven des Lesers sehr und wie die junge Frau auf dem Rücksitz ist man geneigt nicht jedem Wort volle Aufmerksamkeit zu schenken. Auf den wenigen Seiten, die dieses Buch besitzt, vermag der Taxifahrer immer geschwätziger zu werden und die sympathische Botschaft vom unkomplizierten Leben in eine Ansammlung halbfertiger Gedanken und öder Klischees zu verwandeln. Ziellos irren seine Worte umher und stürzen sich beliebig auf Dinge, die seine Aufmerksamkeit erregen. Meistens zieht er über die ausländischen Touristen her, macht sich lustig über ihre Absichten und Vorstellungen. Mit der jungen Dame auf dem Rücksitz ist es jedoch anders, sie ist anders, das spürt er mittels seiner verblüffend einfachen und beachtlichen Einstellung zum Leben und den Mitmenschen.

Unterschiedliche Lebensstile, Tourismus in Ländern der sogenannten dritten Welt, die Frage nach dem richtigen Leben – die Themen im Buch sind vielfältig und interessant, werden jedoch jeglicher Bedeutung beraubt durch den Taxifahrer, der vom Leser kein Trinkgeld erwarten sollte. Ohne schlechtes Gewissen kann man ihn weiterfahren lassen und ihm wünschen, er möge noch viele Fahrgäste haben, die so einfach gestrickt sind, wie die junge Dame, die mit ihm ins Dorf fährt, um etwas über ihren Vater zu erfahren. Denn sie ist wirklich sehr zufrieden mit ihm und seinen Ausführungen.

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