Der Club der Traumtänzer

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Köln: DuMont, 2014, Seiten: 448, Originalsprache

Couch-Wertung:

75
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Kathrin Plett
Kann Karriere alles sein?

Buch-Rezension von Kathrin Plett Mai 2014

Tanzen, ob klassisch oder modern, romantisch oder eher Ballett: Tanzen lässt kaum jemanden unberührt, reißt mit und begeistert. Tanzen ist vielfältig, für jeden Geschmack, jede Musikrichtung findet sich ein passender Stil. Vom Anfänger bis zum Profi, im Tanz kann sich jeder ausprobieren, üben und besser werden, unabhängig von Alter und Talent. Das Tanzen auch therapeutisch wirken kann, liegt da auf der Hand: Menschen, die im Leben nicht ganz klar kommen, schüchtern sind oder sich nichts zutrauen können Erfolg erleben, Fortschritte spüren und sich ganz neu wahrnehmen. Als Karrieremann und Tanzexperte Gabor Schöning nach einem Unfall mit Fahrerflucht von seinem Unfallopfer die Aufgabe bekommt Schülern einer Förderschule das Tanzen beizubringen, ahnt er noch nicht, wie sehr das Tanzen nicht nur die Kinder, sondern auch ihn verändern wird...

Gabor Schöning hat alles, was er sich von seinem Leben erhofft hat: Er hat einen guten Job, macht Karriere und sieht zudem noch gut aus, sodass ihm die Frauen zu Füßen liegen und er kein Problem hat, eine Bekanntschaft zu finden, egal ob eine Nacht oder auch mal etwas länger. Als er durch einen Autounfall mit Fahrerflucht von der Schuldirektorin für Förderschüler Kathrin Bendig zum Tanzlehrer für ihre Schüler verdonnert wird, droht seine perfekte Welt auseinanderzubrechen. Gabor, der es bisher nicht gewohnt war, dass etwas nicht so klappt, wie er es sich vorstellt, taucht in eine völlig andere Welt ein, in die Welt von fünf Kindern, die alle einen IQ unter 85 haben und in deren Leben auch sonst so einiges schief läuft, die in Problemfamilien leben, sterbenskrank sind oder Erwartungen erfüllen sollen, die sie nicht erfüllen können. Schon nach kurzer Zeit merkt er, dass er nicht der abgebrühte Geschäftsmann ist, für den er sich immer gehalten hat. Sein Versuch, Karriere und Tanzunterricht unter einen Hut zu bringen wird immer mehr zum Balanceakt...

Andreas Izquierdo, geboren 1968, ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Der Sohn eines deutschen Ingenieurs und einer spanischen Krankenschwester veröffentlichte u. a. den Roman König von Albanien, der mit dem Sir- Walter-Scott-Preis für den besten historischen Roman des Jahres ausgezeichnet wurde, sowie den Roman Apocalypsia, der den Lovelybooks-Leserpreis in Silber für das beste Buch 2010 erhielt und zum Buch des Jahres bei Vorab-lesen.de gewählt wurde.

Andreas Izquierdo erzählt in seinem neuesten Roman die Geschichte von Gabor Schöning, der vom karrieregeilen Geschäftsmann zum engagierten Tanzlehrer für fünf Förderschüler wird. Interessiert ihn am Anfang nur sein eigener Erfolg und spielt für ihn nur sein eigenes Wohlergehen eine Rolle, berühren ihn die Geschichten seiner Schüler schon nach kurzer Zeit so sehr, dass er bei den Versuchen ihnen ein besseres Leben zu schaffen fast über das Ziel hinausschießt. Nur schwer kann er akzeptieren, dass es auch für ihn Grenzen gibt, die nicht durch Geld oder Einfluss zu verändern sind. Izquierdo hat mit Der Club der Traumtänzer einen klassischen "Entwicklungsroman" geschrieben, in dem er den Prozess seines Protagonisten vom erfolgsverwöhnten und eingebildeten Egoisten zum besorgen und an seinen Schülern interessierten Lehrer beschreibt, der das Wohl der Kinder über sein eigenes stellt. Durch das Aufeinanderprallen zweiter Welten bleibt es nicht aus, dass es zu zahlreichen Missverständnissen kommt, die der Autor mit Witz und Ironie füllt und die immer wieder zur Unterhaltung beitragen, wie etwa als Kathrin Bendig Gabor das erste Mal seinen Schülern vorstellt und Gabor sich durch seine Bemühungen sich sprachlich verständlich auszudrücken lächerlich macht:

 

Gabor sah in die neugierigen Gesichter der Fünf und hob an: "Ha-ll-o, Kin-der. Ich ... bin ... jetzt ... euer ... Leh-rer. Versteht ... ihr ... mich?" "Was Ist denn mit, Frau Bendig?" fragte das Wiesel. Kathrin blitzte Gabor wütend an und zischte: "Ich weiß nicht. Vielleicht hat er den Verstand verloren?" "Dann passt er ja gut hierhin!"

 

Zwar ist das Ende relativ vorhersehbar, dennoch gelingt es dem Autor durch ungewöhnliche Figuren und ein noch kaum verbrauchtes Thema zu überzeugen. Detailreich geht er auf seine Charaktere ein. Jedem der Schüler widmet er ein eigenes Kapitel, sodass auch der Leser Einblicke in die Welt der Kinder bekommt. Einblicke in eine Welt, wie sie unbemerkt hinter verschlossenen Türen viel häufiger existiert, als es den Anschein hat, da ihr in der schillernden Medienwelt kaum Beachtung geschenkt wird.

Andreas Izquierdo ist mit Der Club der Traumtänzer ein lesenswerter Roman gelungen, der berührt und gleichzeitig durch zahlreiche Witze unterhält. Alles in allem ein empfehlenswertes Buch für ruhige Abende.

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