Alice, wie Daniel sie sah

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur, 2014, Seiten: 320, Übersetzt: Werner Löcher-Lawrence
  • London: Penguin Books, 2013, Titel: 'Ten Things I've Learnt About Love', Originalsprache

Couch-Wertung:

35
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Kathrin Plett
Wenn lesen zum Farbenspiel wird

Buch-Rezension von Kathrin Plett Apr 2014

A = Eisblau, L = Gold, I = Dunkelrosa, C = Dunkelblau, E= Dunkelgrau, eine bunte Farbenmischung, etwas düster und dunkel vielleicht. Auf den ersten Blick scheint sie nichts mit den zugeordneten Buchstaben zu tun zu haben; keine gemeinsamen Anfangsbuchstaben, nichts. Anders jedoch für Daniel: Für ihn ist jeder Buchstabe fest mit einer Farbe verbunden, jedes Wort, jeder Name hat seine eigene Färbung und der Name "Alice" ergibt sich für ihn aus eben diesen Farben. Doch mit Alice verbindet er viel mehr. Sie ist die Tochter, die er bisher nicht kennenlernen durfte, da sie einer kurzen Affäre entsprang. Doch die Sehnsucht nach ihr lässt ihn auch nach fast dreißig Jahren nicht los ...

Daniel hat schon seit Jahren kein Dach mehr über dem Kopf. Das war einmal anders: Er hatte einen festen Job und ein geregeltes Leben. Doch die Affäre mit einer verheirateten Frau warf ihn aus der Bahn. Schwanger mit ihrem gemeinsamen Kind verließ sie ihn und brach ihm so das Herz. Nun verbringt er die Tage mit der Suche nach seiner Tochter, die er noch nie gesehen hat. Seine Odyssee bleibt erfolglos. Bis er ihren Namen eines Tages in der Zeitung entdeckt. Auch Alice sucht etwas in ihrem Leben, sie weiß nur nicht was. Sie ist Ende zwanzig und das schwarze Schaf ihrer Familie. Das bürgerliche Leben ihrer Schwestern ist ihr zuwider, von ihrem Vater fühlt sie sich zurückgestoßen. Seit dem frühen Tod ihrer Mutter scheint Alice Anblick ihn zu schmerzen. Und so flüchtet sie in immer exotischere Länder, reist ständig in der Welt herum. Als ihr Vater an Krebs erkrankt und stirbt, kehrt sie nach London zurück und kann sich gerade noch von ihm verabschieden. Auf seiner Beerdigung fällt ihr ein seltsamer Obdachloser auf, der kurz darauf vor ihrer Tür steht.

Alice, wie Daniel sie sah ist das erste Buch der Autorin Sarah Butler. Die Autorin ist Anfang Dreißig, lebt in Manchester und ist Geschäftsführerin eines Beratungsunternehmens, das literarische und künstlerische Projekte vorantreibt. Sie war Stipendiatin verschiedener Literaturförderungen und unterrichtete Kreatives Schreiben am British Council in Kuala Lumpur. Alice, wie Daniel sie sah wurde bereits in dreizehn Sprachen übersetzt.

Sarah Butler erzählt die Geschichte zweier Menschen, denen bewusst oder unbewusst ein entscheidender Teil in ihrem Leben fehlt. Daniel fehlt seine ihm unbekannte Tochter, die Sehnsucht nach ihr hat ihn völlig aus dem Konzept und schließlich auf die Straße gebracht. Alice fehlt irgendetwas, sie weiß nur nicht genau, um was es sich handelt. Auf der Suche danach probiert sie immer neue Sachen aus, kann nicht an einem Ort bleiben. Wie sich bereits erkennen lässt: Zwei tragische Figuren, denen der Weg zum Glück unschuldig verwehrt wird. Obwohl die Geschichte von der Idee her neu ist, liest sie sich schleppend und erweckt schon nach kurzer Zeit den Eindruck, dass sich das Geschehen im Kreis dreht. Butler schreibt die Kapitel abwechselnd aus der Sicht von Daniel und Alice, was interessant sein kann, lässt sich die Geschichte doch aus zwei unterschiedlichen Sichtweisen verfolgen. Stattdessen versinken vor allem die Kapitel aus Daniels Sicht in einem Nebel aus Selbstmitleid, wenn er immer wieder darüber nachsinnt, was ihm ohne seine Tochter an Leben genommen wurde. Auch die Kapitel von Alice weisen einen ähnlichen Tenor auf, fühlt sie sich in ihrer Familie doch immer wieder fremd und ungewollt. Klar, worauf die Autorin hinaus möchte. Sprachlich ist der Roman zwar gut verständlich und auch die Idee, jedes Kapitel mit einer Liste aus zehn Punkten zu beginnen, in der Alice bzw. Daniel einer Frage nach gehen, die sie aktuell beschäftigt, ist interessant, doch auch hier hapert es an der Umsetzung: "Zehn Gründe, meine Schwester zu hassen" oder "Zehn Orte, an denen ich mit einem Mann geschlafen habe" öden an und erinnern an Schulmädchengespräche. Auch das Ende fügt sich nahtlos in den Roman ein: 315 Seiten später endet der Roman schwammig und es kommt die Frage auf, was die Intention der Autorin für ihren Roman war.

Alles in allem ein Buch, dessen gute Idee durch zu viel Gefühl und Dramatik keine Gelegenheit hatte, sich zu entfalten. Ein Debütroman, der nicht überzeugen kann.

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