Danke für meine Aufmerksamkeit

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Bochum: Roof Music, 2013, Seiten: 4, Übersetzt: Cordula Stratmann

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Britta Höhne
Mäuse verlieben sich in Katzen – auch ohne Selbstmordfantasien

Buch-Rezension von Britta Höhne Apr 2014

Brittas größtes Interesse gilt ihrer Lieblingssprache Deutsch. Und sie hasst es, wenn die ach so schöne Sprache entweder durch grammatikalische - oder andere - Fehler verunstaltet wird. Vor allem Anglizismen sind ihr ein Dorn im Auge, schließlich gibt es so viele deutsche Wörter, die ebenfalls darauf warten, benutzt zu werden. Da braucht es die englische Sprache nicht, meint zumindest Britta.

Nein, hier ist nicht die Rede von einer weiblichen Person namens Britta, sondern von Cordula Stratmanns Protagonistin in ihrem Roman Danke für meine Aufmerksamkeit.

In Wirklichkeit ist diese Hauptfigur noch nicht einmal ein Mensch. Britta ist eine europäische Hausmaus, die nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten, einer chinesischen Reisfeldmaus, ein warmes Plätzchen sucht und dieses bei Polly, einem elfjährigem Mädchen, findet. Durch Polly und ihre Freunde erfährt Britta einiges über die Probleme von Kindern - und so über den Menschen im Allgemeinen. Einer von Pollys Freunden ist Legastheniker und verzweifelt an der Rechtschreibung. Sowie auch Britta manchmal selbst an ihren Sprachfähigkeiten zweifelt. Wie ist das zum Beispiel mit dem Verb "schweifen" im Präteritum? "Deswegen schwoff ich wahrscheinlich auch ab." Oder doch lieber "schwiff"? Für Britta sieht das "aufgeschrieben genau so blöd aus". Deshalb beendet sie auch ihre Überlegungen mit dem Satz:

 

" Ach, machen Sie mit dem Wort doch, was Sie wollen."

 

Nachdem Britta einmal einen ganzen Absatz im Plusquamperfekt bewältigt hat, beschließt sie:

 

"So, und jetzt schreibe ich im Präteritum weiter, ich mache mich doch nicht weiter mit Ihrem bescheuerten Plusquamperfekt verrückt."

 

Cordula Stratmann lässt ihre kleine Protagonistin nicht nur die Schwierigkeiten der deutschen Sprache aufdecken, sondern konfrontiert sie zusätzlich noch mit versteckten Problemen hinter offensichtlich heilen Familienfassaden. Polly und ihre Freunde treffen sich jeden Dienstag, um sich über ihre Probleme mit ihren Eltern auszutauschen. Probleme gibt es zahlreiche. Malte ist Bettnässer, weil er sich so mehr Aufmerksamkeit von seiner Familie erhofft, Polly leidet unter ihrer dominanten Mutter, sogar ihr Vater hilft ihr nicht. Louise macht sich Sorgen um ihren Vater, da dieser zu viel arbeitet. All diese Sorgen ignorieren die Erwachsenen, da sie nicht wissen, nicht ahnen, wie viel ihr Nachwuchs mitbekommt - von ihren Sorgen und ihrem Verhalten.

Britta versucht zu vermitteln, es gelingt ihr aber nicht immer so richtig und sie stellt fest, dass Menschen recht kompliziert sind. Für sie ist nur die Sprache daran Schuld:

"Ganz sicher. Spricht man nicht, sagt man nichts Falsches."

Spätestens zu diesem Zeitpunkt merkt der Leser, dass die Autorin - zwar dem Publikum vor allem als Komikerin bekannt - ursprünglich Sozialarbeiterin mit Zusatzausbildung Familientherapeutin ist. Cordula Stratmann zeigt, dass Kinder nichts ohne Grund machen und es viele Rufe nach Aufmerksamkeit gibt, die nur allzu leicht ignoriert werden. Die Kinder behelfen sich so gut es geht mit ihren Möglichkeiten, um etwas an ihren Eltern und auch an anderen Erwachsenen zu verändern und auf sich aufmerksam zu machen. Wie der Titel des Romans es vorschlägt, sollte man Britta für ihre Aufmerksamkeit danken.

Auch Lebensweisheiten werden in diesem Buch amüsant herübergebracht. So lebt Britta nach dem Motto, "dass man zwar als Maus ins Leben starten kann, weil es die Biologie für einen nun einmal so vorgesehen hat, dass man dann aber in der Entwicklung nach den Sternen greifen soll". Für Britta bedeutet das, die deutsche Sprache zu sprechen und mit Menschen zu interagieren, indem sie sie beobachtet, bei ihnen lebt und mit ihnen wie zu Gleichgesinnten spricht. Beim Lesen vergisst man zum Teil, dass Britta eigentlich eine kleine Maus ist, ihre Präsenz, ihr Wissen und ihre Wahrnehmung ist extrem groß und vielfältig.

Die Idee eine Maus zur Hauptfigur zu machen, verleiht diesem schon recht lustig geschriebenen Roman einen weiteren Schmunzelfaktor. Von einer Maus erwartet man nicht, dass sie die Menschen beobachtet und doch sind genau sie es, die unbemerkt so mancher Diskussionen lauschen - ähnlich wie neugierige Kinder.

Jeder sollte vielleicht einmal das Leben aus der Sicht einer Maus betrachten. Weg vom großen Blick auf kleine Dinge. Hin zum Kleinklein, wie Mäuse so sind. Viel wäre dabei über die kleinen Nager zu erfahren, dass diese sich zum Beispiel auch mal in einen Kater verlieben können ohne gleich Selbstmord begehen zu wollen - oder Schneidezähne beim Frieren verlieren. Aber eigentlich ist Britta im tiefsten Innern ihrer selbst, doch so etwas wie ein ganz gewöhnlicher Mensch.

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Letzte Kommentare:
24.04.2014 09:21:39
Silsmaria2004

" Da möchte ich doch mal Mäuschen spielen...bei dem und dem und in dieser oder jenen Situation "
- denke ich persönlich ab und zu mal.

Das hat sich Frau Stratmann vielleicht auch gedacht und ist gerade in dieser Rolle/ in dem Körper geblieben; und da sie, wie von Frau Köhne in der Rezension erwähnt, Familientherapeutin ist, gibt sie der Maus sowohl eine Stimme als auch ein entsprechendes "Fachwissen" mit auf dem Weg.
Maus Britta "Stratmann" lernt 7 Kinder kennen (aus der Praxis der Familientherapeutin?). Jedes für sich allein, oder auch zusammen in der Schule, hat ein Problem mit den Eltern bzw. mit einer Lehrerin, die ihre Schüler nie anschaut.

Ich persönlich würde Pollys Mutter nicht als dominant bezeichnen, ich hatte eher das Gefühl, die Tochter stört sie durch blosse Anwesenheit, der Vater hat auch gern seine Ruhe, ansonsten wird gebrüllt, als gäbe es dazwischen nichts.
Malte ist Bettnässer, Mara denkt nur, spricht wenig bis nie, Ben organisiert das Leben seiner Familie , sehr zum Stolz seiner Eltern.
Jedes Kind hat so sein eigenes Päckchen zu tragen und macht sich darüber seine Gedanken, und darüber, warum ihre Eltern so sind, wie sie sind, - und kommt für sich zu einem Ergebnis und zu einer Art Überlebensstrategie.
Sie haben sogar eine Selbsthilfegruppe in einer vergessenen Garage, in der sie sich gegenseitig Halt geben und sich selbst organisieren. Und nun haben sie Britta, die perfekt "menschlich" spricht- erstmal AUSPROBIEREN, ob man etwas WIRKLICH nicht kann, lernen wir von ihr-, die nun immer wochenweise mit ihnen lebt, den Kindern und der jeweiligen Familie zur Seite steht und sie positiv beeinflusst.

Zwischendurch wird man förmlich aufgeweckt -"ach ja , ist ja `ne Maus"-, indem Maus Britta uns an ihrer Affäre mit einem Kater, der eine Antiagressionstherapie hinter sich hat, teilhaben lässt, aber dann ins Schwitzen gerät, weil sie mit einem Mäuserich fremdgeht. Natürlich gibt es eine glückliche Lösung für alle Beteiligten dieser kleinen Tierwelt.
Bei den Kindern ist nicht alles Friede und Freude, aber die Weichen dafür sind gestellt...

Für mich wurden hier alltägliche, für die jeweils Betroffenen aber schwierige Situationen, mit humorvollem Ernst betrachtet. Während ich das Buch las, hatte ich auch immer die Autorin im Kopf, wie sie sich mit Geste und Stimme ausdrückt. Dadurch bin ich positiv beeinflusst, aber manch einer, der sie noch nicht erlebt hat, dass sie Humor mit ernstem Unterton sehr gut beherrscht, findet den Umgang mit dem Thema vielleicht eher zu "schnoddrig"

24.04.2014 09:18:58
Silsmaria2004

" Da möchte ich doch mal Mäuschen spielen...bei dem und dem und in dieser oder jenen Situation "
- denke ich persönlich ab und zu mal.

Das hat sich Frau Stratmann vielleicht auch gedacht und ist gerade in dieser Rolle/ in dem Körper geblieben; und da sie, wie von Frau Köhne in der Rezension erwähnt, Familientherapeutin ist, gibt sie der Maus sowohl eine Stimme als auch ein entsprechendes "Fachwissen" mit auf dem Weg.
Maus Britta "Stratmann" lernt 7 Kinder kennen (aus der Praxis der Familientherapeutin?). Jedes für sich allein, oder auch zusammen in der Schule, hat ein Problem mit den Eltern bzw. mit einer Lehrerin, die ihre Schüler nie anschaut.

Ich persönlich würde Pollys Mutter nicht als dominant bezeichnen, ich hatte eher das Gefühl, die Tochter stört sie durch blosse Anwesenheit, der Vater hat auch gern seine Ruhe, ansonsten wird gebrüllt, als gäbe es dazwischen nichts.
Malte ist Bettnässer, Mara denkt nur, spricht wenig bis nie, Ben organisiert das Leben seiner Familie , sehr zum Stolz seiner Eltern.
Jedes Kind hat so sein eigenes Päckchen zu tragen und macht sich darüber seine Gedanken, und darüber, warum ihre Eltern so sind, wie sie sind, - und kommt für sich zu einem Ergebnis und zu einer Art Überlebensstrategie.
Sie haben sogar eine Selbsthilfegruppe in einer vergessenen Garage, in der sie sich gegenseitig Halt geben und sich selbst organisieren. Und nun haben sie Britta, die perfekt "menschlich" spricht- erstmal AUSPROBIEREN, ob man etwas WIRKLICH nicht kann, lernen wir von ihr-, die nun immer wochenweise mit ihnen lebt, den Kindern und der jeweiligen Familie zur Seite steht und sie positiv beeinflusst.

Zwischendurch wird man förmlich aufgeweckt -"ach ja , ist ja `ne Maus"-, indem Maus Britta uns an ihrer Affäre mit einem Kater, der eine Antiagressionstherapie hinter sich hat, teilhaben lässt, aber dann ins Schwitzen gerät, weil sie mit einem Mäuserich fremdgeht. Natürlich gibt es eine glückliche Lösung für alle Beteiligten dieser kleinen Tierwelt.
Bei den Kindern ist nicht alles Friede und Freude, aber die Weichen dafür sind gestellt...

Für mich wurden hier alltägliche, für die jeweils Betroffenen aber schwierige Situationen, mit humorvollem Ernst betrachtet. Während ich das Buch las, hatte ich auch immer die Autorin im Kopf, wie sie sich mit Geste und Stimme ausdrückt. Dadurch bin ich positiv beeinflusst, aber manch einer, der sie noch nicht erlebt hat, dass sie Humor mit ernstem Unterton sehr gut beherrscht, findet den Umgang mit dem Thema vielleicht eher zu "schnoddrig"