Das Ungeheuer

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Luchterhand, 2013, Seiten: 688, Originalsprache

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Christian Brockhaus
Er glaubte zu wissen, mit wem er verheiratet war, glücklich verheiratet ...

Buch-Rezension von Christian Brockhaus Feb 2014

Der Roman Das Ungeheuer der ungarischen Schriftstellerin Terézia Mora ist die Fortsetzung des 2009 erschienenen Werkes Der einzige Mann auf dem Kontinent. Dieser erste Roman handelte von Darius Kopp, einem glücklosen IT-Ingenieur einer kaum existenten amerikanischen Firma und seiner großen Liebe zu seiner deutsch-ungarischen Ehefrau Flora. Das Ungeheuer, eine Fortsetzung der kritischen Geschichte über Business und soziale Strukturen, kann auch ohne weiteres als Einstiegsroman gelesen werden – man muss den ersten Teil nicht zwingend gelesen haben.

Auffallend sind bereits zu Beginn des Buches die durch eine horizontale Linie eingeteilten und nur halb beschriebenen Seiten. Erst ab Seite 83 füllt sich dann auch der untere Seitenabschnitt mit den Tagebucheinträgen Floras. So entsteht eine dichotome Darstellung des Lebens von Darius und Flora, welche sich nicht immer schlüssig verknüpfen lässt und doch aufgrund der inhaltlichen Unterscheidung interessante Akzente setzt. Gewöhnungsbedürftig ist da nur die Art zu lesen. Erst Darius? Dann Flora? Oder beide zusammen? Es liegt wohl im Ermessen jedes Einzelnen herauszufinden, welche Technik seinem Verständnis des Buches hier mehr entgegenkommt.

Nach dem Selbstmord seiner Frau erfährt Darius, dass er wohl eher mit einer Vorstellung von ihr als mit ihrer eigentlichen Person zusammenlebte. Nach einer zehnmonatigen Depressionsphase, die er Traurigkeit nennt, begibt sich Darius auf eine Reise durch das östliche Europa um die Asche seiner Frau in ihrem Geburtsland Ungarn zu beerdigen. Die Urne und den Laptop mit Floras übersetztem Tagebuch immer bei sich, führt diese ungeplante Reise zu vielen neuen Einsichten für Darius.

Vor ihm entfaltet sich beim Lesen des Tagebuches ein Paralleluniversum, welches er zuvor nicht zu finden erwartet hatte. Gedanken und Gefühle seiner Frau scheinen wenig kongruent mit dem, was sich als ihre Persönlichkeit wahrnehmen ließ. Vielleicht war aber auch Darius derjenige, der nicht in der Lage war, mehr als das Oberflächliche wahrzunehmen und eventuell nicht genau hinschaute. Während des Lesens bekommt man von Darius den Eindruck eines depressiven Neurotikers, an dem das Leben in großen Teilen einfach vorbeifließt: ein einfacher Mensch mit einfachem Charakter. Flora hingegen ist ein Niemandskind; sie ist am Leben gescheitert. Darius ist durch den doppelten Verlust (erst der Job, dann die Frau) in seinem Sein tief erschüttert.

Seine Reise entwickelt sich zu einem Weg der Selbstfindung. So begegnet Darius der jungen Oda, die ihn irgendwie an seine Frau erinnert – nur um sie später wieder zu verlieren. Letztendlich endet die Reise in einem Fiasko. Weder ist die Asche begraben, noch Darius dem Reich zwischen Leben und Tod entronnen. Noch müder und desillusionierter, maroder und hoffnungsloser als zu Beginn erscheint Darius Kopp am Ende des Romans, welcher vermutlich nicht das Ende seiner Selbstfindungsreise ist.

Die Erzählstränge unterscheiden sich sprachlich auf beeindruckende Weise. Während der Text von Darius einheitlich fließt, zersplittert Floras Sicht der Dinge wie Licht in einem Kaleidoskop. Trotz des Fragmentarischen, das sicher dem Tagebuchschreiben zuzuschreiben ist, bleibt der Text gut lesbar. Floras Innenwelt ist beklemmend klar und hoffnungslos.

Darius' Road Trip dagegen ist eher eine Beschreibung des Erlebten von außen. Eine Geschichte wie aus dem Leben gegriffen: Zwei charakterlich unterschiedliche Menschen leben zusammen, lernen sich jedoch nicht endgültig kennen. Die Diskrepanz zwischen dem, was Darius sieht und empfindet, bildet einen so starken Kontrast zu dem, was Flora beschreibt, dass sich unweigerlich der Vergleich mit dem eigenen Leben und den darin enthaltenen Beziehungen und Empfindungen aufdrängt.

Nach dem Lesen des Buches bleibt ein bedrückendes Gefühl zurück. Die Charaktere sind messerscharf skizziert, so dass man sich gut in die für den Text wichtige Gefühlswelt einlesen kann. Das Thema Depression wird hier am Beispiel Floras glaubwürdig und mitfühlend dargestellt, ebenso wie ihr Umgang mit der Krankheit. Durch das offen gelassene Ende wird die Suche des Darius Kopp über das Buch hinaus der Vorstellung des Lesers überlassen, was eine anhaltende Auseinandersetzung mit dem Roman unvermeidbar macht.

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