Lyrik Taschenkalender 2014

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Heidelberg: Wunderhorn, 2013, Seiten: 160, Originalsprache

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Britta Höhne
Hauchfeine Selbstreflexion, messerscharf wie die Sprache

Buch-Rezension von Britta Höhne Dez 2013

Dem Herausgeber Michael Braun ist etwas ganz großartiges gelungen: Er mischt Alltag mit Poesie, oder Poesie mit Alltag. Egal wie rum! Linke Seite ein Gedicht, rechte Seite drei Tage. Dann wieder: Linke Seite eine Gedichtinterpretation, rechte Seite drei Tage. Tag für Tag. Monat für Monat. Ein Jahr hindurch. Tage mit viel Platz zum Schreiben, zum Notieren, Sinnieren, oder gar selber dichten? Brauns Idee eines lyrischen Taschenkalenders begeisterte bereits in diesem Jahr, so dass er 2014 mit einer Neuauflage an den Jahresstart geht.

Nein, neu ist die Idee nicht, Gedichte auf Kalenderblätter zu setzten. Michael Braun allerdings hat sich etwas anderes überlegt: Er hat 17 Dichter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gebeten, jeweils zwei ihrer Lieblingsgedichte auszuwählen und diese dann in verständlicher Manier zu interpretieren. Eine Lyrik-Anthologie als Gemeinschaftsprojekt also.

Eduard Mörike leitet in das neue Jahr mit seinem feinen und doch so bissigem "In der Frühe ein", in dem es heißt:

 

"Kein Schlaf noch kühlt das Auge mir,/ Dort gehet schon der Tag herfür/ An meinem Kammerfenster./ Es wühlet mein verstörter Sinn/ Noch zwischen Zweifel her und hin..."

 

Henning Ziebritzki bringt es auf der folgenden Seite auf den Punkt:

 

"Die Selbstreflexion ist so hauchfein, so messerscharf wie die Sprache."

 

Mit Barbara Köhler und "Endstelle für Fritz" geht es weiter. Markus R. Weber nimmt sich des Gedichtes an, das in vollendeter Sprache dem Abschied gewidmet ist und dem Aufbruch. Schöne Zeilen. Auf beiden Seiten.

 

Theodor Storm
Ein grünes Blatt
Ein Blatt aus sommerlichen Tagen,
Ich nahm es so im Wandern mit,
Auf daß es einst mir möge sagen,
wie laut die Nachtigall geschlagen,
Wie grün der Wald, den ich durchschritt.
Der Februar ist fast geschafft.

 

Gedichte an sich sind schon ein Faszinosum. Sind sie doch Wiedergaben in komprimierter Form. Kurzformen, ein paar Zeilen nur, die mehr sagen, als so manches Buch von 500 Seiten. Michael Braun spielt bei der Auswahl seiner Texte gekonnt mit der Sprache, indem er Altes neben Neues stellt, schnörkeligen, schwulstigen Barock neben Zeilen, denen jegliche Rechtschreibregeln fremd sind. Reinhard Priessnitz hat mit seinem Gedicht "kleine genesis" etwa, alles auf den Kopf gestellt, was Deutschlehrer zu predigen pflegen. Und dann kommt es noch besser, fasst Kommentatorin Simone Kornappel doch eben diesen Stil Priessnitz' auf. Außer Acht gelassen wird alles, was Groß- und Kleinschreibung anbelangt und Punktation ist ohnehin Geschmackssache: "klipp & unklar"

 

"Du bist mein, ich bin dein:
dessen sollst du gewiß sein.
Du bist verschlossen
in meinem Herzen:
verloren ist das Schlüsselein:
du mußt für immer drinnen sein."

 

Wie schon bei Ulla Hahn in ihrer Sammlung "Gedichte fürs Gedächtnis", findet das kleine Liebesgedicht einer unbekannten Dichterin Eingang in die erlesene Sammlung Michael Brauns. Kurt Drawert kümmert sich um die Zeilen, die im Lyrik-Taschenkalender in Originalform wiedergegeben werden. "Liebesgedichte", schreibt Drawert, "gehören zum schwierigsten Genre der Literatur." Er erklärt auch warum.

Eigentlich ist dieser Kalender als Lyrikband zu betrachten, dem jeweils auf den rechten Buchseiten ein Kalendarium mit auf dem Weg gegeben wurden. Schwer vorstellbar ist, sich die nächste Mitgliederversammlung seines Vereines oder die Vorstandssitzung darin zu notieren. Dennoch: Das kleine weiße Büchlein ist ganz wunderbar und wer sagt denn, dass die Freiräume nicht dazu dienen, sich selbst ein paar Gedanken zu den Gedichten zu machen. Nachdenklich nämlich, stimmen sie allesamt.

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