Narcopolis

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt: S. Fischer, 2013, Seiten: 384, Übersetzt: Bernhard Robben
  • London: Faber & Faber, 2012, Titel: 'Narcopolis', Originalsprache

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Sebastian Riemann
Augen auf und tief einatmen

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Dez 2013

Zum Frühstück gibt es für Rashid Whiskey und Kokain, beides in Maßen, denn der Kopf muss noch frisch bleiben für den Rest des Tages, erst später genehmigt er sich Opium, dann Opium gemischt mit Heroin und am Abend reines Heroin. Rashid ist kein Anfänger was Drogen angeht, er weiß wie man sie handhaben muss, wie gefährlich sie sein können und wie man sie am besten zu sich nimmt. Er hat Erfahrung, nicht nur als Konsument, sondern auch als Anbieter, seine Opiumhöhle in Bombay hat einen besonders guten Ruf, die Leute kommen gern wieder und wieder und wieder, denn sein Opium ist von erlesener Qualität, die Pfeifen sind fast schon Superstars in der Szene und der Service ist ausgezeichnet. Dimple, eine seiner Frauen, bedient die Kunden, bereitet den Stoff zu, mit viel Geduld und Geschick und stopft die Pfeifen, welche sie damals in den Laden gebracht hatte, als eine Art Mitgift. Die Klientel besteht aus Prostituierten, Zuhältern, Bettlern, Dieben, Verbrechern, Künstlern und Aufschneidern, es sind die Außenstehenden, die sich zwischen Rauchschwaden treffen und der geschäftigen Atmosphäre der indischen Mega-City entfliehen.

Jeet Thayil wurde in Südindien geboren und ist heute als Dichter, Performancekünstler, Songwriter und Musiker tätig, Narcopolis ist sein Debüt als Schriftsteller und konnte weltweit die Kritiker begeistern - das Buch machte sogar die Shortlist des Booker Prize.

Mit seinem Erstling hat sich der Autor einem erfolgversprechendem Genre angenommen: Drogen begeistern immer, weil sie die Menschen in andere Sphären katapultieren und ihnen somit auch eine andere Sicht ermöglichen, sie sind Alternative zum Alltag, sind schöne Versprechung und immer auch ein wenig Gefahr. Gute Bücher sind wie Drogen, auch sie entheben uns des grauen Alltags und ziehen uns hinüber in ihre eigene Welt, auch sie können berauschen. Ergo kann man von Büchern über Drogenkonsum eine Menge Unterhaltung erwarten. An solchen Erwartungen scheint sich Thayil beim Verfassen von Narcopolis gehalten zu haben, er legt ein Stück Literatur vor, welches rasant daherkommt, viel Gewalt, Sex und Rausch zu bieten hat, gewürzt mit verschiedenen Religionen und gesellschaftlichen Umwälzungen im Hintergrund. Trotz der Fülle weiß Thayil das Tempo gut zu regulieren, das Buch wirkt nicht überladen, hat auch immer wieder seine Ruhephasen, die notwendig sind, damit der Leser nicht an einer Überdosis zugrunde geht. Er greift gelassen einzelne Charaktere aus der Drogenszene heraus und zeigt ihre Lebensgeschichten, aufgrund welcher sie letztlich in der Opiumhöhle Rashids gelandet sind. Mittelpunkt der Erzählung bleiben aber die Drogen, wie sie die Menschen treiben, beglücken und vernichten. So wird viel berichtet über die alten chinesischen Pfeifen, die Herr Lee von seinem Vater erbte und welche letztlich in Bombay landeten, in besagter Opiumhöhle. Als Instrument verbinden sie den Menschen mit den Drogen, verändern den Menschen:

 

"Vater hatte eine Pfeife aufs Bett gelegt. Auf einem Tablett stand eine Lampe, die sich auf der klumpigen Matratze gefährlich schief neigte. Nahm er einen Zug, schienen seine Wangen einzufallen. Er war schrecklich mager geworden, und Lee fand, dass sein Vater kaum noch einem Menschen glich. Er war zu einer Pfeife geworden ..."

 

Neben den üblichen Drogengeschichten lässt es sich der Autor nicht nehmen zum Ende auch philosophisch zu werden, er stellt eine grundlegende Frage, bringt Opiumrauchen und Kunst zusammen, wenn er über einen Poeten des  13. Jahrhunderts schreibt, der erst in einem Korsett von Regeln seine Freiheit als Künstler finden konnte, und das Publikum fragt, ob denn nicht der Süchtige wirklich frei ist, da er sich unter dem Joch der Drogen befindet. Völlig Freiheit ist nicht möglich und nur wer sich bewusst versklavt kann Autonomie erlangen, im Rahmen der Möglichkeiten. Ähnlich dem Renegaten im Film Blade Runner, der erst im Angesicht des Todes von seiner Idee des ewigen Lebens ablässt und Harrison Ford das Leben rettet. Kein leichter Gedanke, kein einfacher Vergleich, aber zum Zwecke der Unterhaltung gesteht man Thayil gerne Großzügigkeit zu, will sich nicht beschweren, wenn am Ende mit der Kunst geklotzt und nicht gekleckert wird. Es ist Teil des Rausches, in dem man sich wiederfindet, während man Narcopolis in Händen hält und nicht ablegen mag, da es so herrlich erfrischend, fatal und überschwänglich ist.

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