Im Land des Feuervogels

  • : Allison & Busby, 2013, Titel: 'The Firebird', Originalsprache
Im Land des Feuervogels
Im Land des Feuervogels
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Rita Dell'Agnese
69

Belletristik-Couch Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2013

Die Autorin macht es sich zu einfach

Susanna Kearsley ist bekannt für ihre Romane mit mystischen Zügen. Diesem Muster bleibt sie auch bei Im Land des Feuervogels treu. Hier allerdings strapaziert sie die Mystik allzu sehr. Sie präsentiert dem Leser zwei Protagonisten, die mit der seltenen Gabe der Gedankenübertragung und vielem mehr gesegnet sind. Während sich Galeristin Nicola noch schwer tut mit ihrer Gabe, geht Polizist Rob ganz gelassen damit um. Um das Geheimnis eines aus Russland stammenden, alten Feuervogels zu ergründen, braucht Nicola die Unterstützung von Rob – das fällt ihr allerdings schwer, denn nach kurzer Liaison trennte sie sich vor einiger Zeit von ihm. Zu zweit machen sie sich also auf den Weg, um die Herkunft des kleinen Kunstgegenstands zu beweisen. Immerhin soll er von der Zarin Katharina einst an eine Vorfahrin der derzeitigen Besitzerin übergeben worden sein. Dank ihrer Gabe können die Beiden nach und nach die Lebensgeschichte der kleinen Anna nachzeichnen, die als Kind von Jacobiten im frühen 18. Jahrhundert Schottland verlassen musste und über Frankreich nach Russland an den Zarenhof gelangte. Vor Nicola und Rob eröffnet sich eine bunte Welt voller politischer Intrigen, Hoffnung und Verzweiflung.

Die Geschichte hat durchaus Potenzial. Kearsley erzählt den historischen Teil des Romans spannend und mit großer Empathie. So erschließt sich dem Leser die ganze tragische Reichweite des Kriegs um die englische Krone. Hier scheint die Autorin auch den eigentlichen Schwerpunkt des Romans zu setzen. Annas Geschichte ist in jeder Hinsicht stimmig und so erzählt, dass sich selbst Lesern, die an sich nichts mit Historie anfangen können, ein farbenprächtiges Bild erschließt und sie ohne Mühe verstehen können, was es mit den Jakobiten auf sich hatte und wie sich das Leben am Zarenhof gestaltete. Dank einer angenehmen Erzählweise ist Kearsley weit weg von einem Mantel-Degen-Roman, der zwar große Gefühle umschreibt, aber kaum Tiefe aufweist. Die Leser werden sich also auch mit rudimentären Geschichtskenntnissen im 18. Jahrhundert zu Recht finden und durch die geschickte Personenwahl Kearsleys sich auch darin wohlfühlen.

Damit wäre also die Grundlage zu schierem Lesevergnügen gegeben. Doch leider greift die Autorin zu einem nicht ganz geglückten Kniff, um die Historie mit der Gegenwart zu verknüpfen. Dass Susanne Kearsley ein Faible für Mysterie hat, ist ihren Fans aus nahezu allen ihrer bisherigen Werke wohl bekannt. Es ist genau diese Mischung, die ihre Romane zu Bestsellern macht. Mit der Gabe, die sie Nicola und Rob zuschreibt, überspannt sie jedoch den Bogen. Es scheint, als habe sie mit aller Macht nach einer Variante gesucht, die Geschichte von Anna einzubetten. Kearsley gibt sich mit dieser Gabe die Möglichkeit, einen unendlich ausdehnbaren Rahmen um die Geschichte zu legen. Sie macht es sich damit zu einfach. Denn schnell mal bekommt der Leser den Eindruck in einer klebrigen Masse zu wandeln und kaum mehr in der Lage zu sein, einen Schritt vorwärts zu machen. Die permanente Wiederholung, dass sich die beiden Gegenwarts-Protagonisten wortlos – nämlich ausschließlich in Gedanken – unterhalten, ist spätestens beim dritten Mal langweilig und wird von Mal zu Mal ärgerlicher. Die Autorin dürfte es ihren Lesern durchaus zutrauen, verstanden zu haben, was sie sagen möchte, ohne dass sie es alle paar Seiten wiederholt. So erweckt sie jedoch den Eindruck, als sei sie sich selber nicht ganz sicher, dass der gesteckte Rahmen so auch funktioniert.

Die Fans von Susanna Kearsley werden diesen Roman – wie alle ihre anderen auch – mit Begeisterung genießen und über die deutlichen Schwächen im Gegenwarts-Teil hinweg sehen. Wer sich aber neu mit der Autorin befasst, tut gut daran, zunächst ein anderes ihrer Werke zu lesen, um sich auf ihre Erzählweise einzustimmen. Nur dann wird er sich darauf einlassen können, sich durch die Gegenwart zu arbeiten, um in der Historie eine feinfühlig erzählte und spannende Geschichte zu entdecken, die dem Roman genügend Tiefe verleihen, um ihn  trotz allem zu einer unterhaltsamen Lektüre zu machen.

Im Land des Feuervogels

Susanna Kearsley, Allison & Busby

Im Land des Feuervogels

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