Gedichte fürs Gedächtnis

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt: DVA, 2000, Seiten: 302, Originalsprache
  • Frankfurt: DVA, 2008, Seiten: 304, Originalsprache

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Britta Höhne
Versinken in der Kraft schöner Worte

Buch-Rezension von Britta Höhne Nov 2013

Ulla Hahn bringt es auf den Punkt:

 

"Zu jeder Beschäftigung mit Kunst, also auch mit Gedichten, gehört zu allererst die Fähigkeit, sich ergreifen zu lassen. Nur was mich ergreift, kann ich begreifen. Jedem Begreifen muss ein Ergriffensein vorausgehen. Man kann es auch Liebe zum Gegenstand nennen."

 

1999 bereits erschien Ulla Hahns Fleißarbeit mit dem schönen Titel Gedichte fürs Gedächtnis. Zum Inwendig-Lernen und auswendig-Sagen. Und die promovierte Germanistin Ulla Hahn wäre nicht Ulla Hahn, würde sie ihren Lesern nicht so etwas wie eine Gebrauchsanleitung zum glücklichen Umgang mit zum Teil schwierigen Texten beilegen. Sie erklärt, klärt auf, wie aus einer leidigen Pflicht, einen Text zu verinnerlichen, eine wahre Freude werden kann. Und das Schönste: Es funktioniert.

Gut 100 Gedichte hat Ulla Hahn zusammen getragen. Und dabei hat sie längst nicht alle erwischt, die es verdient hätten, in ihrer Anthologie aufgenommen zu werden. Das weiß die freie Schriftstellerin und sammelt weiter. Übersetzt nicht Verstehbares und erklärt zu jedem Text, woher er stammt und wie er zu verstehen ist, oder zu verstehen sein könnte. Manchen Fundstücken nämlich fehlt aufgrund des betagten Alters eine genauere Kennzeichnung, wie dem wohl vielen bekannten "Du bist mein".

 

Du bist mein, ich bin dein:
dessen sollst du gewiß sein.
Du bist verschlossen
in meinem Herzen:
verloren ist das Schlüsselein:
du mußt für immer drinnen sein.

 

Hahn empfindet diesen kurzen Vers eines unbekannten Autors aus der Mitte des 12. Jahrhunderts als perfekt. Es gilt als das älteste deutsche Liebesgedicht. Perfekt ist es, weil es alles enthält, dafür aber kein Wort, keine Silbe zu viel aufweist. Schnörkellos kommt es daher in drei mal zwei Verspaaren, wovon die beiden mittleren eingerückt sind. Vermutet wird, dass eine Frau diese sechs Zeilen zu Papier gebracht hat. Belegt allerdings ist das nicht.

Spannend bei Hahns Sammlung ist die eigentliche Komposition der Gedichte. So erscheinen anonyme Dichter dicht gefolgt von Walther von der Vogelweide (Unter der Linde). Etwas weiter taucht der Name Matthias Claudius auf, mit seinem wunderschönen "Abendlied". Hahn springt in Stil und Zeit, in Inhalt und Dichte, in Länge und Schwere. Sicher, diese Anthologie gilt es nicht durchzulesen, sondern durchzuleben. Einen Text heraus gegriffen und rezitiert. Laut am liebsten, weil Gedichte gehört werden wollen. Erst dann entfalten sie sich, begeistern, zeigen Rhythmus und die ganze Schönheit ihrer Sprache.

Fehlen darf natürlich kein Goethe, fehlen darf kein Clemens Brentano, Ludwik Uhland, Joseph von Eichendorff, Friedrich Schiller, Heinrich Heine, Eduart Mörike, Gottfried Keller, Conrad Ferdinand Meyer. Aber auch keine Annette von Droste-Hülhoff, Theodor Fontane, Bertolt Brecht, Hermann Hesse oder etwa Erich Kästner mit seinen zumeist zynischen Textpassagen:

 

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie anderen Leuten ein Stock oder Hut.

 

Mit "Sachliche Romanze" ist das Gedicht überschrieben, das aus insgesamt vier Strophen besteht und das Entfernen eines Paares voneinander kaum besser beschreiben könnte. Am Ende sitzen Mann und Frau schweigend im Café, "und konnten es einfach nicht fassen".

Ulla Hahn hat sich bemüht, ihre gesammelten Werke in Kategorien einzuteilen, was nicht immer logisch erscheint, zumal ein Gedicht gleiche mehrere Eigenschaften in sich vereinen kann. Sie beginnt mit den Liedern, dem folgen Balladen, Sonette, Gedanken-Gedichte und Meditationen. Überaus interessant sind ihre Interpretationsansätze und die Bemerkungen, die sich jeweils zum Leben des Dichters oder Dichterin zusammen getragen hat. Des Weiteren nennt sie Internet-Adressen, die sich ihrer Meinung nach lohnen, um weiter auf den Pfaden der Erschaffer zu wandern, oder, um mehr über die jeweiligen Zeilen zu erfahren.

Ulla Hahns Ehemann, Klaus von Dohnanyi, fasst es in seinem Nachwort knapp und folgerichtig zusammen: Musik, Malerei und Lyrik sind eng miteinander verbunden.

 

"Lyrik kann die drei Dimensionen: Wort, Musik und Bild vollkommen vereinen. Wo Sprachmelodie, Rhythmus und phantasievolle Bilder verschmelzen, dort wird das gelungene Gedicht zu einem Gesamtkunstwerk."

 

Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen. Eine großartige Anthologie, die Ulla Hahn vorgelegt hat und eine, die es sich lohnt regelmäßig aus dem Regal zu nehmen, um darin zu versinken.

Gedichte fürs Gedächtnis

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Letzte Kommentare:
02.11.2014 17:28:08
zeilensprung

Gerade hatte ich wieder einmal Ulla Hahns wunderschöne Lyrik-Anthologie "Gedichte fürs Gedächtnis" in der Hand, ein für die gesamte Familie unverzichtbar gewordenes Werk!

Zunächst einmal ist Ulla Hahns gelungene Auswahl zu loben, die wirklich einen tiefgehenden Querschnitt durch die deutsche Lyrik zusammen getragen hat. Man findet das klassische Repertoire vom Mittelalter bis zur Gegenwart und gewiss sein Lieblingsgedicht.

Ein weiterer Vorzug dieses bibliophilen Bandes mit Leinenrücken sind die Anmerkungen der Herausgeberin, die in knappen Worten Entstehungsgeschichte, Informationen über den Dichter und Ansätze zur Gedichtinterpretation zusammen fasst. Für weitere, intensivere Informationen enthält der Band zudem Links, die auch weitestgehend noch stimmen. Inwendig-Lernen und Auswendig-Sagen -- dazu laden die ausgewählten Gedichte in der Tat ein!

Ein wunderschönes Buch für die ganze Familie und gerade mit Kindern auf der weiterführenden Schule quasi unentbehrlich -- da dieses Buch ausserdem manche langwierige und entnervende Internet-Recherche überflüssig macht!

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