Das Lavendelzimmer

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Droemer Knaur, 2013, Seiten: 384, Originalsprache

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Birgit Borloni
Heilmittel Bücher

Buch-Rezension von Birgit Borloni Nov 2013

Bücherliebhaber wissen: Bücher sind wie gute Freunde – sie bereichern unser Leben, sind immer für uns da und können uns in vielen Lebenslagen helfen. Doch es gibt auch Bücher, die uns enttäuschen, die uns langweilen oder ärgern, mit denen wir schlicht und ergreifend nichts anfangen können. Entweder weil sie wirklich nicht für uns bestimmt sind oder weil es der falsche Zeitpunkt ist, an dem wir sie kennen lernen. Deshalb ist es klug, ihnen eine zweite Chance zu geben – Büchern wie Menschen.

Doch wäre es nicht schön, wenn es jemanden gebe, der uns zumindest bei den Büchern helfen könnte? Der wüsste, welches Buch uns in welcher Lage gut tut und hilft und welche Bücher wir tunlichst meiden sollten, weil sie unseren Kummer nur noch vergrößern? In Nina Georges neuestem Roman Das Lavendelzimmer gibt es so einen Menschen. Er heißt Jean Perdu und betreibt eine schwimmende "pharmacie littéraire", eine literarische Apotheke, auf einem alten Schiff. Dort sammelt und verkauft er Bücher, doch eben nicht jedes Buch an jeden Kunden, sondern stets die Richtigen an die Richtigen.

Doch sich selbst kann er nicht helfen. Seit zwanzig Jahren trägt er tief in sich verschlossen eine Wunde, einen unglaublichen Schmerz – seit ihn seine große Liebe Knall auf Fall und ohne Erklärung verließ. Den Brief, den sie schrieb, hat er in das Zimmer verbannt, in dem er mit ihr so glücklich war und die Tür zu diesem Zimmer ist fest verschlossen und verbaut. Als er schließlich gezwungen ist, dieses Zimmer wieder zu betreten, bricht mehr auf, als nur die Tür. Und so macht sich Jean Perdu schließlich auf die Reise, um sich der Vergangenheit zu stellen.

Nina George ist mit Das Lavendelzimmer ein wunderbarer, feinfühliger Roman gelungen, der be- und verzaubert. Eine großartige Geschichte über das Leben, die Liebe, den Schmerz, die Trauer, die Verzweiflung und vor allem – die Hoffnung.

Die zentralen Themen und Aussagen sind beileibe nicht neu: Lebe dein Leben, lass deine Gefühle zu, verschließe dich nicht vor deinem Schmerz, habe Mut, zu lieben... solche Botschaften findet man in jedem mittelmäßigen Lebenshilferatgeber. Doch keiner versteht es, das ganze so bezaubernd zu verpacken wie Nina George. Allein ihre Sprache ist ein Genuss: Wunderbar poetisch mit Sätzen, ja ganzen Absätzen, die zum Verweilen und Wiederlesen einladen, die man sich auf der Zunge zergehen lassen kann, die einen zum Träumen und Nachdenken anregen. Das Lavendelzimmer ist kein Buch, das man mal so eben runter liest, wenn man gerade zwei Augenblicke nichts zu tun hat. Es ist ein Buch, auf das man sich einlassen, dem man mit Ruhe und Muße begegnen muss, doch dann wird es einen berühren und verzaubern.

Atemlose Spannung darf man nicht erwarten, es geht größtenteils ruhig und gemächlich zu, die Dinge entwickeln sich langsam, aber stetig. Doch das tut dem Genuss keinen Abbruch, denn das Buch hat so viel zu bieten: Kleine Episoden am Rande, die bereichern und einige interessante Reisegefährten, die Jean Perdu zur Seite stehen und das Ganze unterlegt mit einem sehr feinen Humor. Dazu herrliche Landschaftsbeschreibungen, die vor allem die Provence vor den Augen der Leser zum Leben erwecken.

Das Lavendelzimmer ist ein wundervolles Buch, das bewegt, berührt, nachdenklich und vor allem hoffnungsvoll stimmt und das auch nach der letzten Seite noch lange nachhallt.

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Letzte Kommentare:
15.09.2014 21:20:25
Mara

Oh Gott, du kannst dieses wunderbare Buch nicht weiterlesen, weil Nina George portugiesisch mit spanisch verwechselt hat?!
Ich finde, dass du damit eine ganze Reihe von Lebensweisheiten, die du ausnahmsweise vielleicht nicht klugscheißern könntest, entwertest. Dann kommt der Tango eben aus Argentinien, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Buch von der ersten bis zur letzten Seite lesenswert ist.
..wie oft habe ich während des Lesens gestaunt, wie genau und umfassend hier Gefühle und Situation, Gedankengänge und Ideen in Worte gefasst sind.
Worte, denen man auch kleine "Stolpersteine" in den Weg legen kann, und trotzdem erreichen sie ihr Ziel: Dem Leser aus der Seele zu sprechen.

22.07.2014 16:15:08
Lapidilapida

Ja, der Tango war ein Stolperstein in diesem Roman.
Davon gabs noch mehrere. Insgesamt überwiegen zauberhafte Szenen. Das sind die, die eher "klein" sind, die die nicht mit Schicksal, Trauer, granitblockschweren Gefühlen beladen sind. Mir war es zuviel der Kalenderweisheiten und der gaaanz großen Gefühle. Die wunderbare Reise mit dem Flussschiff, das Gespräch mit der alten Dame auf dem Quai, die Beschreibung der Mitbewohner in der Pariser Rue Montanard... da hat er einen ( Amelie)Zauber, dieser Roman. Ich las viele Romane, wo ich dachte: Hmmm, weniger wäre mehr gewesen... so auch hier.

28.06.2014 18:05:26
Sagota

P.S. (ich hatte auf der Rückseite noch einen Teil der Rezension stehen...)

"Das Lavendelzimmer" ist ein Roman, in dem es vor allem um eines geht: Um die Skala der menschlichen Gefühle, die hier sehr sensibel zur Sprache gebracht wird, oft in Metaphern gefasst und stilistisch brillant beschrieben.,.,
Es ist eines der besten und emotionalsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe:
Eine absolute Leseempfehlung für sensible Menschen und solche, die es werden wollen ;-)
von mir 100 Punkte, die für dieses "Juwel" in Form eines Buches kaum ausreichend sind....

28.06.2014 17:44:17
Sagota

Ansprechend und wunderbar zum Titel passend ist >das cover.....
Zum Inhalt:
Sowohl auf dem Buchrücken als auch im Klappentext zu finden, der es prägnant auf den Punkt bringt: Es geht um die Liebe, die Liebe zu Büchern, die Magie der Bücher, um Verluste, Kränkungen, Stolz - um die "Enzyklopädie der mittelschweren Gefühle" - an der Jean Perdu schreibt....,
Meine Meinung:
Ein kluges, intelligentes, philosophisches, skurriles und humorvolles, lebensbejahendes Buch, das eine wahrhaft märchenhafte Geschichte um die Liebe(n) und das Leben des Pariser Buchhändlers Jean Perdu (John Lost, Giovanni Perdito ;-) - des Seelenlesers - erzählt, die mehr als den Leser berührt: Sie reißt ihn mit auf eine Reise durch Trauer und Traurigsein sowie Verlust, aber auch tief empfundener Freude und wiederentdecktem Leben, das dem Erstarrtsein gegenübersteht.
Wer nicht durch das Meer von Tränen geschwommen ist, um irgendwann (zu der richtigen Zeit) wieder ins klare Licht der Lebensfreude emporzutauchen und das Leben in all seinen widersprüchlichen Gefühlsfacetten so trefflich zu beschreiben, der (bzw. die) ist nicht in der Lage, solch ein wunderbares, zauberhaftes, ja sa-gen-haftes Buch zu schreiben!
100 Punkte bzw. 5 Sterne für die literarische Reise auf der "Lulu", dem Pariser Bücherschiff bis in die Provence und Südfrankreich, Sanary-sur-mer zusammen mit den sehr symphathischen Protagonisten Jean Perdu, Max Jordan, Cuneo und Samy nebst den Katzen Lindgren und Kafka ;-)):
Ein gewaltiges Lob an die Autorin, Nina George und ein herzliches Dankeschön für viele Lesestunden als "Dauerschmunzlerin" - überragend schön, emotional und voller Wahr- und Weisheiten....
P.S.; Einiges aus der "Pharmacie littéraire" habe ich in meinem Fundus ;-) und eine gute "Haus-Buchapotheke" kann ja immer aufgestockt werden ;-)

06.04.2014 10:30:39
Lizabeth Timmel

habe das Buch mit Begeisterung bis Seite 169 gelesen, "wir lernten Portugiesisch". Hallo ? Tango kommt aus Argentinien-Uruguay, da redet man spanisch und da geht es auch nicht um "Saudade", das ist portugiesisch und gehört zum "Fado"....
Frage mich, was es sonst an Ungenauigkeiten in dem Buch hat.... kann es nicht mehr weiterlesen...