Die Analphabetin, die rechnen konnte

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Der Hörverlag, 2013, Seiten: 6, Übersetzt: Katharina Thalbach, Bemerkung: gekürzte Lesung

Couch-Wertung:

88

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91-100
0 x 81-90
1 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:87
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":1,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":1}
Daniela Loisl
Clevere Latrinentonnenträgerin versus begriffsstutzigen Atombombeningenieur

Buch-Rezension von Daniela Loisl Okt 2013

Mit dem Erstlingswerk Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, legte Jonas Jonasson einen so grandiosen Roman vor, dass dieser monatelang auf allen Bestsellerlisten zu finden war. Mit dem aktuellen Buch versucht der Autor nun an den Erfolg anzuschließen und hat sich dabei die Messlatte selbst immens hoch gelegt.

Nombeko Mayeki, ein 12 Jähriges Mädchen aus den Slums in Soweto, früh verwaist, arbeitet als Latrinentonnenträgerin, um mehr schlecht als recht über die Runden zu kommen. Was im Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand Allan Karlsson, ist hier Nomebko. Gewitzt, gerissen und äußerst clever, sticht sie bald ihren Chef aus und wird selbst Chefin der Latrinentonnenträger. Als sie von einem betrunkenen Autofahrer niedergemäht wird, muss sie zur Strafe einige Jahre bei ihm als Putzfrau arbeiten. Schnell stellt sich heraus, dass dieser Autofahrer ein ständig betrunkener und etwas debiler Ingenieur ist, in dessen Händen es liegt, Atomtests durchzuführen und die Sprengkraft der Bomben zu verbessern.

Dann gibt es noch drei Chinesinnen, die sich darauf verstehen, Leute und Hunde zu vergiften, Zwillinge, die beide den Namen Holger tragen - von denen aber nur einer existiert, zwei israelische Agenten, die sich auf die Suche nach einer Atombombe machen, einen König, einen chinesischen Parteiobersten, einen schwedischen Ministerpräsidenten und einen südafrikanischen Präsidenten – ach ja, und noch ein sehr zorniges Mädchen. Das sind die Figuren, die rund um Nombeko das zentrale Geschehen beherrschen.

Jonasson hat mit seinem zweiten Buch das Rad – und auch sich selbst - nicht neu erfunden und bleibt seiner Linie treu. Im Grunde hat die Geschichte Pfiff und Witz, reicht aber dennoch  nicht an den Debütroman heran. Stimmt das? Nun mag man sich fragen, warum das so ist, wenn er seinem Stil doch so absolut treu geblieben ist. Dieses Buch ist Im Grunde keineswegs schlechter als der Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, was aber diesem Roman angelastet wird, ist, dass man Jonassons so smarten Erzählstil eben schon kennt. Ist das fair? Nein, sicher nicht. Die Analphabetin, die rechnen konnte ist ebenso stringent, mit demselben subtilen Humor und mit vielen unterschwelligen Andeutungen in Bezugnahme des vergangenen Weltgeschehens gespickt wie der Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Allerdings ist die Geschichte selbst komplexer gestrickt als das Erstlingswerk.

Jonassons Aneinanderkettung abstruser und skurriler Ereignisse, in denen so einige weltbekannte Politiker ihr Fett abbekommen, ist aber nicht eine nur auf Absurditäten gebaute Geschichte, sondern bietet zugleich auch eine gewisse Tiefgründigkeit. Was so locker leicht an politisch grausamen, unmenschlichen Handeln daherkommt, ist aber nichts anderes, als intelligent verpacktes Aufzeigen weltlicher Missstände und abrechnen mit korrupten, egozentrischen aber mächtigen Politikern. Was so nebenbei erwähnt wirkt, ist aber ganz bewusst eingestreut und gibt der smarten und kompakten Geschichte auch noch Tiefgang. Jonassons Blick und Anrechnen mit dem Fundamentalismus sind zweifelsfrei die Stärken des Buches. Schwächen gibt es leider auch und das liegt an so manchen Figuren, denen lediglich eine hervorstechende Eigenschaft verpasst wird, ohne mehr in die Tiefe zu gehen.

Wo soll man Jonassons Roman nun einordnen? Welchem Genre gehört er an? Ein literarisches Highlight ist er nicht, das war aber auch der Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand nicht und dennoch konnte er Millionen Leser begeistern. Es ist der immens gute Unterhaltungswert die Jonassons Bücher zu etwas gänzlich anderem machen - als einen banalen Roman. Die kosmopolitische Fantasie, mit der er seine Figuren durch die Geschichte reisen lässt sucht seinesgleichen. Ein Buch, welches man zur Hand nehmen sollte, um sich schöne und humorvolle Stunden zu bescheren, aber in dem man keinesfalls nach realistischen Begebenheiten suchen sollte. Wer das berücksichtigt wird auch mit Die Analphabetin, die rechnen konnte voll auf seine Kosten kommen.

Allerdings sei das Buch den Lesern empfohlen, die auch über ein Mindestwissen über die Weltpolitik des letzten Jahrhunderts verfügen, da man sich ansonsten durch die vielen Anspielungen auf diverse Handlungen der politisch Mächtigen schnell langweilen wird.

Deine Meinung zu »Die Analphabetin, die rechnen konnte«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
03.06.2016 13:40:04
Betty Rü.

Auch wenn mir persönlich das Buch nicht gefallen hat, finde ich es gut, daß es Leser gibt, denen das Buch gefällt.

Für mich heißt das, daß es Menschen gibt, mit denen man sich über ein Thema unterhalten und austauschen kann.

Nicht jedes Buch muß einen Bezug zur Realität haben.

Für mich sind Bücher Genussmittel.

Darum bin ich auch keine Schnellleserin, die einen Rekord aufstellen will, innerhalb einer bestimmten Zeit eine bestimmte Anzahl an Büchern zu lesen.

Und Bücher sollen mich an manchen Tagen einfach mal aus der Realität entführen, wenn ich da so an die ganzen Nachrichten denke.

24.04.2016 19:26:54
Magda Heinrich

Ein blödes Buch und kein Vergleich zum Vorgängerbuch. Konnte man beim Hundertjährigen noch lachen, war die Analphabetin staubtrocken. Eine an den Haaren herbei gezogene Geschichte. Man kann das Buch nicht empfehlen. Jeder, der es lesen möchte, sollte es sich in der Stadtbücherei ausleihen, damit er sich nicht darüber ärgert, auch noch Geld für diesen Mist ausgegeben zu haben. Das Buch mit dem Hundertjährigen kann man lesen. Aber wenn man den gleichen Erfolg von der Analphabetin erwartet, wird man enttäuscht. Hoffentlich ist das neue Buch nicht genau so grottenschlecht.

19.03.2014 17:14:03
Jossele

Wieder ein tolles und witziges Buch von Jonasson voller Skurrilitäten. Wie beim Erstling wundervoll formuliert und voll spritziger Ideen. Und wieder beeinflussen die Hauptpersonen ungewollt die große Poltik und Geschichte. Und ebenso treffen sie sich meist mindestens zweimal im Leben. Das alles ist aber aus meiner Sicht auch eines der Schwächen des Buches - es ist eigentlich das Gleiche wie beim Hundertjährigen, eine Weiterentwicklung kann ich nicht erkennen. Und ab und an werden mir die lustigen Begebenheiten zu kurz hintereinander aufgezählt, da geht es um den Witz an sich, teilweise am Faden der Geschichte vorbei. Ein Straffung um ca. 100 Seiten wäre vielleicht nicht schlecht gewesen. 80°

15.12.2013 19:07:40
Eglfinger

Inhalt:
"Die aberwitzige Geschichte der jungen Afrikanerin Nombeko, die zwar nicht lesen kann, aber ein Rechengenie ist, fast zufällig bei der Konstruktion nuklearer Sprengköpfe mithilft und nebenbei Verhandlungen mit den Mächtigen der Welt führt. Nach einem besonders brisanten Geschäft setzt sie sich nach Schweden ab, wo ihr die große Liebe begegnet. Das bringt nicht nur ihr eigenes Leben, sondern gleich die gesamte Weltpolitik durcheinander..." Quelle: carl's books

Meine Meinung:
Jonasson rechnet in diesem Buch mit unheimlich viel Humor und liebevollem Charme mit dem Fundamentalismus aus dem letzten Jahrhundert ab. Vorrangig geht es ihm um die wohl zwei dümmsten Erfindungen des letzten Jahrhunderts. Das ist auf der einen Seite die Apartheid, Rassismus als Regierungsform, und auf der anderen Seite die Erfindung der Atombombe. Gerade das zweite Thema scheint ihm ein besonderes Anliegen zu sein, da er es ja schon in seinem vorherigem Buch "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" angeschnitten hat. Seine Hauptprotagonistin Nombeko, die in Soweto mit 5 Jahren anfängt im Latrinendienst zu arbeiten und später aufgrund ihrer Rechenkünste Chefin wird, wird von einem weißen und betrunkenen Ingenieur überfahren und muss zur Strafe nun sieben Jahre für diesen Ingenieur arbeiten. Als der unfähige und immer betrunkene Ingenieur feststellt, wie intelligent die junge Frau ist, fragt er sie immer öfter um Rat, so dass Nombeko dahinter kommt, dass der Ingenieur dafür zuständig ist, dass Südafrika zur Atommacht wird. Nombeko steckt nun in einer Zwickmühle. Einerseits will sie nicht, dass das Projekt realisiert wird, andererseits hat sie aber auch davor Angst, was aus ihr geschieht, wenn das Projekt zu Ende ist. So hilft sie dem Ingenieur nur in so weit, dass sich das Ende so weit wie möglich verzögert. Doch am Ende wird aufgrund der Unfähigkeit des Ingenieurs eine Atombombe zu viel produziert und versteckt. Und damit diese Bombe nicht in die falschen Hände gerät, unter anderem dem israelischen Geheimdienst Mossad, gelangt die Bombe mit Hilfe von drei chinesischen Schwestern, die sich darauf spezialisiert haben Gänse aus der Han-Dynastie zu fälschen, nach Schweden. Dort trifft sie auf die Liebe ihres Lebens, Holger 2, der eigentlich gar nicht existiert. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder, Holger 1, der die Monarchie abschaffen will, einer jungen Zornigen, und einer Gräfin, die keine Gräfin ist, leben sie zwanzig Jahre zusammen mit der Bombe in Schweden und versuchen die Bombe loszuwerden. Dabei geraten sie in eine Reihe komischster Ereignisse.
Jonasson hält sich an realen politischen Ereignissen, nur mit dem Unterschied, dass in seiner Erzählung Nombeko und ihre skurrilen Abenteuer eine große Rolle dabei gespielt hat. Es ist unglaublich, wie viele Einfälle Jonasson hat und mit welchem Humor er diese beschreibt. Auch seine Charaktere sind wunderbar beschrieben.

Mein Fazit:
Wer den Hundertjährigen gemocht hat, wird Nombeko lieben. Eine absolute Lese- und Kaufempfehlung und deshalb gibt es von mir 98 Grad.

Film & Kino:
The Crown - Staffel 3

Die Queen in ihrer vordergründig repräsentativen Rolle ist eine zeitgeschichtliche Ikone, sodass der Erfolg der seit 2016 bei Netflix laufenden Serie „The Crown“ nicht verwundert. Die dritte Staffel markiert allerdings einen Umbruch: Die Royal Family ist in den 60er-Jahren angekommen und viele Rollen werden neu besetzt, da auch die Blaublüter nicht vor dem Altern gefeit sind. Titel-Motiv: © Des Willie / Netflix

zur Film-Kritik