Schwimmen mit Elefanten

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Liebeskind, 2013, Seiten: 317, Übersetzt: Sabine Mangold

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Sebastian Riemann
Schachpoesie in einer Seifenblase

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Okt 2013

Die besten Freunde des Jungen sind ein toter Elefant und ein Mädchen, welches im Spalt zwischen zwei Häusern lebt und nur von ihm gesehen wird. In ihrem neusten Buch verwendet Yoko Ogawa eine Hauptfigur, die dazu einlädt, sich an kälter werdenden Herbsttagen gemütlich auf das Sofa zu legen und in eine andere Welt zu tauchen. Der Protagonist, ein Junge ohne Namen, hat eine faszinierende und sympathische Geschichte, welche meisterlich erzählt wird. Er ist anders als andere Jungen in seinem Alter, darüber herrschen keine Zweifel aufgrund seiner Zurückgezogenheit und Tagträumereien, doch anfangs ahnt niemand welches Talent in ihm schlummert, bis ein Unglück in der Schule ihn auf einen Weg führt, der sein Leben verändert und ihm seine wahre Bestimmung offenbart. Das Schachspiel wird für ihn die größte Leidenschaft, ermöglicht ihm Dinge zu erleben, die ihm sonst verwehrt geblieben wären, und mit den Menschen zu kommunizieren, auf eine Art die seinem Wesen entspricht.

Yoko Ogawa wurde 1962 in Japan geboren und gehört zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen ihres Landes. Sie wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet und erfreut sich über die Landesgrenzen hinaus großer Beliebtheit.

Beim Schachspielen taucht der Junge unter, in ein Meer, in welchem seine beiden besten Freunde zugegen sind, sie geben ihm Sicherheit und Geborgenheit, versichern ihn gegen die Außenwelt, in welcher er ein Sonderling ist und wohl immer bleiben wird. Es fehlt ihm nicht an Freunden, an Menschen, die ihm wohlgesonnen sind, vielmehr zieht ihn sein träumerisches Gemüt beständig weg von der harten und öden Realität. Das Spiel mit König, Dame, Türmen, Läufern, Springern und Bauern ist jedoch verschieden, es ist nicht kalte Überlegung, kein Schlachtfeld der Spieler, sondern vielmehr ein poetisch anmutender Raum, der jedem Teilnehmer die Möglichkeit gibt, sich selbst zu entfalten und eine harmonische Beziehung zu seinem Gegenüber zu schaffen. Die 64 dunklen und hellen Felder ermöglichen dem Jungen das zu tun, wozu er im alltäglichen Leben nicht fähig ist.

 

"In diesem Moment verstand seine Großmutter, warum die Lippen des Jungen ursprünglich versiegelt gewesen waren und mit was für einer Begabung er stattdessen gesegnet war. Der Junge kommt ohne Worte aus. Er lässt die Figuren erzählen. Und das auf so wundervolle Weise..."

 

Doch auch die Welt des Schachs ist kein Paradies, das muss der Junge lernen. Die Autorin schafft nicht einfach einen paradiesischen Gegenentwurf zum wirklichen Leben, in welchem dem Jungen nur Gutes widerfährt, sie lässt ihn auch Enttäuschungen und Entsetzen durchleben. Dabei ist sie jedoch stets bedacht, bestimmte Grenzen nicht zu überschreiten, das Buch soll den Leser nicht schockieren, aber hin und wieder wachrütteln.

Der Junge bleibt stets ein Junge, auch im fortgeschrittenen Alter. Recht früh entschließt er sich körperlich ein Kind zu bleiben, da verschiedene Erfahrungen mit großen Menschen und Tieren ihn nichts Gutes ahnen lassen. Das eigene Wachsen wurde ihm folglich ein Grauen.

 

"Die Vorahnung dieser zu erwartenden Veränderungen zog ihn in einen Sumpf der Angst. Alles, was er mit dem Größerwerden verband, verwandelte sich für ihn in ein Schreckensszenario."

 

Yoko Ogawa hat einen sehr schönen und einfühlsamen Roman vorgelegt, ist manchmal jedoch zu versessen darauf, ein wohliges Gefühl und verträumte Bilder hervorzurufen. Sie vergleicht Schach mit Poesie, wieder und wieder, ohne diesem Vergleich ernsthaft Substanz zu geben. Wie aber könnte man das Schachspiel tiefer greifend poetisieren? Diese Frage scheint Ogawa nicht beantworten zu können, sie verbleibt lieber bei einem vagen Gefühl und strapaziert die Nerven des Lesers. Denn: Ein derartig einfacher Vergleich in zahlreichen Wiederholungen verbraucht sich zu schnell - und vermag seine Wirkung nicht mehr zu entfalten.

Die Hauptfiguren im Buch sind gekennzeichnet durch ihre Freundlichkeit und Außenseiterrollen. Der Junge bleibt Junge, scheu und liebenswert, ein echter Sympathieträger. An ihn schließen sich viele andere Charaktere an, die ähnlich konzipiert sind. Hier offenbart sich ein Manko dieser schönen, verträumten Welt: Die Menschen in ihr sind zu einfach zu erfassen, in Gut und Böse einzuteilen. Die Personen entwickeln sich sehr langsam, den Leser überraschen sie sehr selten. Trotzdem ist es ein schönes Buch, besonders für Tage geeignet, an denen man um den vergangenen Sommer trauert und sich eine Welt wünscht, in welche man gänzlich eintauchen kann.

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