So wirst du stinkreich im boomenden Asien

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • New York: Riverhead Books, 2013, Titel: 'How to Get Filthy Rich in Rising Asia', Originalsprache

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Sebastian Riemann
Leichte Kost und keine Hilfe aus Asien

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Sep 2013

Stell dir vor du liest ein Selbsthilfebuch, welches dir erklärt, wie du in einem chaotischen Land in Asien richtig viel Geld machen kannst, dir die ganzen verborgenen Kniffe zeigt und mehr Aha-Erlebnisse als Seiten bereit hält. Oder stell dir einen Roman vor, dessen Protagonist einen Lebensweg geht, der angefüllt ist mit deinen Klischees über chaotische Zustände in gewissen Regionen Asiens, sagen wir Pakistan. Wer Ersteres erwartet sollte sich von Hamids neuem Roman fernhalten, da das Buch in vielfacher Hinsicht nicht das halten kann, was es zu versprechen scheint. Die Sache mit der fehlenden Selbsthilfe ist noch das kleinere Übel.

Ein richtiges Selbsthilfebuch für Erfolg in Asien wäre für den durchschnittlichen Leser, der nicht über reichhaltiges Wissen bezüglich jenes Kontinentes verfügt, eine glatte Überforderung, seien wir ehrlich. Wie sollte man feine Manöver in den Wirtschaftskreisen im asiatischen Raum verstehen, wenn man selbst in Europa die Machenschaften von Industrie, Banken und Politik nicht durchschaut? Wie sollte man das Leben in dieser exotischen Ferne einordnen können, wenn die Curry-Gewürzmischung im Küchenschrank und eine Doku über den Dalai Lama die einzigen kulturellen Anhaltspunkte sind, die einem als Leser zur Verfügung stehen? Mohsin Hamid war seinem westlichen Publikum jedoch so wohlgesonnen, dass er auf Tiefgründigkeit gänzlich verzichtete. Ohne viel Mühe reiht er Seite an Seite und wiegt das Vorstellungsvermögen des Rezipienten in den Schlaf. Hier wird niemand überfordert, das ist schnell klar. Man muss ihm danken, da er sich nicht in Details verliert, die wohl angebracht aber unverständlich wären, aber man muss sich fragen, warum er so wenig preisgibt vom Leben im boomenden Asien. Ein paar Einblicke mehr würde sich der Leser schon wünschen.

In schnell dahingeworfenen Bildern wird das Leben des Protagonisten erzählt, der in ärmlichen Verhältnissen im ländlichen Raum aufwächst. Die Familie lebt mit wenig Mitteln auf engstem Raum und ohne Privatsphäre für den Einzelnen, kranke Kinder liegen des Nachts nur wenig entfernt von ihren kopulierenden Eltern und müssen ohne viel Hilfe für ihre Gesundheit kämpfen, da es keine Medikamente gibt. Der erste Schritt zu einem besseren Leben ist der Wechsel in die Stadt mit all ihren Möglichkeiten Geld zu verdienen. Wer es dort schafft kann sich mehr Wohnraum und ärztliche Versorgung leisten, und natürlich Konsumgüter, die auf dem Land sehr selten sind.

Bildung ist ein weiterer Schlüssel zum Erfolg, wobei jedoch darauf zu achten ist, nicht zu sehr in intellektuelle oder sogar politische Kreise abzugleiten, denn derartige Verbindungen, die gerne auf universitärem Nährboden sprießen, bringen dem nach Reichtum Strebenden wenig Vorteile, oft nur Ärger und unnütze Verpflichtungen. Ähnlich verhält es sich mit der Liebe. Der Protagonist des Romans hält sich jedoch wenig an die Vorgaben, die Hamids Stimme aus dem Off über die Erzählung legt. So schaut man ihm zu, wie er sich seinen Kopf von einem hübschen Mädchen verdrehen lässt und in eine wenig glücklich machende Abhängigkeit zu ihr gerät. Schnell wird sie als Model erfolgreich und treibt den Jungen zusätzlich an, reich zu werden. Auf einer Dinner Party in der Stadt treffen die beiden sich wieder, sie als Gast, er als Kellner – die vielleicht beste Szene im Buch vollbringt was sonst selten nachhaltig vermittelt werden kann: jene Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen, die durch gesellschaftliche Klassenunterschiede hervorgerufen werden und das zwischenmenschliche Zusammensein erschweren. Das Treffen des neureichen Mädchens mit dem aufstrebenden Halunken ist als Element im Handlungsverlauf kein sonderlich originelles Stück, aber vermag einen lebendigen Einblick zu geben in die Probleme, die aus persönlichen Bestrebungen im Geflecht der Gesellschaft entstehen.

Die Hinweise für schnellen Reichtum beinhalten weitere Themen, die wenig überraschen, sondern vielmehr bestätigen, was einem in den Sinn kommt wenn man über Pakistan – dem Heimatland des Autors – sinniert. Gewalt und Korruption stehen natürlich weit oben auf der Agenda, sind unentbehrliche Bestandteile im Kampf um die größten Stücke der Torte. So baut der Protagonist seine Firma auf und erweitert seinen Geschäftsbereich beständig, wobei ihm kriminelle Organisationen und bestechliche Beamte, am Ende sogar das Militär, behilflich sind.

Später wird der Unternehmer von seiner vernachlässigten Frau verlassen, der Sohn will nicht aus den Vereinigten Staaten wiederkehren und auch die Gesundheit des alternden Mannes macht sich bemerkbar. Am Ende kommen er und das hübsche Mädchen im Greisenalter zusammen und genießen ihren Lebensabend gemeinsam. Der Verlauf des Romans überrascht wenig und bleibt vorhersehbar.

Das Buch ist allenfalls interessant für eine Leserschaft, die wenig Vorstellungen und noch weniger Kenntnisse über die Verhältnisse im boomenden Asien besitzt, sich einen ersten Eindruck verschaffen will oder einfach nur ein simples Hollywood-Drehbuch zum Thema Pakistan lesen möchte. Wer hingegen die Gegend ein wenig kennt, aus eigenen Reisen, Literatur, Film und Fernsehen, der wird wenig Neues auf dem Papier finden, wird vielleicht sogar negativ reagieren ob der einfachen Bilder, die der Autor bemüht, und der fehlenden Reflexion, die Klischees hätte aufbrechen können.

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