Jedem Anpfiff wohnt ein Zauber inne

  • Mannheim: Kunstanstifter Verlag, 2013, Seiten: 132, Originalsprache
Jedem Anpfiff wohnt ein Zauber inne
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Andreas Kurth
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Belletristik-Couch Rezension von Andreas Kurth Aug 2013

Nicht nur ein Spiel!

Kann man über so etwas Profanes wie Fußball poetisch und philosophisch schreiben und reden? Offensichtlich kann man das, der Kommunikationswissenschaftler Klaus Hansen hat daraus sogar ein Buch gemacht. Jedem Anpfiff wohnt ein Zauber inne heißt das Werk, und es ist für Liebhaber dieser Sportart gleichermaßen lesenswert wie für Fußball-Muffel. Der Autor überschreibt sein Vorwort mit dem Satz:

 

"Vom Vergnügen am eigenen Versagen".

 

Neben einer kleinen Historie der Erfindung des Fußballspiels wird es da schon ketzerisch-philosophisch. Hansen schreibt, dass es bei jedem Sport um Aktionen geht, die durch Regeln erschwert werden, denen sich die Sportler jedoch freiwillig unterwerfen.

 

"Im Fußballspiel hat die freiwillige Selbsterschwerung gewiss einen zivilisatorischen Höhepunkt erreicht."

 

Ein tröstlicher Satz für alle Kicker, die mit eher weniger Talent diesem Sport nachgehen…

Hansen berichtet von regelmäßigen Desastern:

 

"Jedes Fußballspiel ist eine beeindruckende Zelebration des menschlichen Unvermögens."

 

Wer das Buch schon jetzt wutentbrannt zuklappt, verpasst eine überaus lesenswerte Sammlung von sinnreichen Zitaten, poetischen Verballhornungen und netten Geschichtchen. Es beginnt mit elf so genannten Bierdeckeln, auf denen menschliche Weisheiten rund um den Fußball zum Besten gegeben werden. Der "Meidericher Endspielrausch" schildert dann Ansichtssachen, und zwar genau elf an der Zahl. Die Elf spielt immer wieder eine Rolle, und die besondere Bedeutung dieser Zahl wird im Laufe des Buches verdeutlicht – oder auch nicht.

Hansen präsentiert Sprachspiele mit Tabellen und Taktiken, grafisch aufgearbeitet, lesenswert, nachdenklich machend. Das kann man als sinnfreien Wortsalat betrachten, doch wer sich auf die Lektüre einlässt, wird eine strenge Ordnung erkennen. Es gibt überaus bittere Botschaften, aber immer mit intelligentem Hintersinn. Es werden aber auch nette Plattheiten in den Grafiken verarbeitet:

 

"Warum sollen wir rennen? Der Ball schwitzt nicht!"

 

Mein persönliches Highlight in diesem netten Schmöker sind die elf so genannten Autogrammkarten. "Tausche dreimal Papst für einen Fritz Walter" – so nennt der Autor diesen Abschnitt, in dem sinnige und originelle Zitate berufener Zeitgenossen versammelt werden. So hat der Fußballlehrer Christoph Daum geäußert:

 

"Der Kopf ist das dritte Bein des Spielers."

 

Von Hermann Hesse stammt das Titel-gebende Zitat:

 

"Jedem Anpfiff wohnt die Hoffnung inne, dass mein Verein und nicht der andere gewinne."

 

Hier wird gnadenlos Poesie mit Alltagsprosa gemischt. Und manches lässt dann auch tief blicken, wie etwa der Ausspruch von Walter Kempowski:

 

"Ich liebe Fouls! Fouls sind etwas Schönes. Auch In-den-Arsch-treten ist ein schönes Foul. Aber leider sieht man im Fußball viel zu selten schöne Fouls."

 

Und so geht es weiter, über elf Anekdoten hin zu den elf Argumenten gegen PISA. Man kann in diesem Buch herrlich stöbern, mal die eine oder andere Geschichte lesen, und so zu etwas mehr Gelassenheit beim Thema Fußball finden. Zu sehr sollte man die Bedeutung des Fußballs dennoch nicht relativieren. Auf Seite 89 wird ein Dialog von der Kripo Düsseldorf protokolliert, der während eines Spiels stattgefunden haben soll. Am Ende sagt der Mann:

 

"Diese Scheißniederlage versaut mir das ganze Wochenende."

 

Seine Frau antwortet:

 

"Es ist doch nur ein Spiel, Heinz!"

 

Laut Kripo waren das ihre letzten Worte. Nun, ganz so weit sollte es nicht kommen. Aber die amüsante Lektüre dieses gelungenen Werkes hilft vielleicht über so manches psychologische Tief nach einer unverdienten Niederlage hinweg!

Jedem Anpfiff wohnt ein Zauber inne

Klaus Hansen, Kunstanstifter Verlag

Jedem Anpfiff wohnt ein Zauber inne

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